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Informationen über neue Behandlungsmöglichkeiten von MS in Kombination mit Ergotherapie liegen ihnen am Herzen, deshalb laden Prof. Dr. Henning Henningsen, Waltraut Heuss, Matthias Quandt und Merlind Bahrs (v.r.) zu der Veranstaltung am kommenden Dienstag ein. Foto: t&w
Informationen über neue Behandlungsmöglichkeiten von MS in Kombination mit Ergotherapie liegen ihnen am Herzen, deshalb laden Prof. Dr. Henning Henningsen, Waltraut Heuss, Matthias Quandt und Merlind Bahrs (v.r.) zu der Veranstaltung am kommenden Dienstag ein. Foto: t&w

Fortschritt für MS-Erkrankte

as Lüneburg. Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die trotz intensiver Forschung noch nicht heilbar ist. Während es viele Jahrzehnte nur wenige medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten gab, hat sich das in den vergangenen fünf Jahren extrem geändert. Über den aktuellen Stand der Therapien wird Matthias Quandt, Leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik im Städtischen Klinikum, bei einer Veranstaltung am Dienstag, 17. Juni, von 19 Uhr an in der Psychiatrischen Klinik, Am Wienebütteler Weg 1, berichten. Eine wichtige Rolle zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten nimmt aber auch die Ergotherapie ein. Was sie individuell bewirken kann, wird die Ergotherapeutin Merlind Bahrs aufzeigen.

Organisiert wird die Veranstaltung in Kooperation mit der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG), Beratungsstelle Winsen/Lüneburg, die sich als ,,ein Netzwerk mit vielen Ankern für Betroffene und Angehörige versteht“, sagt Waltraut Heuss. Beratung und Aufklärung sind das Anliegen, damit Erkrankte zu ,,aktiven Patienten“ werden und die vielfältigen Maßnahmen nutzen, die die Krankheit günstig beeinflussen können. Quandt sagt: „Patienten haben viele Fragen, die mit ihrem täglichen Leben zu tun haben und die wir als Mediziner nicht beantworten können. Da verweise ich oftmals auf die DMSG.“

MS tritt in Schüben auf mit sichtbaren Symptomen, die von Taubheitsgefühl in Gesicht oder Hand, Gangunsicherheit bis hin zu halbseitiger Lähmung gehen können. Aber Indiz für die Erkrankung können auch sogenannte nicht-sichtbare Symptome sein wie Konzentrationsstörungen, starke Ermüdbarheit oder Blasenprobleme. Das führt dazu, dass bis zur ersten Diagnose häufig Jahre vergehen. Steht sie, ist das oft ein Schock für Patienten, die sich ohnmächtig gegenüber der Situation sehen. ,,Dabei sind die Therapien inzwischen vielfältiger und besser geworden“, sagt Quandt.

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass zum ersten Mal ein Immuntherapeutikum auf den Markt kam, das die Erkrankung selber beeinflussen kann. ,,Inzwischen sind verschiedene Substanzen auf dem Markt. Aufgabe des Mediziners ist es, das passende Medikament für den Patienten zu finden“, erläutert Quandt. Auch bei Patienten, die man schon lange in Behandlung habe, sei zu prüfen, ob nicht ein anderes Präparat verordnet werden könne, ,,das weniger Nebenwirkungen hat oder eventuell besser zur Lebensplanung passt. Neu ist nicht unbedingt besser, die Anzahl der Möglichkeiten ist aber jetzt erhöht“.

Mehr Mut zur Verabreichung von neuen Medikamenten war auch eine Botschaft des Neurologen-Kongresses in Philadelphia, zu dem Prof. Dr. Henning Henningsen, Chefarzt der Neurologie im Klinikum, Anfang Mai gereist war. Er berichtet auch, dass die Zulassungen in Deutschland und den USA unterschiedlich beurteilt werden. „Wir können voneinander lernen, wenn es darum geht, wie neue Therapien von MS-Forschern eingeordnet und sinnvoll in der individuellen Behandlung eingesetzt werden.“

Entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität ist die Ergotherapie. Mit ihr werden die Aktivitäten des täglichen Lebens trainiert, also zum Beispiel Ankleiden, Waschen, Arbeiten im Haushalt. Außerdem soll sie zum Erhalt der beruflichen Leistungsfähigkeit beitragen. Merlind Bahrs: „Man muss mit dem Patienten darauf schauen, in welchen Bereichen er nicht zurechtkommt, was ihm wichtig ist und wie das umgesetzt werden kann.“ Es gehe darum, sein Tun zu stärken und den Patienten zu motivieren, persönliche Ressourcen zu nutzen. Wichtig sei auch, Angehörige dabei einzubinden. „Nur durch das Miteinander von Medikamenten und Ergotherapie kann dem Patienten wirklich geholfen werden“, sind sich alle Beteiligten einig.

One comment

  1. Ulinski, Frank

    MS tritt nicht immer in Schueben auf! Zu nennen waere hier die PPMS…..der schleichende Verlauf.