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Digitalisierung als Chance oder Laster  das diskutieren (v.l.) Peter Bauer, Chefredakteur beim Weser Kurier, Andreas Jörß, Geschäftsführer der von Sternschen Druckerei, Moderatorin Dr. Mercedes Bunz, Buchhändlerin Stefanie Thörmer und Ulrike Teschke, kaufmännische Leiterin der Wochenzeitung Die Zeit. Foto: t&w
Digitalisierung als Chance oder Laster  das diskutieren (v.l.) Peter Bauer, Chefredakteur beim Weser Kurier, Andreas Jörß, Geschäftsführer der von Sternschen Druckerei, Moderatorin Dr. Mercedes Bunz, Buchhändlerin Stefanie Thörmer und Ulrike Teschke, kaufmännische Leiterin der Wochenzeitung Die Zeit. Foto: t&w

Verlagswelt im Umbruch

mm Lüneburg. Die Zeitung hat Zukunft, wenn die journalistische Qualität stimmt, wenn Verleger in Redaktionen und Inhalte investieren und sie gedruckte und digitale Angebote intelligent miteinander verbinden. Darin waren sich Ulrike Teschke, kaufmännische Leiterin bei der Zeit, und Peter Bauer, Chefredakteur des Weser-Kuriers, beim Analog-Forum der Leuphana im Lüneburger Stadtarchiv einig. Und beide gestehen: Online hätten sie fast den Zug verpasst.

Die Podiumsdiskussion „Digital oder Gedruckt Die Zukunft der Holzmedien“ wurde organisiert vom „Hybrid Publishing“-Team des Innovationsinkubators der Universität. Mit Teschke und Bauer diskutierten zwei Vertreter der Sparten Druck und Buch, sie schilderten wie kleine und mittelständische Unternehmen mit der Digitalisierung umgehen.

Bei der Alte Jeetzel Buchhandlung und Verlag GmbH in Lüchow entschied sich die Geschäftsleitung für ein Online-Portal als neues Geschäftsmodell. Der Bücherladen gestaltete einen Internetauftritt, Kunden können darüber Bücher bestellen, sie entweder am nächsten Tag selbst abholen oder sich portofrei zuschicken lassen. „Wir wollten als Buchhandlung nicht doof da stehen“, erklärte Geschäftsführerin Stefanie Thörmer. Auch für den Umgang mit E-Books liefere die Buchhandlung Hilfestellung: „Wir waren sogar schon bei Kunden Zuhause.“

„Von unserer Tradition können wir uns nichts kaufen, wir müssen heute genauso plietsch sein wie andere Druckerei-Unternehmen“, sagte Andreas Jörß, Leiter der von Sternschen Druckerei. Das Lüneburger Unternehmen feiert in diesem Jahr sein 400-jähriges Bestehen. „Wir sind in einer Phase, in der uns gerade mit der Rückbesinnung auf 400 Jahre Druckereiwesen bewusst geworden ist, wie gerne wir das tun, was wir tun, aber uns ist auch bewusst geworden, welche Hürden wir zu überwinden haben. Wir müssen auf den digitalen Nachwuchs setzen, der uns neue Wege zeigt.“ Schon vor Jahren habe man mit einem Startup innovative Pfade beschritten, um Gedrucktes „lebendig“ werden zu lassen. „Augmented Reality“, zu deutsch: erweiterte Realität, heißt das Angebot, bei dem zum Beispiel mit einer Smartphone-App Bilder oder gedruckte Seiten eingescannt und die Nutzer zu Videos, interaktiven Grafiken und Dokumenten im Internet geleitet werden. Noch gebe es 9300 Druckereien in Deutschland, 2020 seien es noch 7000. ,,Wir wollen dazu gehören“, das verlange viel Lust auf neue Wege und Ideen.

Ob er sich wünsche, dass die Technik auch im Druckwesen schneller voranschreite, fragte Moderatorin Mercedes Bunz. „Nein, das würde bedeuten, dass es noch kürzere Investitionszyklen gibt, ein Return on Invest müsste auch in einer kürzeren Zeitspanne erbracht werden“, antwortete Jörß. Er sieht die Zukunft auch bei kleineren Druckmaschinen. Bei der von Sternschen reiche die Ange­bots­palette von Visitenkarten bis Corporate-Publishing-Aufträge von 60000 Exemplaren.

„Wer die Konvergenz zwischen digital und analog nicht hinbekommt, verschwindet vom Markt“, ist sich Journalist Bauer sicher. In seinem Haus wird „Augmented Reality“ umgesetzt. Die Frage sei, wie man Menschen faszinieren könne. Das Internet als weites Experimentierfeld biete Chancen, könne aber nicht das gedruckte Papier ersetzen. „Gute Inhalte bringen uns nach vorne“, erklärt Bauer.

Das weiß man auch bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Wie können sich denn Print und Online stärken?“, wollte Bunz von Ulrike Teschke wissen. „Redakteure schreiben für beide Bereiche“, erklärte sie. Im Übrigen sei eine Zeitungsredaktion niemand anderem als sich selbst verpflichtet, bezahlte Werbetexte, sollten strikt vom journalistischen Bereich getrennt werden.

Denn, so Teschke, der Zeitung hafte Vertrauen an. Gedrucktes liege auch gut in der Hand, besser sogar als mancher Tabletcomputer.

One comment

  1. wir verwenden die AR-Technik seit über 2 Jahren als historischen Geschichts- und Reiseführer. Aktuell kann der Nutzer 8.000 Daten von alten Fotos und Geschichten als kostenlose AR-App vor Ort laden. Ähnlich wie auf Wikipedia soll hier ein umfangreiches Heimatarchiv entstehen.

    Der Trend vom zukünftigen „Zeitungsleser“ richtet sich immer mehr auf die Lokalen Informationen seiner Gegend.
    Ein Zeitungsverlag wie der Weser-Kurier könnte zum Beispiel ein Schulprojekt ausrufen wo die Geschichten der Stadt Bremen erforscht werden. Die interessantesten könnte man dann in unser Archiv im Bremen-Stadtführer im Internet einfügen und vor Ort mit der AR-Technik als App präsentieren.

    Man erreicht damit nicht nur eine erhöhte Lokalidentifikation, sondern auch die aussterbende Zielgruppe der Jugendlichen Zeitungsleser.