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Eberhard Zehrfeldt steht neben seinem Grundstück. Es ist so nass, dass dort inzwischen Schilf wuchert. An Steine und Material, die dort lagern, kommt er nicht mehr heran. Foto: t&w
Eberhard Zehrfeldt steht neben seinem Grundstück. Es ist so nass, dass dort inzwischen Schilf wuchert. An Steine und Material, die dort lagern, kommt er nicht mehr heran. Foto: t&w

Justizstreit um Tümpel

ca Lüneburg. Schilfrohr wiegt sich im Wind, und wer nicht aufpasst, steht im Wasser. Auf dem Grundstück von Eberhard Zehrfeldt wächst ein Teich. 800, vielleicht 1000 Quadratmeter ist der groß. Der Umzugsunternehmer, dem das Land Beim Holzberg seit fast drei Jahrzehnten gehört, sagt: „Hier war es sonst immer trocken.“ Seit das Gelände der alten Standortverwaltung (StoV) bebaut werde, habe sich das Gewässer gebildet. Seine Vermutung: „Planungsfehler“ sind Ursache für den Tümpel, deshalb streitet er mit der Stadt vor Gericht. Die Verwaltung weist einen Zusammenhang zurück und damit auch eine Haftung.

Zehrfeldt hat gute Argumente. Gemeinsam mit seinem Anwalt hat er beim Landgericht ein selbstständiges Beweissicherungsverfahren beantragt. Das Gericht bestellte einen neutralen Gutachter, um Fragen zu klären. Das Fachbüro hat sich das Gebiet zwischen den Gleisen, die nach Lübeck führen, und der früheren Standortverwaltung angesehen. Dort steht auf einer fünf, sechs Meter hohen Böschung der Neubau eines Unternehmens. Bei der Baugenehmigung hat die Stadt dem Betrieb aufgegeben, dass Regenwasser auf dem Gelände versickern muss. Das sei gesetzliche Vorgabe. Vorher, sagt Zehrfeldt, sei Wasser über eine Kanalisation abgeleitet worden, die sei verschwunden, nun steige das Grundwasser, suche sich seinen Weg und stehe auf seinem Grund.

Der Sachverständige aus Jesteburg schreibt klare Sätze: „Seit dem Abriss mehrerer Gebäude wurde der Wasserhaushalt vollständig verändert. Niederschlagswasser, das früher direkt in einen nördlich vorhandenen Entwässerungsgraben eingleitet worden ist, muss nun zu 70 Prozent vom Boden aufgenommen werden. Durch das Versickern des Niederschlags ist ein Anstieg des Grundwasserspiegels unausweichlich. Heute fällt der Grundwasserspiegel nicht mehr von Ost nach West ab, sondern umgekehrt von West nach Ost.“ In Richtung Zehrfeldt. Und weiter: „Der Grundwasserzufluss ist nicht aufzuhalten oder zu verändern. Er kann sich in den nächsten Jahren unter Umständen noch erhöhen, wenn die StoV-Flächen durch Gebäude und Verkehrswege weiter versiegelt werden und die in der Planung vorgesehenen fünf Rigolenfelder in Betrieb gehen.“ Rigolen sind unterirdische Systeme, die Wasser auffangen.

Was sich eindeutig liest, wertet man im Rathaus anders. Sprecherin Suzanne Moenck: „Wir haben erhebliche Zweifel an dem Gutachten.“ So betrachte der Sachverständige nur einen Zeitraum seit 2009, auch habe er nur Zehrfeldts Grundstück im Blick und nicht das weitere Umfeld mit „baulichen Anlagen“ und Höhenunterschieden. Auch die vom Gutachter empfohlenen Maßnahmen zieht das Bauamt infrage: Eine Aufschüttung mit Kies und eine Sicherung durch ein „Geotexil“ sei zu teuer. Laut Gutachten 124335 Euro. Die Stadt glaubt, ein Entwässerungsgraben reiche, der koste nur einen niedrigen vierstelligen Betrag. So einen Wasserlauf habe es schon mal gegeben.

Zehrfeldt zeigt ein paar Meter hinter seinem Land eine Rohrmündung, sie kommt unterirdisch aus Richtung alte StoV, und einen Graben beide trocken. Er schlägt vor, einen Test zu machen: Gefärbtes Wasser soll den Weg von oben nach unten zeigen. Suzanne Moenck sagt, das bringe nichts: Es dauere mehr als zwei Wochen, bis die gefärbte Flüssigkeit auftauche. Dann sei sie zu sehr verdünnt. Zudem gebe es auf dem Firmengelände Grundwasserpegel. Wenn die Niederschläge so massive Auswirkungen hätten wie behauptet, müsse sich das spätestens nach zehn Tagen bemerkbar machen, doch Ausschläge gebe es erst nach drei Monaten.

Bleibt die Frage, woher der Quell denn nun stammt, der sich inzwischen in Richtung Gleis ausdehnt. Eine eindeutige Antwort besitzt die Stadt nicht. Es könnten natürliche Grundwasserveränderungen sein. Demnach wären die Bauarbeiten und das parallele Entstehen des Teichs ein Zufall. Daran will Zehrfeldt nicht glauben. Vor dem Verwaltungsgericht geht er gegen die wasserrechtlichen Genehmigungen der Stadt vor. Eine für Ende des Monats angesetzte Verhandlung wurde allerdings gerade vertagt, ein neuer Termin steht nicht fest. Wie der Streit vor dem Landgericht weitergeht, ist noch offen. Zehrfeldt will eine Lösung mit der Stadt finden: „Am liebsten ohne Prozess.“ Doch im Zweifelsfall reicht er Klage ein.

Das ist auch eine finanzielle Herausforderung, allein für das Gutachten hat er bereits 7500 Euro zahlen müssen. Es kann sein, dass Richtern und Stadt die Aussagen nicht genügen. Dann müsste eine zweite Expertise her.

One comment

  1. Jürgen Hempel Lüneburg

    Dort, wo heute das Hanseviertel steht, waren früher Gärten. Die Flächen waren stehts feucht und unterhalb, nahe der Meisterstraße war das Land immer nass. Jetzt ist dort ein Lärmschutzwall aufgeschüttet worden. Es ist möglich, dass durch die Bauarbeiten es zu einem Grundbruch gekommen ist. Damit verändert sich die Fließrichtung des Oberflächenwassers in Schichten von 3 bis 4 Meter Tiefe. Die Bahnstrecke und damit auch Zehrfeldts Grundstück liegt am Fuße des Berges. Hier drückt schließlich das Wasser hoch