Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Reisegruppe aus Lüneburg mit Pfarrer Romaniuk vor dem Bild in der neuen Kirche in Karczyn. Foto: nh
Die Reisegruppe aus Lüneburg mit Pfarrer Romaniuk vor dem Bild in der neuen Kirche in Karczyn. Foto: nh

Ehrenplatz für die Erinnerung

ahe Lüneburg. In der alten Heimat hat nun ein Stück aus der neuen Heimat einen Ehrenplatz erhalten: Das Gemälde der Bardowicker Malerin Ruth Himmelmann, das die frühere Karzener Kirche zeigt, hängt jetzt in der neuen Kirche im heutigen Karczyn. Es ist ein Geschenk der Heimatgemeinschaft Strehlen, Inselgruppe Lüneburg, die während ihrer Reise nach Polen die Einweihung des Ehrenplatzes mitsamt Gedenktafel aus Granit mitfeierten.

53 Teilnehmer machten sich auf die sechstägige Reise nach Breslau, ins Riesengebirge und in den Kreis Strehlen, in dem sie oder ihre Vorfahren lebten, ehe sie 1946 von dort vertrieben wurden. Viele aus der Region fanden damals in und um Lüneburg ein neues Zuhause, doch vergessen ist die alte Heimat nicht, davon zeugen die jährlichen Treffen, das nächste steht am Sonnabend, 2. August, ab 14 Uhr im Lokal Adlerhorst am Schnellenberger Weg auf dem Programm. Dann ist auch die Polenreise ein Thema, erfahren auch jene, die nicht mitfahren konnten oder wollten, was die Gruppe erlebte.

In Polen selbst war das Echo beachtlich. Zeitungen berichteten mit Fotos von den Besuchern und dem Ehrenplatz des Bildes, dass die Strehlener bereits 2011 mitgebracht hatten und das neben zwei Gedenksteinen dritte Hinterlassenschaft der vertriebenen Deutschen ist. „22 Jahre hing das Bild der alten Karzener Kirche in der Lüneburger Paul-Gerhardt-Kirche“, erinnerte Wolfgang Flechtner, Vorsitzender der Heimatfreunde. Den Gastgebern sagte er: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir sehr, sehr glücklich sind, dass das Bild nun einen angemessenen Platz erhalten hat hier in Ihrer schönen neuen Kirche, die auf dem Grundstein der früheren Karzener Kirche gebaut wurde“.

Der Besuch führte die Gruppe aus Lüneburg auch in die Dörfer im Kreis Strehlen, die einst Heimat ihrer Familien waren, außerdem nach Breslau, wo eine Stadtbesichtigung zum Programm gehörte, und zum Kochel-Wasserfall im Riesengebirge. „Wir haben eine große Gastfreundschaft erlebt“, sagt der Harmstorfer Reiner Keul. „Fast niemand musste seine Lunchpakete anrühren, weil fast alle zum Essen eingeladen wurden.“ Allen voran der dortige Pfarrer Romaniuk engagiere sich sehr für die Völkerverständigung. Dass die funktioniert beweist auch, dass im nächsten Jahre eine polnische Delegation zum Gegenbesuch nach Lüneburg kommen will.