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Händedesinfektion ist das A und O im Kampf gegen MRSA. Mit einer Schwarzlichtbox können Keime an den Händen sichtbar gemacht werden. Foto: t&w
Händedesinfektion ist das A und O im Kampf gegen MRSA. Mit einer Schwarzlichtbox können Keime an den Händen sichtbar gemacht werden. Foto: t&w

Im Kampf gegen Keime

as Lüneburg. Fast 30 Prozent der Menschen tragen sie auf der Haut, ohne dass die Besiedlung bemerkt wird oder es Folgen für den Träger hat. Doch zur Bedrohung kann das multiresistente Bakterium „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“ (MRSA) werden, wenn es in Kliniken und da speziell auf Intensivstationen eingeschleppt wird. Bei immungeschwächten Patienten können die Keime zum Beispiel über Operationswunden in den Körper eindringen und zu lebensbedrohlichen Infektionen führen, weil die Bakterien resistent gegen Antibiotika sind. Solche Fälle sorgen immer wieder für Schlagzeilen und beunruhigen Patienten. Das Klinikum Lüneburg stellt sich seit Jahren dem Thema und fährt zur Vorbeugung ein intensives Programm.

Chronisch Kranke, Patienten aus Pflegeeinrichtungen sowie Mitarbeiter aus Mastbetrieben, bei denen es einen hohen Antibiotika-Einsatz gibt, gehören laut Studien zu den Risikogruppen, die Keime in Kliniken mitbringen können. ,,Aber auch jeder Patient, der in den vergangenen zwölf Monaten in einem Krankenhaus war, gilt als Risikopatient“, sagt Prof. Dr. Christian Weiß, Chefarzt der Kardiologie und Leitender Hygienebeauftragter des Klinikums. Diese Patienten werden sofort, wenn sie ins Klinikum kommen, gescreent. Das heißt, es werden Abstriche aus der Nase und der Leistengegend genommen, die dann sofort in einem Hamburger Labor untersucht werden. In dringenden Fällen wird ein  allerdings sehr teurer  Schnelltest in der Klinik durchgeführt. Bis zu einem negativen Ergebnis, also bis eine Keimbesiedelung ausgeschlossen wurde, wird der Patient sofort isoliert. Nase und Leistengegend werden mit desinfizierenden Lösungen behandelt. Die Durchführung dieser Untersuchungen koste das Klinikum pro Jahr etwa 120000 Euro, berichtet Prof. Dr. Weiß, ,,eine gesonderte Vergütung erhält ein Krankenhaus dafür nicht“.

Von den 28000 stationär behandelten Patienten gab es 2013 bei 335 einen Keimnachweis. ,,311 davon hatten Keime in die Klinik mitgebracht, bei 24 wurden Keime in den ersten drei Tagen übertragen“, erläutert Dr. Jörg Cramer. Seit 2009 wird das Auftreten von MRSA in den einzelnen Abteilungen des Klinikums dokumentiert. ,,Ein wichtiges Instrument, um zu gucken, wo es zu einem Auftreten kommt und welche Maßnahmen wir noch ergreifen können.“

Die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen MRSA hört sich banal an, ist aber das A und O: Handdesinfektion. Da die Keime überwiegend von Hand zu Hand übertragen werden, ist oberste Prämisse: Nach jedem Hautkontakt müssen sich die Klinikmitarbeiter die Hände desinfizieren. Damit das richtig geschieht, gibt es regelmäßig Schulungen, bei denen auch Schwarzlichtautomaten zum Einsatz kommen. ,,Mit diesen kann deutlich gemacht werden, ob alle Handbereiche auch ausreichend desinfiziert sind“, sagt Prof. Dr. Weiß. Außerdem wird der Verbrauch von Desinfektionsmitteln gemessen. Die Daten gehen ans Referenzzentrum des Robert-Koch-Instituts (RKI). ,,Wir melden auch, wie häufig es bei Operationen oder auf der Intensivstation zu Infektionen oder MRSA kommt“, sagt Dr. Cramer. Das ist nicht nur Pflicht, sondern auch ein Stück Eigenkontrolle, ,,denn wir haben den Ansporn, dass unsere Vorbeugemaßnahmen noch besser werden“. Ein weiterer Schritt dazu wird auch durch den Erweiterungsbau möglich. Dr. Cramer: ,,Auf der neuen Intensivstation wird es noch mehr Schleusenzimmer und Einzelzimmer geben, um Übertragungen von Keimen noch stärker verhindern zu können.“ Die Maßnahmen, wie Abstrich und Isolierung, würden von Patienten inzwischen als positiv bewertet, da es zu ihrem Schutz erfolgt.

Eine enge Zusammenarbeit gibt es darüber hinaus mit einem Netzwerk, das vom Lüneburger Gesundheitsamt initiiert wurde. Vertreter vom Klinikum sitzen mit Mitarbeitern von Pflegeheimen und niedergelassenen Ärzten regelmäßig zwecks Informationsaustausch an einem Tisch. Dabei gehe es zum Beispiel darum, was Hausärzte zu beachten haben, wenn MRSA-Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden, sagt Prof. Dr. Weiß.