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Ex-Fußballerin und Autorin Katja Kraus im Gespräch mit Uni-Präsident Sascha Spoun. Kraus leitet eine Marketingfirma. Foto: t&w
Ex-Fußballerin und Autorin Katja Kraus im Gespräch mit Uni-Präsident Sascha Spoun. Kraus leitet eine Marketingfirma. Foto: t&w

Leidenschaft als Antrieb

mm Lüneburg. „Wer ganz nach oben auf der Karriereleiter will, muss irgendwann den Kopf ausschalten und sich selbst als der Größte fühlen“, sagt die erfolgreiche Unternehmerin Katja Kraus bei der „Night of the Start-ups“ an der Leuphana Universität. Gleichzeitig zeigt sich die ehemalige Fußballnationalspielerin bescheiden: „Ich hätte es wahrscheinlich nie ganz an die Spitze geschafft. Ich war immer sensibel.“ Ihr Antrieb seien Angst und Leidenschaft.

Kraus führte es nach ihrer aktiven Zeit als Fußballerin sie absolvierte 220 Bundesligaspiele im Tor des FSV Frankfurt, stand überdies sieben Mal im Aufgebot der Nationalmannschaft in den Vorstand des Hamburger Sportvereins. Ihr Amt bekleidete sie acht Jahre, war in der Managementriege so lange einzige Frau. Im vorigen Jahr gründete sie mit Jean-Remy von Matt, Mitgründer der renommierten Hamburger Werbeagentur von Matt, die Tochtergesellschaft Jung von Matt/sports, dort ist sie Geschäftsführende Gesellschafterin.

Zwischen den Karrierestationen hat die 43-Jährige ein Buch veröffentlicht, „Macht: Geschichten von Erfolg und Scheitern“. Es geht um Persönlichkeiten wie den Fußballer Thomas Hitzelsperger, die Bundespräsidentin-Kandidatin Gesine Schwan oder den Ex-Telekom-Chef Ron Sommer. Kraus: „Schreiben ist meine Leidenschaft geworden.“ Anlass für das Buch sei ihre eigene HSV-Biographie gewesen.

In der Mensa auf dem Uni-Campus tummelten sich rund 250 Gäste, unter ihnen Gründer, Investoren und Unternehmer. „Schade, dass die Band jetzt aufhören muss zu spielen“, bedauert Kraus, als sie das Podium betritt, um sich von Maik Fischer, Projektmanager am Entrepreneurship Hub der Leuphana, befragen zu lassen. Denn Musik sei eine ihrer Leidenschaften. Eine weitere eben das Schreiben.

Damit fing Kraus an, als ihr Vertrag im Vorstand des HSV nicht verlängert wurde. Das war im Jahr 2011. „Ich hatte zu dieser Zeit ein extremes Bedürfnis nach Ruhe und Einkehr, wollte raus aus der Hysterie und der Hektik“, erzählt Kraus. Am ersten Tag nach ihrem HSV-Aus habe sie angefangen zu schreiben. „Schreiben war etwas Neues für mich. Ich hatte erst Angst, dass ich das gar nicht kann.“ Sie kann, der Erfolg ihres Buches gibt ihr Recht. „Es gab unzählige Rezensionen“, berichtet Kraus.

Angst habe sie auch gespürt, wenn sie zwischen den Torpfosten stand. Die Angst einen Fehler zu machen. Das gleiche Gefühl habe sie im HSV-Vorstand gehabt: „Es gab einen permanenten Bewertungsdruck.“ Durch das Schreiben fiel Druck von Kraus ab, sie konnte sich auf einen neuen Job einlassen. Nun vermarktet sie Sportler und Vereine. Kraus arbeitet in Teilzeit, sie brauche ihren Freiraum. Den wünscht sie auch jungen Menschen. Ihr Karrieretipp: „Ausprobieren und entdecken, was in uns schlummert.“