Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Fred Hullerum hilft Kira bei der Reparatur ihrer kleinen Musikbox.
Fred Hullerum hilft Kira bei der Reparatur ihrer kleinen Musikbox.

Zum Wegwerfen zu schade

ca Lüneburg. Eigentlich geht es nur um einen abgeknickten Stecker. Kira möchte ihn reparieren lassen, um wieder Musik aus ihrer Mini-Bass-Box zu hören. Fred Hullerum kann helfen. Er hat einen Kasten mit Werkzeug dabei, auf einem Tisch im Lokal Mondbasis steht ein Lötkolben. Beim „Repair-Café“, also Reparatur-Café, treffen sich die beiden, um der Wegwerf-Gesellschaft zu trotzen. Mit geringem Aufwand kann hier vieles wieder instand gesetzt werden, was sonst auf dem Müll landen würde.

Hullerum ist Anwalt, Dinge wieder heilzumachen, vor allem Instrumente, ist seit Jahrzehnten seine Leidenschaft. Bevor der Lötkolben bei 330 Grad glüht, lässt er die Geschichte des Steckers als solchem Revue passieren. Das Grundprinzip sei seit mehr als 100 Jahren gleich geblieben und hänge mit dem Telefon zusammen. In den Postämtern hätten Telefonistinnen die Anrufer weitergeleitet, indem sie die Steckverbindungen entsprechend gestöpselt hätten. Anfang der 30er-Jahre sei dieses Prinzip auch für die ersten elektrischen Gitarren verwandt worden. Heute sind die Stecker in kleinerer Form im Einsatz bei Handys, Musikanlagen und Instrumenten.

Inzwischen hat Hullerum das Kabel aufgeschnitten, drei Drähte freigelegt. Er lötet sie mit dem Gegenstück zusammen. Später solle Kira alles mit Isolierband umwickeln, das habe er nicht dabei. Kein Problem für die 27-Jährige. „Ich habe was dazugelernt, das ist gut“, sagt sie. Auch sie setzt auf Heilung: Auto, Fahrrad und auch schon mal die Waschmaschine hat sie ohne Monteur wieder zum Laufen gebracht. „Ich habe zu Hause keinen Lötkolben, deshalb bin ich gekommen.“

Man spricht sich mit Vornamen an. Olli gehört zu den Organisatoren des ersten Treffens dieser Art, auch das Jugendumweltbüro von Janun macht mit. Er ist gelernter Flugzeugmechaniker, studiert jetzt Umweltwissenschaften. Bislang habe man den Service an der Leuphana angeboten, nun auch außerhalb mit größerer Resonanz. Er freut sich: „Wir möchten, dass die Leute sich gegenseitig Wissenbeibringen.“ Zwei Dutzend Besucher sitzen zusammen. Die meisten haben im LZ-Nachhaltigkeits-Magazin von der Reparaturbörse gelesen.

Da schrauben welche Notebooks auf, daneben geht es an die Innereien eines Kofferradios. Zwei Dutzend „Mechaniker“ und „Kunden“ fachsimpeln, auch der pensionierte Polizist Dieter Weihser und Seniorin Erika Klobe. Sie hat einen alten Reisefön mitbracht. „Er geht nicht mehr, ein Kabel ist lose.“ Sie hat einen besonderen Schraubendreher besorgt, um das Gehäuse öffnen zu können. Im Nu hat Weihser einen Draht wieder angelötet. Zufriedene Gesichter. Mancher wird wiederkommen, jeden ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr öffnet das Repair-Café.