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An der Frischhalte-Theke bei der Lüneburger Tafel steht die ehrenamtliche Mitarbeiterin Brigitte Lauer. Für Bedürftige ist hier der Startpunkt für die Essensausgabe. Foto: mm
An der Frischhalte-Theke bei der Lüneburger Tafel steht die ehrenamtliche Mitarbeiterin Brigitte Lauer. Für Bedürftige ist hier der Startpunkt für die Essensausgabe. Foto: mm

„Wir leben im Überschuss“

mm Lüneburg. Die Lüneburger Tafel informierte jetzt im Rahmen der von Hansestadt und dem Verein Technik-Umwelt-Natur ausgerichteten Nachhaltigkeitstage in der Ausgabestelle Im Tiefen Tal 64 über ihre Arbeit. Wer meint, dort würden Lebensmittel ausgegeben, die ihren Haltbarkeits-Zenit schon überschritten haben, der irrt. Für Bedürftige werden gut verwertbare Nahrungsgüter bereitgehalten, für die aber kein Platz im Supermarkt-Regal mehr ist. „Würden Sie die Milch mit längeren oder kürzerem Verfallsdatum kaufen?“, fragt Jürgen Luxemburger, 2. Vorsitzender des Tafel-Vereins. „Die mit dem längerem“, bekommt er zu hören. „Sehen Sie, das ist das Problem. Jeder von uns denkt so.“ Und was passiert mit der anderen Milch? Die landet im besten Fall bei der Tafel.

„Wir versuchen, alles was wir bekommen, weiterzugeben“, erklärt Luxemburger. So wird auch die Milch mit kürzerem Verfallsdatum noch in Umlauf gebracht. Es ist aber nicht nur die Milch. Brot, Brötchen und Kuchen, Fertiggerichte, Konserven, Obst, Gemüse und Süßigkeiten, Eier, Wurst und Käse, die Angebotspalette ließe sich unendlich weit fortführen. „Wir leben im Überschuss“, sagt Luxemburger. Er meint den Überschuss, der sich in riesigen Lagerhallen deutscher Handelskonzerne stapelt. Luxemburger weiß: „Im Zentrallager Nord der Rewe-Group in Stelle gibt es zwölf Lagerhallen, jede hat die Größe eines Fußballfeldes.“ Ein gigantischer Logistikapparat sorge dafür, dass die Nahrungsgüter dort ankommen, wo sie hin sollen. Eine umgekippte Palette fliege sofort aus dem Sortiment, die Lebensmittel in den Müll. Nicht, wenn der Transporter von der Lüneburger Tafel anrückt. In Stelle zweimal pro Woche, im Zentrallager Nord von Edeka in Zarrentin einmal, so auch auf dem Wochenmarkt. Bei Supermärkten und Bäckereien in Lüneburg und Umgebung montags bis freitags. „Seit neuestem ist Aldi dabei“, sagt Luxemburger.

An vier Tagen können Bedürftige das Essen bei der Tafel abholen. Von Dienstag bis Freitag hat die Einrichtung ab 13 Uhr geöffnet, donnerstags allerdings nur für Frauen. Eine Extra-Ausgabe für Rentner gibt es am Freitagmorgen. „Menschen mit körperlichen Gebrechen sollen nicht so lange warten müssen“, erklärt Luxemburger. Vor der Tafel versammelten sich im Schnitt 70 bis 100 Bedürftige. „Mir fällt auf, dass viele alleinerziehende Frauen zu uns kommen“, sagt Luxemburger. Bedürftig ist, wessen Einkommen in der Größenordnung von Hartz IV liegt. Das wird von der Tafel geprüft. Wer darunter fällt, bekommt einen Tafelausweis.

Geprüft wird von den ehrenamtlichen Helfern auch die Qualität der eingesammelten Lebensmittel. „Nur was halt- und verwertbar ist, geben wir weiter“, sagt Luxemburger. Die Bedürftigen holen sich vor jeder Ausgabe eine Wertmarke ab, die gibt es für einen symbolischen Betrag von einem Euro.

Unterstützt wird die Arbeit der Ehrenamtlichen von freiwilligen Helfern, manche gehören selbst zum Kreis der Bedürftigen. Beschäftigt werden vier Ein-Euro-Kräfte und ein Bürgerarbeiter. Sie alle sorgen dafür, dass jährlich 132 Tonnen verwertbare Kost Bedürftige erreicht.

So gehen die Nachhaltigkeitstage weiter

In der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) Am Wienebüttler Weg gibt Geschäftsführer Rolf Sauer am Mittwoch, 25.6, im Mehrzwecksaal in Haus 48 in der Zeit von 16 bis 17.30 Uhr Einblicke in die nachhaltige Gesundheitsversorgung für die Region. Anschließend besteht die Möglichkeit in Gruppen verschiedene Aspekte der PKL unter dem Gesichtpunkt der Nachhaltigkeit kennen zu lernen. Die Leuphana Universität bietet am Freitag, 27.6, die Führung „Klimaneutraler Campus und effizienter Neubau“ an. Der Streifzug über den Campus findet statt in der Zeit von 10 bis 11.30 Uhr, Treffpunkt ist an der Infobox vor Gebäude 10 an der Scharnhorststraße.

Um die Funktionsweise eines Freibads mit dem Schwerpunkt Wasseraufbereitung geht es bei einer Führung am Sonnabend, 28.6, durch das Freibad Hagen. Die Entdeckertour von 10 bis 12 Uhr ist besonders für Kinder geeignet. Treffpunkt ist der Kassenbereich.