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Inga Reimers zeigt Prof. Dr. Paul Georg Lankisch die pflegebedürftigen Malereien im Tonnengewölbe des alten Stadtarchivs im Rathaus.  Im Hintergrund ist die Wappenträgerin vor der Lüneburg-Silhouette zu erkennen. Foto: t&w
Inga Reimers zeigt Prof. Dr. Paul Georg Lankisch die pflegebedürftigen Malereien im Tonnengewölbe des alten Stadtarchivs im Rathaus. Im Hintergrund ist die Wappenträgerin vor der Lüneburg-Silhouette zu erkennen. Foto: t&w

Wappenträgerin braucht Pflege

ahe Lüneburg. Die alten Bücher sind längst weg. Doch sie waren nicht die einzigen Schätze, die im Stadtarchiv gehütet wurden. Während die historischen Schriften inzwischen an der Wallstraße ein neues Zuhause haben, sollen die anderen Kostbarkeiten in den ehemaligen Räumen des Stadtarchivs im Lüneburger Rathaus künftig erst richtig zur Geltung kommen: die Malereien im Tonnengewölbe und der sogenannte Terrazzofußboden. Die Restaurierung ist aufwändig und deshalb nicht ganz billig, die Stadt kalkuliert mit rund 95000 Euro. Hilfe kommt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sie unterstützt die Arbeiten mit 35000 Euro.

Das Rathaus ist Lüneburgs Prunkstück, Aushängeschild der Stadt und Anziehungspunkt für Touristen. Das will gehegt und gepflegt werden, deshalb sind quasi fortlaufend Fachleute am Werk, die das Juwel bewahren und aufhübschen. Auch im und am alten Stadtarchiv, erbaut in den Jahren 1898 und 1899, waren sie schon fleißig, die zusammen mit der Dacherneuerung für gut 800000 Euro restaurierte Fassade zum Rathausgarten wurde gerade erst pünktlich zum Stadtfest wieder freigegeben. Im Inneren steht seit Monaten ein Baugerüst. Die raumhohen Archivregale sind demontiert, sie sollen entsprechend aufgearbeitet und wieder aufgebaut werden. Doch zuvor widmen sich die Experten den Rissen, Farbabsplitterungen und dem bröckelnden Putz an der Decke in zehneinhalb Metern Höhe. Umrankte Wappen von Hansestädten wie Einbeck, Salzwedel, Celle, Göttingen, aber auch Brügge sind hier zu finden, ebenso eine Reihe von Spruchbändern sowie eine Frau, die vor der Stadtsilhouette das Lüneburg-Wappen in Händen hält. Der Fußboden war in der 1960er-Jahren mit einem PVC-Belag beklebt worden, er wird entfernt, der Boden gereinigt, geschliffen und poliert. Für die Bewahrung dieser Kunstschätze habe die Stadt anders als für andere erhaltende Arbeiten im und am Rathaus kein Fördergeld bekommen, verdeutlicht Stadtbaurätin Heike Gundermann. „Deshalb haben wir uns an die Stiftung Denkmalschutz gewandt und sind sehr dankbar, dass wir von dort nun finanzielle Unterstützung bekommen.“

Professor Dr. Paul Georg Lankisch, Ortskurator der Stiftung für Lüneburg, sagt: „Das Projekt passt gerade zu diesem Zeitpunkt besonders gut, denn es geht ja um farbige Malereien und Farbe ist in diesem Jahr auch das zentrale Thema beim Tag des offenen Denkmals im September.“ Zusammen mit Thomas Köpping von Lotto Niedersachsen, deren Erlöse zu großen Teilen in den Denkmalschutz fließen, überbrachte er jetzt den Förderbescheid.

Nun können die Arbeiten in dem 8 x 16 Meter großen Raum ausgeschrieben und vergeben werden. Architektin Inga Reimers sagt: „Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr fertig werden.“ Für Heike Gundermann ist das zweitrangig. „Hauptsache das Ergebnis passt.“