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Das Geburtstagsständchen zum 50-jährigen Bestehen der Lüneburger Lebenshilfe kam vom Kinderchor des heilpäda-gogischen Kindergartens am Kalkberg. Foto: t&w
Das Geburtstagsständchen zum 50-jährigen Bestehen der Lüneburger Lebenshilfe kam vom Kinderchor des heilpäda-gogischen Kindergartens am Kalkberg. Foto: t&w

50 Jahre dicke Bretter bohren

us Lüneburg. Ansteckender Charme und aufmunternder Gesang zum Mitsingen und Mitklatschen der Chor des heilpädagogischen Kindergartens am Kalkberg in Lüneburg erreichte im Fluge die Herzen der rund 400 Gäste und Gratulanten, die anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Lüneburger Lebenshilfe am Montag, 7 Juli, in die Ritterakademie gekommen waren.

„So viele Gratulanten schafft die Lebenshilfe, weil sie in den vergangenen Jahren so viele Verbündete für sich gewinnen konnte“, sagte die Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestag, Ulla Schmidt. Auch sie war gestern nach Lüneburg gereist, um der hiesigen Lebenshilfe, die „nun den Kinderschuhen entwachsen ist“, zu gratulieren.

Vor den Anwesenden würdigte sie die Arbeit und die Angebote der Einrichtung, vor allem den Mut und die Visionen der Eltern, die vor 50 Jahren angetreten waren, Menschen mit Behinderung zurück in die Gesellschaft zu führen, aber auch die „unheimliche Dynamik“ bei der Entwicklung von Angeboten. „Noch 50 Jahre, dann haben wir vielleicht die inklusive Gesellschaft und brauchen die Lebenshilfe nicht mehr“, sagte Schmid. Ihr Ziel sei, weiter daran zu arbeiten, damit das Recht der Menschen mit Behinderung auf ein selbstbestimmtes Leben auch wahr werde. Hierzu sei dringend ein Bundesteilhabegesetz erforderlich. „Das Teilhaberecht darf nicht länger von der Sozialhilfe abhängig sein“, forderte die Politikerin.

Dem Dank ihrer Vorrednerin für die Arbeit der Lebenshilfe schloss sich auch Niedersachens Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Cornelia Rundt, an. Die Lebenshilfe habe es geschafft, Menschen mit Behinderung „aus ihrem Verstecktsein herauszuholen“, wie es auch noch nach 1945 in Deutschland der Fall gewesen sei. Sie hob das differenzierte System der Förderung hervor, das aber noch parallel zu den Regelsystemen existiere. Die Aufgabe der kommenden 50 Jahre bestehe nun darin, „beide Systeme wieder zusammenzubringen und eine wirkliche Inklusion in der Gesellschaft zu schaffen“.

Die Umsetzung der Inklusion sei deshalb auch eines der zentralen Themen ihrer Landesregierung, erklärte Ministerin Rundt. Sie kündigte an, hierfür eine Fachkommission einzurichten, „in die auch die Betroffenen mit einbezogen werden sollen“. Zudem werde Niedersachsen in den kommenden fünf Jahren 550 Millionen Euro für Maßnahmen zur Inklusion einsetzen. Doch bis dieses Ziel erreicht sei, „müssen noch viele dicke Bretter gebohrt werden“.