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Plötzlich 80 statt 46: Anke Baumgarten (r.) erklärt Edith Schönemann, wie der Alterssimulationsanzug wirkt. Foto: be
Plötzlich 80 statt 46: Anke Baumgarten (r.) erklärt Edith Schönemann, wie der Alterssimulationsanzug wirkt. Foto: be

Mit Problemen nicht allein

ahe Lüneburg. Wer Depressionen hat oder an Parkinson leidet, wer von seiner Alkoholsucht loskommen will oder um verstorbene Angehörige trauert, wem die Wechseljahre zu schaffen machen oder seine Diabeteserkrankung in Lüneburg findet er Hilfe und stößt mit seinen Sorgen auf offene Ohren. 125 Selbsthilfegruppe zu ganz unterschiedlichen Themen sind unter dem Dach des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes bei Kibis organisiert. 37 dieser Gruppen stellten sich am Wochenende, 5. und 6. Juli, beim 14. Lüneburger Selbsthilfetag im Glockenhaus vor.

Anke Baumgarten hat ganz schön zu kämpfen. Das Gehen fällt ihr schwer, die Gelenke machen nicht mehr richtig mit, nach dem Bücken kommt sie kaum noch wieder hoch, sie hört schlecht und sieht vieles nur noch schemenhaft. Obwohl erst 46, wirkt sie wie eine 80-Jährige. Denn sie trägt einen Anzug, der simuliert, mit welchen körperlichen Einschränkungen sie im Alter rechnen muss. Gewichte fordern ihre ganze Muskelkraft, eine Halskrause und Handschuhe sorgen für eingeschränkte Bewegungsfreiheit, eine Brille für weniger Durchblick, Kopfhörer für Schwerhörigkeit. „Eigentlich soll der Anzug einen Zustand von 20 Jahren älter simulieren, ich fühle mich aber bestimmt 30 oder 40 Jahre älter“, sagt sie, bevor sie Edith Schönemann den Anzug und dessen Wirkungsweise genau erklärt.

Zusammen mit Mandy Konsolke und Sabine Dahms hat Anke Baumgarten den Selbsthilfetag federführend organisiert. Die Gruppen informieren über ihre Arbeit, die Aktiven haben aber auch ein offenes Ohr für Besucher, die von ihren Problemen berichten. Der Basar im Glockenhaus ist eine gute Gelegenheit, Schwellenängste abzubauen. Edith Schönemann nutzt die Gelegenheit, sich an den anderen Info-Ständen umzuschauen, präsentiert ihrerseits die Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Kranker. „Wir hatten schon viele interessante Gespräche“, erzählt sie, als die Veranstaltung gerade mal zwei Stunden alt ist.

Annegret Schramme stellt die Guttempler und ihre Arbeit vor. Die drei Gemeinschaften in Lüneburg und Bardowick setzen sich für ein Leben ohne Alkohol ein. Dabei finden dort nicht nur Alkoholiker selbst, sondern auch deren Angehörige Hilfe. „Wir haben zum Beispiel eine eigene Frauengruppe. Wer zu den regelmäßigen Treffen kommt, hat selbst ein Alkoholproblem oder einen Partner, der trinkt.“ Viele hätten auch Gewalterfahrungen, weil der Partner unter Alkoholeinfluss zuschlägt. Ins Gespräch über das ernste Thema kommen Annegret Schramme und ihre Mitstreiter über die Rauschbrille. Besucher wie Elisabeth Bülow können damit ausprobieren, wie eingeschränkt die eigenen Seh- und Koordinationsfähigkeiten sind, wenn man zu viel Alkohol getrunken hat. Schon vermeintlich leichte Handlungen wie das Aufheben einer Münze oder das Gehen auf einer Linie fallen da schwer.

Wer mehr über die Selbsthilfegruppen erfahren möchte oder Kontakt sucht, findet Informationen unter www.selbsthilfe-lueneburg.de im Internet oder unter Tel.681820.