Donnerstag , 29. September 2016
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Auf leichten Sandböden wie hier auf dem Acker von Dennis Hagemann bei Neetze ist die Wintergerste bereits reif  und die Ernte angelaufen. Für die weitere Getreideernte wünschen sich die Landwirt jetzt vor allem eins: Sommerwetter. Foto: t&w
Auf leichten Sandböden wie hier auf dem Acker von Dennis Hagemann bei Neetze ist die Wintergerste bereits reif  und die Ernte angelaufen. Für die weitere Getreideernte wünschen sich die Landwirt jetzt vor allem eins: Sommerwetter. Foto: t&w

Die ersten Mähdrescher rollen

off Neetze. Die Sonne brennt, der Himmel ist strahlend blau und die ersten Getreidefelder sind reif für die Ernte. In allen Teilen Niedersachsens rollen seit einigen Tagen wieder die Mähdrescher, auch im Landkreis Lüneburg sind die ersten Bauern in die Getreideernte gestartet. Einer von ihnen ist Dennis Hagemann, in Neetze hat er am Donnerstagnachmittag zum ersten Mal in diesem Jahr den Mähdrescher aus der Scheune geholt. „Bevor sich die Wetterlage wieder ändert, wollen wir einen Teil der Wintergerste schon mal reinbringen“, sagt er. Mit den Ergebnissen ist der 27-Jährige bisher zufrieden: „Qualität und Ertrag sind gut.“

Auch das Landvolk Niedersachsen geht von einer guten Getreideernte aus, rechnet landesweit mit einem Gesamtertrag von 6,2 bis 6,5 Millionen Tonnen. „Damit könnte das Vorjahresergebnis von 6,36 Millionen Tonnen trotz etwas geringerer Anbaufläche wieder erreicht werden“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Mit derart konkreten Prognosen hält sich der Neetzer Landwirt Hagemann zurück. „Noch haben wir die Ernte nicht gut und trocken eingefahren.“

Als erstes in der Erntereihenfolge steht die Wintergerste, dann folgen Raps, Winterroggen und Winterweizen. Bei allen Getreidearten erwartet auch Christian Schulz, Geschäftsführer des Lüneburger Maschinenringes, ordentliche Erträge. „Das Wetter ist den Pflanzen gut bekommen“, sagt er. „Da trifft die alte Bauernregel zu: Ist der Mai kühl und nass, füllts dem Bauern Scheun und Fass.“ Doch entscheidend für die Gesamtbilanz ist auch das Erntewetter. „Gelingt es nicht, das Getreide trocken rein zu kriegen, mindern die hohen Trocknungskosten am Ende das Gesamtergebnis.“

Wie hoch das ausfällt, entscheiden aber nicht nur die Erntebedingungen, sondern vor allem die Getreidepreise. „Und die sind momentan eher mittelmäßig“, sagt Dennis Hagemann. Aktuell könnte er seine Gerste für 14,90 Euro die Dezitonne verkaufen, „dafür gab es auch schon mal 19 Euro“, sagt er. Doch wie viele Landwirte hat auch Hagemann einen Teil seiner Ernte längst verkauft, über sogenannte Vorkontrakte abgesichert.

Im Schnitt sichern die Landwirte im Kreis laut Maschinenring-Chef Schulz rund Zweidrittel ihrer Getreideernte vor der Ernte ab. „Wenn die Preise aus ihrer Sicht gut sind, können sie auch Ernte verkaufen, die noch gar nicht eingefahren ist“, sagt er. Landesweit ist der Anteil bereits vorab verkaufter Ernte allerdings deutlich geringer als in anderen Jahren. Die Vermutung des Landvolks: „Viele Bauern hoffen auf anziehende Preise.“

Verschiedene Wege der Vermarktung

Niedersachsens Getreideerzeuger nutzen verschiedene Vermarktungswege. Durch die Nähe zum Hamburger Hafen und den Hafenstandorten an Binnengewässern profitieren sie laut Landvolk vom Exportgeschäft. „Zu den wichtigen Kunden zählen traditionell zudem die hiesigen Mühlen und Futtermittelhersteller, die 1,4 Millionen Tonnen Getreide als Mahl- und 5,2 Millionen Tonnen als Futtergetreide nachfragen“, schreibt das Landvolk. Je nach Preis- und Qualitätsniveau fließt auch Getreide in Biogasanlagen. „Die energetische Nutzung hat aus Sicht der Landwirte die Aufgabe der früheren Intervention als unterstes Sicherheitsnetz übernommen, bei niedrigen Preisen geht mehr Getreide in die Biogasanlagen.“