Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Restaurierung im Rote-Hahn-Stift geht voran. Ein Bauabschnitt ist fertig, der nächste soll begonnen werden. Die Maurer Christian Greul (vorne) und Klaus Böhnstedt erledigen einige Arbeiten.
Die Restaurierung im Rote-Hahn-Stift geht voran. Ein Bauabschnitt ist fertig, der nächste soll begonnen werden. Die Maurer Christian Greul (vorne) und Klaus Böhnstedt erledigen einige Arbeiten.

Schliff für Juwel wird teurer

ca Lüneburg. Skeptisch waren Elke Frost und Hella Siedenburg vom Vorstand der Lüneburger Bürgerstiftung von Anfang an: Würde die angepeilte knappe Million Euro reichen, um den Stift zum Roten Hahn zu sanieren? Ein Jahr später wissen sie, dass die Kalkulation nicht aufgehen wird. Der erste Bauabschnitt ist quasi abgearbeitet, er war mit Ausgaben von 436000 Euro kalkuliert, nun wird alles rund 50000 Euro teurer. Und bei den nächsten beiden Abschnitten dürfte es mit ziemlicher Sicherheit ähnlich aussehen. Das steht auch für Maja Lucht fest, sie begleitet im Bauamt der Stadt die Planungen. Um doch alles umsetzen zu können, bitten die Stiftungs-Damen um Unterstützung.

Der Rote Hahn, der an der gleichnamigen Straße liegt, kann auf nahezu fünf Jahrhunderte Geschichte zurückblicken. Das 1537 von Ratmann Hinrik Erpen gegründete Hospital nahm Siechende und Kranke auf. Bei der mildtätigen Bestimmung des malerischen Ensembles, das nahezu täglich Ziel von Stadtführungen und Touristengruppen ist, ist es bis heute geblieben. Elf Wohnungen zählen das Haupthaus sowie Flügel- und rückwärtige Bauten. Wegen der Sanierung sind aktuell nur fünf davon belegt. Eine Bleibe findet hier, wer als bedürftig gilt. Die Arbeiten sind so geplant, dass Mieter in den Gebäuden umziehen können, wenn die Handwerker anrücken.

Und die haben in den vergangenen Monaten einiges entdeckt, mit dem sie und das Architektenbüro Henschke, Schulze, Reimers nicht gerechnet hatten. Elke Frost nennt als Beispiele Balken, die angegriffener sind als gedacht und erneuert werden müssen, oder eine abgehängte Decke, unter der Elektroleitungen anders verliefen als gedacht. „Voruntersuchungen konnten ja nur von außen gemacht werden“, sagt die Stiftungsvorsitzende erklärend: „Daher stoßen wir auf Überraschungen.“

Die Bürgerstiftung hätte die Sanierung aus eigener Kraft nie gestemmt. Daher waren Elke Frost und ihre Mitstreiter froh, dass die Stadt mit dem Wasserviertel in ein Sanierungsprogramm aufgenommen wurde, in das unter anderem EU-Mittel fließen. 440000 Euro überweist die Städtebauförderung für das Projekt, noch einmal 140000 Euro die städtische Stiftung Hospital Zum Großen Heiligen Geist, 360000 Euro stammen aus einem günstigen Darlehen der NBank. Maja Lucht, sie ist Finanzexpertin für das Sanierungsgebiet, erklärt, dass Fördermittel ausschließlich für Arbeiten an der Fassade verwendet werden dürfen. Doch natürlich muss auch in den Gebäuden etwas geschehen, so werden beispielsweise uralte Badezimmer durch die Sanierungen verlegt und durch neue ersetzt. Daher berechnet sie nun, ob die Stiftung für die zusätzlichen Arbeiten weitere Unterstützung der öffentlichen Hand einwerben kann.

Mitglieder aus dem Kreis der Stiftung haben bereits fleißig Klinken geputzt, um bei Lüneburgern Herzen und Portemonnaies zu öffnen. Doch sie hoffen auf weitere Unterstützung, um eins der schönsten Zeugnisse der Renaissance-Zeit in Lüneburg zu retten: Wer dort bei einem Spaziergang einmal reinschaue, der leiste vielleicht gerne seinen Obolus, um ein „Kleinod der Stadt“ zu erhalten. Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, erhält weitere Informationen bei Elke Frost unter Tel. 47634.