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Achtklässler Florian Meyer vom Gymnasium Bleckede hat einen smarten Handschuh präpariert. Noch fehlt eine LED-Leuchte, die soll durch Bewegung anfangen zu blinken. Foto: t&w
Achtklässler Florian Meyer vom Gymnasium Bleckede hat einen smarten Handschuh präpariert. Noch fehlt eine LED-Leuchte, die soll durch Bewegung anfangen zu blinken. Foto: t&w

Intelligente Systeme

mm Lüneburg. In Schlangenlinien kratzt Jasmin Reibchen gerade noch die Kurve, aus der nächsten wird sie aber geschleudert. Vor einer Kuhherde kommt sie eben noch rechtzeitig zum Stehen, Verkehrsschilder übersieht sie hingegen komplett. Grund für Jasmins gefährliches Fahrverhalten ist Alkohol, die Schülerin sitzt mit 1,3 Promille hinterm Steuer. Glücklicherweise nicht im echten Straßenverkehr, sondern im Fahrsimulator. Und auch nicht wirklich betrunken. Die Trunkenheit wird durch eine Rauschbrille simuliert. Es handelt sich um einen Versuch: Wie kann menschliches Versagen unter Alkoholeinfluss gemessen werden? Diese Frage soll im Workshop „Vom Rauschbrillenparcours in den Pkw-Simulator“ am Tag der Informatik an der Leuphana Universität beantwortet werden.

Daran nehmen Schüler der Klassenstufen 8 bis 12 aus Lüneburg und Umgebung teil. Sie sollen Informatik ausprobieren, den Tag hat das Lüneburger Forum für Informatik an Schulen (LÜFINS) organisiert. „Mit technischen Möglichkeiten aus der Informatik wollen wir versuchen, was sich schwer bewerkstelligen lässt, nämlich Gefühle und Scheitern messbar machen“, erklärt Workshop-Leiter Paul Ehm, Diplom-Volkswirt an der Leuphana. Die Seminar-Teilnehmerinnen sollen dafür eine Software für den Fahrsimulator programmieren. Denn um zu berechnen, wie groß der Einfluss von Alkohol auf das Fahrverhalten ist, müssen bestimmte Faktoren wie beispielsweise die nachlassende Reaktionszeit gemessen werden.

Geprobt für den Versuch wurde mit Bobbycars. Die Schülerinnen mussten einen Parcours durchfahren, mit und ohne Rauschbrille. Sie stoppten die Zeit, zählten wie viele Hütchen umgefahren wurden. Und stellten fest: Unter Alkohoholeinfluss dauert die Fahrt länger, mehr Hütchen fallen um. Die Schülerinnen notierten auch: Noch schwieriger wird das Parcoursfahren mit Promille im Blut, wenn zusätzliche Hindernisse im Weg stehen, die umschifft werden müssen.

Den recht simplen Versuchsaufbau übertrugen die Schülerinnen aus der zehnten Klasse des Johanneums auf den Fahrsimulator, überlegten auch, welche Faktoren außer Alkohol noch einen Einfluss auf das Fahrverhalten haben können. Danach programmierten sie die Strecke. „So lernen die Schülerinnen, wie in einem Anwendungsbereich mit Informatik abweichendes Verhalten gemessen werden kann“, sagt Ehm. Im Fach Informatik lernen die vier Zehntklässlerinnen auch in der Schule: „Der Unterricht ist aber immer sehr theoretisch, jetzt konnten wir mal in der Praxis sehen, was man eigentlich programmieren kann und wie“, sagt Anna-Viktoria Junge.

Das konnten auch die Teilnehmer beim Workshop „Wear and Move“ Tragen und Bewegen. Sie sollten intelligente Kleidung herstellen. So ein Kleidungsstück ist der smarte Handschuh. Der bekommt ein Gehirn implementiert, einen Micro-Controller, der Signale, die über einen Bewegungssensor aufgenommen werden, verarbeiten kann. Aktuatoren vergleichbar zum Beispiel mit der menschlichen Hand führen die Signale aus. Wenn der Handschuh geschüttelt wird, blinkt ein LED-Lämpchen, ruht er, ist auch das Lämpchen aus.

Solch einen Handschuh produziert Dorothea Chudzinski aus der achten Klasse vom Gymnasium Bleckede. Sie näht dafür den Sensor in das Handschuh-Gewebe. „Beim Winken soll der Handschuh blinken“, erklärt sie. Student Alexander Höhmann, der den Workshop leitet, ergänzt: „Die Schüler haben hier ein haptisches Erlebnis mit Informatik. Richtig programmiert leuchtet und blinkt der Handschuh, wenn er geschüttelt wird“.

Beim Tag der Informatik programmierten die Teilnehmer auch Anwendungen für Smartphones oder versuchten sich an der Spieleentwicklung mit Excel. Insgesamt gab es sechs Workshops. Die einzelnen Ergebnisse wie der smarte Handschuh wurden zum Abschluss präsentiert.