Dienstag , 27. September 2016
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Lautlos telefoniert Malek Karib alias Daffyd. Der hilft Hakan, gespielt von Achmed Khamis (M.), bei der Suche nach seinem Vater. Den und einen Prediger verkörpert Mohamad Ali El-Zein. Im Hintergrund zu sehen sind die Vorleserin Sabrina Meyer (r.) und Vanessa Transow, sie spielt Hakans Mutter. Foto: t&w
Lautlos telefoniert Malek Karib alias Daffyd. Der hilft Hakan, gespielt von Achmed Khamis (M.), bei der Suche nach seinem Vater. Den und einen Prediger verkörpert Mohamad Ali El-Zein. Im Hintergrund zu sehen sind die Vorleserin Sabrina Meyer (r.) und Vanessa Transow, sie spielt Hakans Mutter. Foto: t&w

Wortloser Zugang zum Lesen

mm Lüneburg. „Ihr seid jetzt nicht mehr Achmed, Malek, Mohamad und Vanessa“, ruft Klassenlehrerin Heike Dyba ihren Schülern zu, „schlüpft in Eure Rollen.“ Die vier Achtklässler der Hanseschule Oedeme stehen in der Schulmensa auf der Bühne, sie sollen die Geschichte von Hakan aus dem Buch „Die Sonnentrinker“ von Kemal Kurt pantomimisch darstellen. Es ist die Generalprobe, heute präsentieren sie das einstudierte Stück vor ihren Mitschülern.

Bei der großen Abschlussshow werden weitere Projekte vorgestellt, die im Rahmen der Aktionswoche „Lüneburg liest! 2014“ an der Hanseschule stattfinden. Organisiert wurden diese von Studenten eines Seminars an der Leuphana.

Von der Pantomime-Gruppe zeigte sich Lehrerin Dyba sehr angetan: „Die Schüler lassen sich aufeinander ein. Sie bauen Vertrauen auf.“ Die Gruppe sei repräsentativ für ihre Inte­grationsklasse. In die gehen 16 Schüler, fünf davon sind Integrationsschüler, einer von ihnen ist Achmed. Der 14-Jährige spielt die Hauptfigur Hakan. Im Buch sucht der türkische Junge zusammen mit Freunden nach seinem depressiven Vater. „Der multikulturelle Charakter des Buches passt zu der Klasse“, stellt Dyba fest. Wie die Freunde von Hakan halten auch die Schüler auf der Bühne zusammen. Sie stellen nach, wie Hakan erfährt, wo sich sein Vater aufhält in der Türkei. Hakan macht sich mit seiner Mutter auf, Achmed und Mohamad, er spielt den Vater, liegen sich am Ende in den Armen. Die Geschichte endet ähnlich wie im Buch, das Fiktive überlegten sich die Schüler selbst. Vorgelesen wird sie von Sabrina, die anderen agieren auf der Bühne ohne Worte. „Die Darstellung nur mit dem Körper war für die Schüler anfangs ungewohnt“, erzählt Studentin Hanna Lewe.

Die Idee, eine Geschichte mit Pantomimen zu erzählen, hatten sie und ihre Kommilitonen Janou Meyer, Verena Jütte und Kendra Gedrath, zwei Mal in der Woche kamen die Studentinnen seit Mitte Mai in die Hauptschule, um mit den Schülern zu proben. „Wir sind nicht ganz so weit gekommen, wie wir wollten“, berichtet Hanna. Nicht ganz so weit heißt, die Schüler lasen bis zum sechsten Kapitel des Buches. „Dann haben wir improvisiert“, sagt Hanna. Die vier Gruppen fingierten jeweils den Ausgang der Geschichte. Die präsentieren sie nun dem Schüler-Publikum. Die Pantomime verlangt auch Mut, weiß Hanna. Dass die Schüler den aber haben, davon zeugt Achmed. Ihm fällt das Gehen wegen seiner Behinderung ein wenig schwer. Doch das hindert ihn nicht, noch einen zweiten Probedurchlauf zu starten. Es ist nun das erste Mal, dass er auf einer Bühne steht, ob er aufgeregt sei? „Keine Spur.“