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Historische Fahrzeuge treffen historische Häuser: Startaufstellung auf dem Platz Am Sande für die 26. ADAC Hansa Veteran Rallye. Foto: A/t&w
Historische Fahrzeuge treffen historische Häuser: Startaufstellung auf dem Platz Am Sande für die 26. ADAC Hansa Veteran Rallye. Foto: A/t&w

Zwei 100-Jährige führen das Feld an

Leute, wie die Zeit vergeht! Schon wieder sind zwei Jahre rum und die 26. Auflage der ADAC Hansa Veteran Rallye steht vor der Tür. Am Sonnabend, 5.Juli, gehen die zwei- und vierrädrigen Kostbarkeiten auf ihre Gleichmäßigkeitsprüfung, die von der Oldtimer-Szene als eine der schönsten in ganz Norddeutschland geschätzt wird.

Diesmal sind es 135 Fahrzeuge, darunter elf Motorräder, die ab 10 Uhr auf dem Platz Am Sande im Minutenabstand auf die Reise geschickt werden. Mittlerweile haben sogar die jüngsten Oldies schon 40 Jahre auf dem Buckel, denn startberechtigt sind nur Fahrzeuge bis Baujahr 1974. Aber auch die sind noch taufrisch gegen die beiden 100-Jährigen im Teilnehmerfeld, die sich mit den Startnummern 1 und 2 auf den Weg machen: Das Ford T Modell Touring des Hamburgers Manfred Ulbricht und der Adler 5/13 von Wilhelm Denecke aus Bad Fallingbostel. Der Ford T Touring, Startnummer 3, mit Ferdinand Herbst aus Hademarschen am Volant ist mit 99 Lenzen nur unwesentlich jünger. Bei den Zweirädern bringt der Neetzer Arne Bellmann die älteste Maschine an den Start für seine Indian Scout ist das Baujahr 1927 verzeichnet. Nur ein Jahr jünger von 1928 ist die NSU 501 TS des Vastorfer Ottmüller-Duos.

Für alle Besitzer sind ihre Oldtimer natürlich schier unersetzlich, aber unter den Schönheiten gibt es auch ganz besonders wertvolle Exemplare. Etwa das Amilcar CGS Coupé von 1927 aus der französischen Schmiede von Lamy und Akar, die ihre Namen einst zu „Amilcar“ verschmolzen. Das Duo stellte zwischen 1921 und 1939 kleine, leichte und leistungsstarke Fahrzeuge her, die auch mehrere große Rennerfolge einfuhren. Der Berliner Detlef Kayser bringt sein CGS Coupé nach Lüneburg mit, seinen Angaben nach das einzige noch fahrbereite bundesweit.

Traumwagen der 1950er-Jahre war der aufregende BMW-Roadster vom Typ 507, für den von Liebhabern heutzutage astronomische Summen gezahlt werden, wenn sie denn überhaupt noch einen ergattern. Der rassige Zweisitzer wurde gezeichnet von Graf Goertz, dem deutschen Stardesigner, der einst in den USA auch die berühmte Coca-Cola-Flasche schuf. Mit Startnummer 44 bringen Horst und Gertrud Kölpin aus Veltheim/Ohe ihren raren 507er an den Start.

Als jüngster Fahrer steuert Niclas Dannacker (22) ein Mercedes 220 SE Coupé mit Vater Thomas, dem Herren aller guten Sterne in der Region, an seiner Seite. Der Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge als Schirmherr der Veteran Rallye wollte ursprünglich Platz nehmen im so genannten Adenauer-Mercedes. Aus terminlichen Gründen mußte der OB aber in letzter Sekunde einen Rückzieher machen. Seinen Beinamen verdankt der Adenauer-Mercedes dem ersten CDU-Kanzler. Der soll den stattlichen 300er einst zu seiner Staatskarosse erkoren haben, weil er beim bequemen Einsteigen sogar seinen Hut auf dem Kopf behalten konnte.

Die weiteste Anfahrt zur Lüneburger Rallye nehmen Tammo Voigt und Cora Casutt in Kauf. Sie steuern ihren 1972er Jaguar E-Type aus Bad Bergzabern in der Südpfalz (Südliche Weinstraße) in die norddeutsche Tiefebene, was für den Zwölfender kein größeres Problem darstellen sollte. Aus Lüneburg, dem Landkreis und den Nachbarkreisen sind am Sonnabend insgesamt 62 Teams mit von der Partie.

Durchs Programm navigiert einmal mehr Gerd Rodewald als Streckensprecher, dessen Fachkunde die des Schreibers dieser Zeilen bei weitem übertrifft. Zuweilen glaubt man gar, der Sohn des unvergessenen Niels Rodewald kenne jede einzelne Schraube in sämtlichen Gefährten persönlich. Auf „Schutzmann“ Ernst Hintz indes wird die Rallye-Gemeinde diesmal wohl aus gesundheitlichen Gründen verzichten müssen und so sei ihm, gewiss im Namen aller, an dieser Stelle gute Besserung gewünscht. Die wichtigsten Leute zum Schluss: Etwa 70 freiwillige Helfer vorwiegend vom ADAC Ortsclub Lüneburg, die für einen reibungslosen Ablauf der 26. ADAC Hansa Veteran Rallye sorgen, ob bei den Zeitnahmen, als Streckenposten oder an den Kontrollpunkten.

Dazu das einmal mehr von Rolf Moormann angeführte Organisationsteam, das sich über Arbeitsmangel nicht beklagen konnte. Moormanns Mannen und Frauen, zuvorderst Birgit Stoffregen, haben schon unmittelbar nach dem 1. Lüneburger Altstadt Grand Prix im vergangenen Sommer mit der Planung der Veteran Rallye begonnen und für das Spektakel auch überall kräftig die Werbetrommel gerührt. Unter den großzügigen Sponsoren befindet sich erstmals auch die große Techniker Krankenkasse (TK) aus Hamburg. Schon seit längerem sind der Rallye treu verbunden die Firmen SternPartner, Almased, basys, TPH., Clage, Toreros, HiRi, VGH, Sparkasse Lüneburg, we+ma und nicht zuletzt die Landeszeitung. cst