Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Die Reichenbach-Variante im Brunnen-Streit
Wenn schon ein Brunnen vor der IHK, dann der Reichenbach-Brunnen, finden Nachfahren Thomas Sander (l.) und Matthias Makovec.  Foto: t&w
Wenn schon ein Brunnen vor der IHK, dann der Reichenbach-Brunnen, finden Nachfahren Thomas Sander (l.) und Matthias Makovec. Foto: t&w

Die Reichenbach-Variante im Brunnen-Streit

ca Lüneburg. Die Diskussion um den Brunnen vor der Industrie- und Handelskammer bekommt einen familiären Aspekt: Thomas Sander wirft dem Verein Lüneburger Kaufleute vor, nicht genug in der eigenen Geschichte geblättert zu haben. Eigentlich hätten sich Präsident Martin Aude und dessen Mitstreiter nicht für einen neuen Quell einsetzen sollen, sondern für den alten Reichenbach-Brunnen, der einst auf dem Sand und nun vis-à-vis der Polizei plätschert. Sander ist ein Urenkel des ehemaligen Senators Johannes Reichenbach, der spendete den Brunnen einst.

Während das Wasserspiel ein Fall für die Gerichte bleibt (LZ berichtete), sieht Sander die Sache so: Die Reichenbachs gehörten zu den angesehenen Familien der Stadt. Seit dem 17. Jahrhundert waren sie als Böttcher aktiv. Holztonnen waren lange Zeit so wichtig wie heute Container, gerade in Lüneburg, das sein Salz in den Fässern verschiffte. Die Reichenbachsche Fassfabrik zählte zu den Großbetrieben der Stadt. Urgroßvater Johannes habe den Brunnen gestiftet, sicher auch aus Eitelkeit, meint der Nachfahre. Johannes Sohn, Hermann Reichenbach, war Gründungsmitglied des Vereins Lüneburger Kaufleute, zeitweilig gar deren Präsident. 1932 stand er an der Spitze der Industrie- und Handelskammer, musste sein Amt aber ein Jahr später auf Drängen der Nationalsozialisten wieder aufgeben. Die Frau des Unternehmers habe jüdische Wurzeln gehabt, erklärt Sander.

Der Nachfahre argumentiert nun so: Am liebsten hätte er gar keinen Brunnen auf dem Sand. Doch wenn schon, hätten sich die Kaufleute aus ihrer Vereinsgeschichte heraus um den Reichenbach-Brunnen bemühen sollen, nicht um den umstrittenen Grapengießer-Entwurf. Sander sagt, er habe sich mit seinen Bedenken an Kaufmanns-Präsident Aude gewandt, doch der habe ihm nicht geantwortet. Zur Erinnerung: Die Kaufleute hatten zum 100. Geburtstag des Vereins 160000 Euro gesammelt, um den Brunnen bauen zu lassen, dessen Entwurf vor 14 Jahren von einer Jury prämiert worden war, dann aber in Vergessenheit geriet.

Aude sagt nun: „Bis vor kurzem kannte ich Herrn Sander nicht, er ist nicht an uns he­­­­­rangetreten.“ Die Idee, den Reichenbach-Brunnen wieder auf den Sand zu stellen, sei nicht neu, aber bereits vor Jahren von der Stadt abgelehnt worden: „Insofern war das keine Option für uns.“ Im Übrigen hätten die entsprechenden Gremien sich für den Grapengießer entschieden, an diese Vorgabe habe man sich beim „Geschenk an die Stadt“ gehalten.