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Der Grünflächenausschuss um den Vorsitzenden Ulrich Blanck (Grüne, l.) startet seine jährliche Tournee durch die Lüneburger Kleingartenkolonien beim Verein Moldenweg. Dr. Eva Völler (4.v.l.) erklärt, was Bienen brauchen. Foto: t&w
Der Grünflächenausschuss um den Vorsitzenden Ulrich Blanck (Grüne, l.) startet seine jährliche Tournee durch die Lüneburger Kleingartenkolonien beim Verein Moldenweg. Dr. Eva Völler (4.v.l.) erklärt, was Bienen brauchen. Foto: t&w

Hummeln fahren auf Rosen ab

ahe Lüneburg. Leerstand ist ein Problem, das Norbert Frie mehr vom Hörensagen kennt. „Bei uns ist kein einziger Garten frei. Im Gegenteil, wir haben eine Warteliste, da stehen eigentlich immer acht bis zehn Interessenten drauf“, erzählt der Chef des Kleingärtnervereins Moldenweg. Als neulich mal eine Laube gebrannt habe und der Pächter der Parzelle daraufhin seinen Garten aufgegeben hat, sei der nach zwei Wochen wieder vergeben gewesen. Und jene Gärten wie der von Frie selbst, von denen man einen wunderbaren Blick auf den Kreidebergsee und die Nicolaikirche hat, kommen in der Regel erst gar nicht auf den Markt, sondern werden innerhalb der Familie quasi vererbt. Dass die Anlage mit ihren 75 Gärten aber mehr zu bieten hat als schöne Aussichten, zeigten der Vorsitzende und Vereinskollegen gestern dem Grünflächenausschuss des Rates.

Einmal im Jahr ist der Ausschuss auf Tournee durch die 16 Lüneburger Kolonien, aktuell schon zum 60. Mal. Politik und Verwaltung inspizieren die Anlagen vor allem hinsichtlich ihres Wertes für die breite Öffentlichkeit und lassen sich von den Vorständen erklären, was sich in den Vereinen in den vergangenen Monaten getan hat. Dabei gibt es stets thematische Schwerpunkte, in diesem Jahr sind es die Barrierefreiheit und die Bienenfreundlichkeit der Kolonien.

Der Moldenweg ist die erste Station der Rundreise, die sich auf vier Tage mit Besuchen bei je vier Vereinen erstreckt. Für die Bienen ist hier Dr. Eva Völler Expertin. Zwei Bienenvölkern gibt die Imkerin in der Kolonie ein Zuhause, hat gerade erst 17 Kilo Honig geschleudert. Sie erklärt den Ausschussmitgliedern um Ulrich Blanck (Grüne), warum sich die Tiere in ihrem Garten besonders wohlfühlen und was auch andere Gärtner für Bienen tun könnten. So hätten die Tiere nicht nur Freude an Obstblüten, auch eine Linde habe für sie großen Reiz.

Joachim Roemer, Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbandes, dem die Vereine angeschlossen sind, weiß: „Wichtig ist eine gewisse Pflanzenvielfalt, damit die Bienen das ganze Jahr über und damit länger als zum Beispiel in der Landwirtschaft Blüten finden. Unsere Grünanlagen sind für sie Rückzugsorte im Stadtgebiet. Wir wollen die Vereine zum Beispiel dafür sensibilisieren, ein paar Weidenkätzchen zu pflanzen, damit Bienen schon früh eine Nahrungsquelle finden.“ Er nennt ein weiteres Beispiel: „Hummeln fahren auf Stockrosen ab, um ihnen was Gutes zu tun, sollte man aber darauf achten, dass man keine gefüllten Blüten nimmt.“ Viele seiner Kollegen haben den Wert der fliegenden Helfer längst erkannt: „In etwa jeder zweiten Lüneburger Kolonie haben wir inzwischen Bienenvölker.“

Auch in anderer Hinsicht kann sich das Engagement der Lüneburger Hobbygärtner sehen lassen: Zusammen haben sie in diesem Jahr bisher schon 12628 Stunden Gemeinschaftsarbeit geleistet, also zum Beispiel die öffentlichen Wege in Schuss gebracht, Hecken zurückgeschnitten und die Spielplätze modernisiert. Mehr als 64000 Euro haben sie 2014 bislang investiert.

In Zahlen
In den 16 Kolonien gibt es insgesamt 1891 verpachtbare Gärten, 71 davon sind aktuell frei. In den Anlagen gibt es zudem 115 Ruhebänke, zwölf Spielplätze und sieben Biotope. In vier Gärten wird speziell für die Lüneburger Tafel geackert und geerntet, in zwei Lehrgärten erfahren Kinder, wie verschiedene Pflanzen und Gemüsesorten aussehen.