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Der Uni-Standort Volgershall am Ortsausgang Lüneburgs in Richtung Reppenstedt wurde einst so angelegt, dass die Gebäude keine Barriere für die Frischluftzufuhr der Lüneburger Stadtkerns bilden. Foto: t&w
Der Uni-Standort Volgershall am Ortsausgang Lüneburgs in Richtung Reppenstedt wurde einst so angelegt, dass die Gebäude keine Barriere für die Frischluftzufuhr der Lüneburger Stadtkerns bilden. Foto: t&w

Kein Plan für die frische Luft

us Lüneburg. Gäbe es die Ilmenau nicht, Lüneburg hätte ein Problem  ein Wärmeproblem. „Das Ilmenautal und das Tal des Hasenburger Bachs sind regelrechte Kaltluftschneisen, wichtig für die Frischluftzufuhr unserer Stadt“, sagt Kathrin Böhme, Leiterin Stadtentwicklung in Lüneburg. Doch die Ilmenau-Auen mit ihrer kühlenden Wirkung allein reichten nicht aus, um die Stadt mit frischer Luft zu versorgen, wie Böhme mit Hinweis auf eine vor ihr ausgebreitete Karte deutlich macht. Dort sind zahlreiche grüne Flächen ausgewiesen, die sich wie ein Gürtel um die Stadt legen. „Kaltluftentstehungsgebiete“, erklärt sie. Das Problem: Die Karte ist 20 Jahre alt. Und: Lüneburg ist in dieser Zeit kräftig gewachsen und soll es weiter tun. Doch wo gebaut werden kann, ohne die Stadt von der für sie wichtigen Frischluftzufuhr abzukoppeln, weist die Karte nicht mehr aus.

„Wir schauen uns die Situation an, sobald Bedarf besteht“, sagt Matthias Eberhard, in Lüneburg für Stadtplanung zuständig. Doch der Bedarf ist längst gegeben, für viele wird die Hansestadt als Wohnort vor den Toren Hamburgs immer attraktiver. Damit die Mietpreise nicht durch die Decke schießen, sind mit dem Hanseviertel und dem Ilmenaugarten  dem Neubaugebiet auf dem Gelände der Wittenberger Bahn  Bebauungsflächen ausgewiesen, das Hanseviertel soll demnächst weiter wachsen. In Oedeme und Rettmer sind mit dem Rosenkamp und Pilgerpfad Süd frühere Kaltluftentstehungsgebiete bereits in Wohngebiete umgewandelt worden. Und wenn der Bund in Kürze Flächen der Theodor-Körner-Kaserne freigibt, werden auch hier kleine, aber wichtige Klimazonen der Stadt zu Gewerbe-, Wohn- oder Freizeitgebieten.

„Je mehr Grün in der Stadt, umso besser“, sagt Peter Zurheide. Selbst kleine Flächen wie begrünte Hausdächer würden ihren Beitrag für eine klimafreundliche Stadt leisten, erläutert Lüneburgs Fachbereichsleiter für Grünplanung, Friedhöfe und Forste. Er sagt aber auch: „Die Kaltluftschneisen sind nur dann wirklich entscheidend, wenn kein Wind weht.“ Dann ströme die über den kalten Flächen abgekühlte Luft in die Stadt, die sich tagsüber aufheize und aufsteige, ein thermischer Kreislauf entsteht, erklärt Zurheide. Gebäude oder Infrastrukturprojekte wie beispielsweise die Ostumgehung aber könnten den Kaltluftzufluss unterbrechen, zumindest behindern. Dies zu vermeiden, sei daher immer auch Ziel der Stadtplanung. Das Universitätsgebäude am Campus Volgershall sei deshalb damals bewusst so angelegt worden, dass diese Barrierewirkung nicht entstehe, erläutert Eberhard.

Das Nicht-Wissen um die aktuellen Strömungsverhältnisse in Lüneburg sorgt bei Planern und Entwicklern daher auch für Unbehagen. „Wir hängen von Mutmaßungen ab“, sagt Eberhard. Um Wildwuchs insbesondere in den Außenbereichen der Stadt zu verhindern, werden daher „auch schon mal Linien gezogen“, wie Stadtentwicklerin Kathrin Böhme erklärt. Dafür gebe es eine eigene „Einbeziehungs- und Abrundungssatzung“, wie sie auch schon zwischen Häcklingen und Rettmer zum Tragen gekommen sei. „Das ermöglichte es uns, die Frischluftschneise Am Wischfeld freihalten zu können.“ Ein Ersatz für eine stadtübergreifende Planung sei das allerdings nicht. „Uns fehlt ein aktueller Plan“, sagt Böhme. Wann der kommt, stehe aber noch nicht fest.