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Heinrich Matheis sitzt an einem der Brunnen des Klosters in Lüne. Der ehemalige Hausmeister kennt die Wasserläufe genau, sie durchfließen das gesamte Gelände.
Heinrich Matheis sitzt an einem der Brunnen des Klosters in Lüne. Der ehemalige Hausmeister kennt die Wasserläufe genau, sie durchfließen das gesamte Gelände.

Der Wasser-Lauf

ca Lüneburg. Das helle Plätschern des Brunnens in der Eingangshalle des Klosters in Lüne kennen Abertausende. Handstein heißt der Quell, der scheinbar nie versiegt. Doch Besucher sehen hier nur einen kleinen Teil eines ausgeklügelten Wassersystems, das sich unter dem 1272 erstmals erwähnten Gemäuer hinzieht und an manchen Stellen wie ein Bachlauf in der Sonne funkelt. Die Benediktinerinnen und ihre Helfer nutzten eine Mischung aus natürlichen Gewässern und Leitungsbau, die vermutlich nur wenige so gut kennen wie Heinrich Matheis. Der ehemalige Hausmeister des Klosters bietet jetzt Führungen an, mit Gästen ist er dem Wasser auf der Spur.

Im Prinzip gibt es drei Linien, Matheis verleiht ihnen Farben: Blau für das durchlaufende Wasser, Rot für ablaufendes und Grün für einen acht Meter tiefen Brunnen für Trinkwasser am Krüger-Bau, das ist das Haus, das in Richtung des Wäldchens steht, das sich am Lüner Weg zur Unterführung hinzieht. Drei miteinander verbundene Teiche liefern dem Kloster Wasser. Einer liegt an der Ostumgehung, der zweite am Meisterweg, der dritte am Lüner Weg. Dieser Klosterteich liegt höher als das Stift, das seit der Reformation evangelisch ist. Das Gefälle, auf dem 300 Meter langen Weg zur Ilme­nau sind es drei Meter, gibt dem Nass Tempo, zunächst läuft es unter dem Lüner Weg hindurch. „Ursprünglich floss es unter der Erde in ausgehöhlten Baumstämmen“, sagt Matheis. „In den 80er-Jahren wurden die durch Kunststoffrohre ersetzt.“ Ein Stück weiter lugt es als Bächlein durch den Boden, mäandert zur Bleichwiese. Dort hatten die Nonnen Tücher gefärbt und gewaschen, um sie dann zum Trocknen auf dem Gras auszubreiten. Auch eine Streuobstwiese erhält ihre Bewässerung aus diesem System.

Der Graben taucht wieder ab, kommt in der Brunnenhalle als nimmermüder Quell empor wie ein Symbol ewiger Reinheit, zieht sich erneut in die Tiefe zurück, um einen Steinwurf entfernt leise durch den Kräutergarten zu murmeln, weiter in Richtung der Ilmenau. Matheis erzählt vom zweiten Graben, der am Kloster vorbei führte und sich dann mit dem ersten Wasserlauf vereinte, um die Mühle mit Wasser zu speisen.

Eine gute Stunde möchte der 80-Jährige, der sein halbes Leben in dem Damenstift wohnt, mit den Gästen durch die Anlagen gehen. Die Führungen bietet Heinrich Matheis nun an jedem ersten und dritten Freitag im Monat an, Beginn ist um 17 Uhr. Premiere ist am 6. Juni. Anmeldung vormittags unter Tel.52318.