Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Lüneburgs Oldie wird aufgepeppt + + + Mit LZplay-Video
Alex Schmidtgal, einer der neuen Teilhaber der Garage, beobachtet den Fortschritt der Arbeiten in Lüneburgs ältester Großraumdisco, wo künftig unter anderem Rock-, Goa- und Schlagerpartys stattfinden sollen. Draußen verpassen derweil Maler den Türen einen neuen Anstrich. Foto: t&w
Alex Schmidtgal, einer der neuen Teilhaber der Garage, beobachtet den Fortschritt der Arbeiten in Lüneburgs ältester Großraumdisco, wo künftig unter anderem Rock-, Goa- und Schlagerpartys stattfinden sollen. Draußen verpassen derweil Maler den Türen einen neuen Anstrich. Foto: t&w

Lüneburgs Oldie wird aufgepeppt + + + Mit LZplay-Video

ahe Lüneburg. Es braucht eine Menge Phantasie, den neuen Glanz zu erkennen, den die Macher versprechen. Momentan dominieren Staub und Handwerkerlärm das Ambiente. Überhaupt war Glanz eher selten in der „Garage“. Die Diskothek bestach vielmehr durch ihren Industriecharme. Ein Vierteljahrhundert lang tanzte und feierte Lüneburgs Jugend in der alten Lagerhalle der Firma Magnesia, jubelten bei ungezählten Live-Konzerten Bands aus der Region und bundesweit bekannten Musikern zu. Doch seit April ist Schluss mit Feiern. Die Stadt hatte keine Betriebsgenehmigung mehr erteilt, zu groß waren die Sicherheitsbedenken. Die neuen Betreiber um Eduard Helle müssen erstmal nachbessern und umbauen, bevor sie eröffnen. Ihr Ziel: Im September soll wieder getanzt werden in der Garage.

Die Behörden hatten zu schmale Rettungswege und fehlende Notausgänge moniert, zudem sei der markante Schornstein einsturzgefährdet. Auch ansonsten präsentierte sich der rund 1200 Quadratmeter große Tanztempel zuletzt nicht mehr zeitgemäß. „Es gibt einen großen Reparaturstau“, sagt Alex Schmidtgal, Teilhaber und verantwortlich für das Marketing der „Musiclocation Garage“, wie sie nun offiziell heißen soll. Der Stau wird nun abgearbeitet oder wie Schmidtgal es ausdrückt: „Der Oldtimer wird entrostet und aufgepeppt.“

Handwerker haben den Putz von den Wänden geklopft und die Backsteinfassade freigelegt. „Das passt doch viel besser zu Lüneburg“, findet Schmidtgal und erinnert an den Wasserturm als eines der Wahrzeichen der Hansestadt. Die Toiletten werden modernisiert, Mängel beim Brandschutz behoben, Rettungswege verbreitert, hier und da gibt es einen neuen Anstrich. Der Parkplatz soll neu gepflastert, der Zaun ausgetauscht, ein eigener Fahrradparkplatz geschaffen werden.

„Insgesamt investieren wir einen sechsstelligen Betrag“, sagt Schmidtgal. Mit dem Geld wird auch der Schornstein gerettet, „schon weil der zur Silhouette zwingend dazugehört“. Eine Fachfirma habe ihn so stabilisiert, „dass er bestimmt noch die nächsten 100 Jahre stehen bleibt“.

Erhalten bleiben soll der Industriecharme, für den die Garage bekannt war. Die alte Zapfsäule, die stählerne Skulptur mit den Hörnern, der riesige Kronleuchter im Foyer, die Theken, zwei Tanzflächen, all das soll ebenso erhalten bleiben wie das Graffito an der zur Stadt gewandten Fassade, das der inzwischen verstorbene Jens Flechtner alias Trica186 geschaffen hatte. „Freunde von ihm wollen es aufbessern, damit eine Erinnerung bleibt“, erklärt Schmidtgal. Ein weiteres Kunstwerk soll ebenfalls bleiben. Ein Drache, signiert mit Charly und der Jahreszahl 1987, war im Foyer über Jahre von einer Leinwand verdeckt, nun soll er dauerhaft sichtbar und entsprechend angestrahlt werden. Erst im nächsten Jahr ist der übrige Außenbereich dran.

Marketing-Mann Schmidtgal spricht von einem schwierigen Spagat, das Alte zu erhalten und gleichzeitig Neues wie ein innovatives Sound- und Lichtsystem zu schaffen. Doch er ist zuversichtlich, dass es künftig den Anzugträger genauso zum Feiern in die Garage zieht wie den sportlichen Typen mit Sneakers. „Bei uns sind alle willkommen zwischen 18 und 80, egal welcher Nationalität. Nur wer zu betrunken oder aggressiv ist, wird sicher nicht reingelassen.“ Freitags soll es Rock-, Goa-, oder Abipartys geben, der Sonnabend bleibt dem Mainstream vorbehalten. Auch Schlagerpartys wird es geben. In der Woche könnten Konzerte, aber auch Messen oder Firmenveranstaltungen in der Garage stattfinden. Die Betreiber, die auch Discos in Hamburg und Adendorf verantworten, glauben daran, dass sich ihre Investitionen lohnen. Die Lage mit der fußläufigen Entfernung zur Innenstadt, dazu die Location selbst seien Trümpfe, mit denen Lüneburgs älteste Großraum-Diskothek, die im Januar 1987 von Walter Hanel und Sebastian Kühl eröffnet wurde, bestehen könne.

VIDEO