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Als freiwillige Helferin für den Tierschutz war Linah Hein (l.) in Costa Rica. Nun wirbt sie zusammen mit Kommilitonin Stefanie Krause für das Projekt. Foto: mm
Als freiwillige Helferin für den Tierschutz war Linah Hein (l.) in Costa Rica. Nun wirbt sie zusammen mit Kommilitonin Stefanie Krause für das Projekt. Foto: mm

Spaziergang mit Baby-Brüllaffen

mm Lüneburg. „Wir haben Faultiere in Bäume gehängt, damit ihr Fell trocknet.“ Studentin Linah Hein berichtet von ihrem Tierschutz-Einsatz in Costa Rica. In Puerto Limón im Nordosten des Landes arbeitete sie im letzten Sommer als Freiwillige im Animal Rescue Center, einer Auffangstation für verwaiste Dschungeltiere. Nun wirbt die 20-Jährige zusammen mit einer Gruppe von Kommilitonen aus ihrem Uni-Seminar „Soziale Aspekte der Nachhaltigkeit in Lateinamerika und Afrika“, das an der Leuphana im Rahmen des fächerergänzenden Komplementärstudiums angeboten wird, für die Freiwilligenarbeit. Die Helfer umhegen kleine Brüllaffen, päppeln Schildkröten gesund oder befreien Baby-Faultiere von Parasitenbefall.

Parasiten können Tiere befallen, die ohne Mutter aufwachsen. „Verwaisung kann bei Tieren genau wie bei Menschen psychische und physische Auswirkungen haben“, erklärt Linah. Bei den Faultieren könne deshalb das Immunsystem geschwächt werden, mögliche Folge: Parasiten suchen sie heim, sie bekommen Hautausschlag. „Einmal am Tag haben wir die Tiere eingeseift“, erzählt Linah. Sie kümmerte sich auch um die jungen Brüllaffen: „Die brauchen viel Aufmerksamkeit.“ Deshalb trugen die Freiwilligen die Babys tagsüber mit sich auf der Schulter herum.

Auf dem Programm stand zweimal pro Tag die Fütterung, bei nachtaktiven Tieren wie Eulen nur einmal am Nachmittag. Zu den Vögeln auf der Station gehören auch Falken, Papageien und Tukane. Das „beeindruckenste Tiererlebnis“ ist für Linah die Rettung einer Meeresschildkröte gewesen. Die Freiwilligen fanden sie verletzt am Strand, Wilderer hatten sich an dem Tier zu schaffen gemacht: „Sie haben es auf die Eier der Reptilien abgesehen.“ Der illegale Handel sei ein lukratives Geschäft in dem von Armut gebeutelten Land.

Bald soll die Auffangstation zu einem Tierkrankenhaus erweitert werden, da werden Helfer benötigt. Linah empfiehlt Interessenten einen Aufenthalt von mindestens zwei Wochen auf der Station, sie selbst war fünf Wochen vor Ort. Kontakt zu Familie Lizano, sie betreibt das Rescue Center, nahm sie per E-Mail auf: „Keinen Tag später wusste ich, wann ich kommen kann.“ Von ihrem Aufenthalt schwärmt sie, auch wenn die Unterkünfte nicht unbedingt deutschen Standards entsprächen. „Man schläft eben mitten im Dschungel, in Gruppenzimmern mit bis zu sechs Leuten“, doch für alles Notwendige sei gesorgt.

Es gibt sanitäre Einrichtungen mit Dusche, Spiegelwand und kaltem Wasser, die Verpflegung besteht traditionell aus Reis und Bohnen sowie Kokosnüssen, die Mitarbeiter am Strand von Palmen pflücken.

„Wer nicht weiß, was er nach dem Abi machen möchte, der sollte da mal hin“, sagt Linah. Kommilitonin Stefanie Krause ergänzt: „Wir werben in Schüler-Magazinen für einen Aufenthalt.“ Es gehe um Entwicklungszusammenarbeit. Mit der setzten sich die Studenten im Uni-Seminar auch skeptisch auseinander. „Entwickungshilfe muss in manchen Punkten kritisch gesehen werden, es gibt Grenzen“, sagt Stefanie.

Mit dem Tierschutzprojekt überschreiten die Studenten die Grenzen ihres Seminars. Sie rühren die Werbetrommel, wie etwa auf dem Lunatic-Festival, das an der Uni lief. Heute, Sonnabend, verkaufen sie Waffeln auf dem Sommerfest in Rettmer, das um 14 Uhr beginnt. Am Donnerstag, 10. Juli, laden sie zu einer Party in den Salon Hansen ein, von 23 Uhr an, heißt „Gib dem Affen Zucker“. Der Eintritt beträgt fünf Euro, der Erlös wird dem Animal Rescue Center gespendet.