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Helga Rufenach sechs Wochen nach der schweren Operation bei der Sonografie. Prof. Dr. Bodo Schniewind (l.) und Prof. Dr. Torsten Kucharzik attestieren der 74-Jährigen: ,,Alles bestens. Foto: be
Helga Rufenach sechs Wochen nach der schweren Operation bei der Sonografie. Prof. Dr. Bodo Schniewind (l.) und Prof. Dr. Torsten Kucharzik attestieren der 74-Jährigen: ,,Alles bestens. Foto: be

Der tückische Krebs

rast Lüneburg. Es war ein langer Weg des Leidens für Helga Rufenach: ,,Ich hatte seit Langem zu hohen Zucker, im Herbst 2013 kamen dann die Oberbauchbeschwerden hinzu. Mein Hausarzt und mein Diabetologe konnten mir nicht helfen, fanden die Ursache nicht. Als ich den Diabetologen wechselte, kriegte ich andere Tabletten und auch Spritzen.“ Besser wurde es nicht, im Gegenteil: ,,Im Februar hatte ich Schmerzen vom Unterleib bis zum oberen Brustbereich, setzte die Tabletten ab und versuchte es mit Hausmittelchen wie feuchten Wickeln und Tee.“ Und dann kamen die unübersehbaren Alarmzeichen: ,,Mein Stuhlgang war weiß, mein Urin dunkel, meine Haut und meine Augen verfärbten sich ins Gelbliche.“ Sie ging ins Klinikum und dann ging alles ganz schnell. Bei der 74-Jährigen wurde Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) diagnostiziert, nach einer Operation und folgendem zweiwöchigen Klinikaufenthalt geht es ihr längst wieder besser.

Eine Spezialabteilung des Städtischen Klinikums darf sich jetzt Pankreaskarzinomzentrum Lüneburg nennen, nachdem es von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert wurde. Es ist dem schon seit 2010 zertifizierten Darmkrebszentrum Lüneburg angeschlossen und profitiert von den dort gemachten Tumorzentrumserfahrungen aus dem Zusammenschluss der Kliniken im Klinikum Lüneburg mit niedergelassenen Kollegen und weiteren Kooperationspartnern. Laut Prof. Dr. Bodo Schniewind, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, gibt es nur rund 50 solcher zertifizierter Zentren in Kliniken in Deutschland: ,,Das ist also eine Auszeichnung für uns.“ Das Zentrum hatte bereits vor einem Jahr seine Arbeit aufgenommen. Laut der Leitenden Oberärztin Gabriele Schröder spielt unter anderem die operative Expertise eine besondere Rolle. Es konnten im Rahmen des Zertifizierungsprozesses 49 Resektionen an der Bauchspeicheldrüse für das Jahr 2013 nachgewiesen werden und für das aktuelle Jahr zeichnet sich eine weitere Steigerung ab.

Das Tückische am Bauchspeicheldrüsenkrebs ist laut Prof. Schniewind, dass es keine typischen Symptome gibt: ,,In frühen Erkrankungsstadien haben Patienten nur selten Beschwerden. Deshalb wird der Tumor oft erst spät, oft auch zu spät entdeckt. Hat sich der Krebs schon diffus in andere Organsysteme verteilt, ist es für den operativen Ansatz zu spät. Dann gibt es die Chemotherapie, die die Entwicklung verlangsamen kann, aber nicht heilen.“

Im neuen Zentrum gibt es einen routinierten, eingespielten Ablauf. Auch bei den Operationen, bei denen Schniewind zwei Arten unterscheidet. Ist der Kopf der Drüse betroffen, müssen auch Teile vom Gallengang und der Zwölffingerdarm entfernt werden: ,,Da ist ein erhebliches Ausmaß an Rekonstruktion nötig, der Wiederanschluss kann aufwendig sein.“ Eine solche OP dauert dann rund vier Stunden. Ist der hintere Teil der Drüse betroffen, ist eine Rekonstruktion kaum nötig, die OP dauere je nach Tumorausbreitung rund zweieinhalb Stunden.

Auch bei Helga Rufenach war nicht nur die Bauchspeicheldrüse betroffen. Sie wurde am 28. Mai operiert und am 12. Juni entlassen. Natürlich habe sie vor der OP ,,Bammel“ gehabt: ,,Aber ich vertraue dem Klinikum, ich habe hier selbst 25 Jahre als Näherin in der Wäscherei gearbeitet, kenne das Haus.“ Laut Prof. Dr. Torsten Kucharzik, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie, gibt es ,,nach der Operation in der Regel eine sechsmonatige Chemotherapie“. Die Lüneburgerin Helga Rufenach bekommt einmal pro Woche eine Infusion bei ihr wurde der Krebs noch rechtzeitig entdeckt.

  • Pankreaskarzinom
Der Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist mit einem Anteil von drei Prozent aller bösartigen Tumoren selten, gehört aber mit zu den zehn häufigsten Tumorerkrankungen in Deutschland. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 15 000 Frauen und Männer daran. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren. Es erkranken aber auch nicht selten Patienten, die jünger als 50 Jahre alt sind. Diese Krebserkrankung ist bis heute kaum heilbar, wenn der Tumor jedoch frühzeitig erkannt wird, kann das Überleben verlängert werden. Die Ursache für die Entstehung ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Krebszellen sind entartete, ungehemmt wachsende Zellen, die von bestimmten (exokrinen) Drüsen des Organs ausgehen. Gesetzliche Vorsorgeuntersuchungen gibt es für die Erkrankung nicht, umso wichtiger ist es, auf mögliche Frühsymptome zu achten.