Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Erste konkrete Spur nach Stint-Feuer
Problematische Löscharbeiten nach dem in der Nacht zum 2. Dezember gelegten Feuer. Nun gibt es eine Spur, die zum Täter führen könnte. Foto: A/be
Problematische Löscharbeiten nach dem in der Nacht zum 2. Dezember gelegten Feuer. Nun gibt es eine Spur, die zum Täter führen könnte. Foto: A/be

Erste konkrete Spur nach Stint-Feuer

ca Lüneburg. Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brand am Stintmarkt verfolgt die Polizei nun offenbar eine konkretere Spur. Nach Recherchen der LZ haben die Ermittler der Sonderkommission Stint die Beschreibung eines der mutmaßlichen Täter vorliegen. Sie hoffen, dass sich jemand an den Mann erinnern kann, der in der Tatnacht zum 2. Dezember vergangenen Jahres nahe des brennenden ehemaligen Lösecke-Hauses gesehen wurde. Auf Nachfragen hält sich Polizeisprecher Kai Richter bedeckt, er bestätigt aber, dass der Unbekannte von Zeugen gegen 3.40 Uhr auf dem Stintmarkt gesehen wurde und sich zügig entfernte. Damals hatte es eine Explosion gegeben, Scheiben barsten, Flammen breiteten sich in dem um 1860 wieder errichteten Haus aus.

Der Mann soll zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß sein, er wirkte untersetzt mit breitem Kreuz, war dunkel gekleidet und hat auffällig gelocktes Haar. Für die Ergreifung der Täter haben Polizei, Versicherung und Stadt eine Belohnung von 20 000 Euro ausgelobt. Da sich zum Zeitpunkt des Brandes Menschen in dem Haus aufhielten, lautet der Tatvorwurf auf elffachen versuchten Mord.

Warum die Polizei die offenbar schon länger vorliegende Beschreibung so lange zurückgehalten hat, will Richter nicht erklären und nennt die gern verwandte Floskel der „ermittlungstaktischen Gründe“. Spekulationen, wer den Brand im ehemaligen Restaurant Trattoria gelegt haben könnte, gibt es einige. Immer wieder kursiert auch in Polizeikreisen die These, dass es eine Verbindung zum organisierten Verbrechen geben könnte. Möglicherweise sollte der Brand eine Warnung sein, ist aber außer Kontrolle geraten die Täter hatten nicht ins Kalkül gezogen, vor welchen Schwierigkeiten die Feuerwehr beim Löschen stand.

Die Ilmenau war, wie berichtet, ein nahezu unüberbrückbares Hindernis. Daher fällten Einsatzleitung, Hausbesitzer und Oberbürgermeister Ulrich Mädge die Entscheidung, das Lösecke-Haus abzureißen. Denn ansonsten bestand die Gefahr, dass auch Nachbargebäude der Reihe in Richtung Stint-Terrassen in Flammen hätten aufgehen können.Trotzdem entstand ein Schaden, auch durch Rauch und Löscharbeiten, der sich bei mehr als dreieinhalb Millionen Euro bewegen soll.

Die Polizei hatte zunächst einen Defekt an Gasleitungen als Brandursache vermutet, kam aber schnell, auch durch den Einsatz von Spürhunden, darauf, dass Täter an mehreren Stellen Brandbeschleuniger verschüttet und angesteckt hatten. Mitglieder der zwanzigköpfigen Sonderkommission klapperten im Anschluss Tankstellen ab: Hatte jemand größere Mengen Benzin in Kanistern gekauft? Kein Ergebnis. Inzwischen ist die Soko verkleinert worden. Doch immer noch versuchen Beamte, Hintergründe der Tat auszuleuchten. Über Ergebnisse schweigen sie. Allerdings ist selbst unter hochrangigen Beamten wenig Optimismus vorhanden, die Brandstiftung gänzlich aufzuklären. Zu dünn scheint die Spurenlage. So schweigen Zeugen zu Fragen von Schutzgelderpressungen oder sagen, die habe es nicht gegeben.

Der Wiederaufbau des Gebäudes soll bald beginnen. Das Architektenbüro Henschke, Schulze, Reimers hat den Auftrag erhalten und Pläne bereits im Bauausschuss vorgestellt. Die Fachleute haben nachgebessert, etwa bei einer Nachgründung und Auflagen zum Brandschutz. Henryk Reimers sagt, dass der Bauantrag nun bei der Stadt eingereicht werde. Eine genaue Summe zu den Kosten gibt es nicht, aber der Betrag soll bei mehr als zwei Millionen Euro liegen.

Hinweise auf den oder die Täter an die Polizei, die auch noch weitere Zeugen sucht, unter Tel. 29 22 15.

2 Kommentare

  1. Für über 2 Millionen soll das Gebäude wiederaufgebaut werden? Vor 20 Jahren hätte das 500.000.- DM gekostet. Die Versicherung zahlt das?