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Unter mehr als tausend Chemie-Talenten, die bundesweit am Wettbewerb teilgenommen haben, hat Hendrik Hoeft aus Lüneburg die Runde der besten 15 erreicht. Der Schüler des Gymnasiums Oedeme weilt gerade beim Deutschland-Finale in Kiel und kann sich dort für die internationale Endrunde in Vietnam qualifizieren. Foto: t&w
Unter mehr als tausend Chemie-Talenten, die bundesweit am Wettbewerb teilgenommen haben, hat Hendrik Hoeft aus Lüneburg die Runde der besten 15 erreicht. Der Schüler des Gymnasiums Oedeme weilt gerade beim Deutschland-Finale in Kiel und kann sich dort für die internationale Endrunde in Vietnam qualifizieren. Foto: t&w

Hendrik zieht an allen vorbei

ahe Lüneburg. Als er nach Lüneburg kam, hatte er einen deutlichen Rückstand. Seine Mitschüler lernten schon seit Klasse 6 Chemie, in Bremen, wo er voher zur Schule ging, fängt der Fachunterricht erst in Klasse 8 an. Drei Jahre später ist Hendrik Hoeft längst an allen Mitschülern vorbeigezogen, hat inzwischen einen ähnlich deutlichen Vorsprung wie Usain Bolt im Ziel eines 100-Meter-WM-Vorlaufs auf seine Konkurrenten. Die Eins in Chemie ist quasi gesetzt, der 17-Jährige, der im nächsten Jahr sein Abitur am Gymnasium Oedeme machen wird, hat vor eineinhalb Jahren sogar ein Juniorstudium in Chemie an der Uni Hamburg begonnen parallel zum Schulunterricht. Jetzt hat er seine außergewöhnliche Begabung auch bei einem Wettbewerb unter Beweis gestellt: Bei der „Internationalen Chemie­Olympiade“ hat er das Finale der besten 15 Schüler in Deutschland erreicht.

Im Unterricht müssen seine Mitschüler seit gestern ohne Hendrik auskommen, eine Woche lang misst er sich nun in Kiel mit den anderen Chemie-Cracks der Republik. Es ist die Crème de la Crème, nachdem sich in drei vorausgegangenen Qualifikationsrunden die Spreu vom Weizen getrennt hatte. Mehr als Tausend Chemie-Talente waren angetreten, um die gestellten Aufgaben zu lösen. „Die erste Runde war noch recht einfach, da ging es zum Beispiel um Synthesewege eines Aromastoffes“, erzählt der Jugendliche. „Das konnte man auch mit Hilfe von Literatur und Internet ganz gut lösen. Die zweite Runde war dann schon deutlich anspruchsvoller, eine Aufgabe war aufgebaut wie ein Rätsel, man musste anhand von beschriebenen Eigenschaften und Reaktionen auf eine bestimmte Art von Molekül schließen.“ Nur die 60 besten Teilnehmer aus dem Bundesgebiet erreichten die dritte Runde. Hendrik war dabei, meisterte auch dort zwei jeweils fünfstündige Klausuren so gut, dass er nun unter den Top 15 ist.

So richtig erklären kann er sich seine Begabung selbst nicht. „Von meinen Eltern habe ich das wohl nicht, die haben beide Jura studiert. Irgendwie hat mich Chemie schon immer interessiert, weil fast alles in der Welt darauf aufbaut. Ich will einfach wissen, warum was so ist, wie es ist“, sagt der Gymnasiast, der schon in jungen Jahren Kristalle gezüchtet oder mit einem Chemiebaukasten experimentiert hat. „Es ist aber noch nie was explodiert“, versichert er mit einem Lächeln. Ihm sei bewusst, dass er mit seiner Leidenschaft eher ein Exot unter den Schüler ist. Während Deutsch, Englisch, Biologie oder Mathe von Gymnasiasten in der Oberstufe häufig als Leistungskurse gewählt werden, gilt Chemie vielen doch eher als Nummer 1 der Abwahlfächer. „Bei uns im Jahrgang gibt es trotz rund 200 Schülern gerade mal einen Grund- und einen Leistungskursus in Chemie“, bestätigt er.

Hendrik hat natürlich den Leistungskursus gewählt und ist dort, auch wenn er es selbst schon aus Bescheidenheit nie so sagen würde, wohl gelegentlich unterfordert. Bei ihm klingt das dann so: „Es gibt einige Phasen, die nicht ganz so interessant sind für mich, weil ich den Stoff schon beherrsche. Aber es gibt durchaus auch viele interessante Unterrichtsthemen.“ Und für den Fall, dass es mal langweilig wird, bleibt als Trost ja sein Studium, für das er regelmäßig zu Vorlesungen nach Hamburg fährt.

Doch nun steht Kiel im Terminkalender. Hendrik wird sich in einer fünfstündigen Klausur und einer fünfstündigen Praxisphase mit den anderen Finalisten messen. Auf das Ergebnis muss er dann aber zwei Wochen warten, ehe sich entscheidet, ob er als einer der besten vier Schüler aus Deutschland vom 20. bis 29. Juli nach Hanoi in Vietnam reisen wird. Dort steht das weltweite Finale der 46. Internationalen ChemieOlympiade auf dem Programm. Parallel hat gerade die erste Runde des 47. Wettbewerbs auf nationaler Ebene begonnen. Hendrik Hoeft ist natürlich wieder mit dabei.