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Die für den Kreideberg typischen Hochhäuser am Ostpreußenring hinter einem blühenden Rapsfeld: Ein Sanierungsmanager soll Eigentümer hinsichtlich möglicher Förderungen für die energetische Sanierung beraten. Foto: A./t&w
Die für den Kreideberg typischen Hochhäuser am Ostpreußenring hinter einem blühenden Rapsfeld: Ein Sanierungsmanager soll Eigentümer hinsichtlich möglicher Förderungen für die energetische Sanierung beraten. Foto: A./t&w

Energiewende in Quartieren forcieren

as Lüneburg. Welche Möglichkeiten zur Energieeinsparung und -gewinnung kann es in einzelnen Stadtteilen geben, damit der CO2-Ausstoß verringert wird? Diese Fragen stellt das KfW-Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“ in den Mittelpunkt, in das die Stadt Lüneburg 2012 mit den Quartieren Kaltenmoor, Kreideberg und Hasenburger Berg aufgenommen wurde. Inzwischen wurden Konzepte für die einzelnen Viertel von der BauBeCon Sanierungsträger GmbH in Kooperation mit dem Planungsbüro Cappel+Kranzhoff und der Enakon Wolfenbüttel GmbH erstellt, die nun im Bauausschuss vorgestellt wurden.

Die gute Nachricht: Es gibt viele gute Ideen und Ansätze für Gebäudesanierungen, neue Wege der Wärme- und Stromversorgung oder im Bereich Mobilität. Der Knackpunkt: „Zur Umsetzung können Eigentümern derzeit nur KfW-Kredite angeboten werden“, machte Oberbürgermeister Ulrich Mädge deutlich. Da jedoch noch keine speziellen Zuschussprogramme für die Viertel bestehen, wären viele Eigentümer noch zurückhaltend. Dennoch wird die Stadt mit einem Sanierungsmanager in die Beratung gehen. Dafür stimmte der Ausschuss mehrheitlich.

Ein Jahr haben die BauBeCon und die beiden Planungsbüros gebraucht, um entsprechend der Vorgaben des KfW-Förderprogramms sogenannte Integrierte Energetische Quartierskonzepte (IEQK) für die drei Lüneburger Stadtviertel zu erstellen. Am Anfang, verdeutlichte Rolf Schütte von der BauBeCon, habe eine detaillierte Bestandserhebung gestanden sowie eine Analyse des Strom- und Wärmebedarfs. Daraus seien dann mögliche Energieeinsparmaßnahmen entwickelt worden wie zum Beispiel durch energetische Sanierungen der Gebäude, Dämmung von Gebäudeteilen oder Erneuerung von Fenstern und Türen.

Ausgelotet wurde auch, welche klimafreundlichen Möglichkeiten es zur Strom- und Wärmeversorgung geben könnte und in welchen Vierteln sich zum Beispiel Carsharing, Ladestationen für Elektroautos oder das Leihrad-System StadtRad anbieten. Ein Teil der Maßnahmen gleiche sich, aber in Kaltenmoor biete sich zum Beispiel vorrangig an, das Radwegenetz auszubauen statt auf Elektromobilität zu setzen, so Schütte. Ausgerechnet haben Tobias Kuhlmann und Kollegen von der Enakon auch, wie hoch das Einsparpotenzial sein könnte, wenn denn alle Maßnahmen umgesetzt werden.

Um für den energetischen Wandel zu werben und ihn zu koordinieren, soll ein Sanierungsmanager eingestellt werden, der die Eigentümer durch den Förderdschungel führt. Er soll auch Teilnehmer, die sich für eine Sanierung entscheiden, vernetzen. Für die Einstellung eines solchen Managers über drei Jahre (ab 2015) in den Stadtteilen Kaltenmoor und Kreideberg sollen 65 Prozent Fördermittel von der KfW fließen, der Eigenanteil der Stadt liegt bei 35 Prozent. Die Stadt geht von Kosten in Höhe von 62000 Euro pro Jahr aus, danach würde sich ihr Eigenanteil auf 21700 Euro belaufen. Da die Lüneburger Wohnungsbau Gesellschaft (Lüwobau) Eigentümer der Wohnungen am Hasenburger Berg ist, wird diese die energetische Sanierung selber in die Hand nehmen.

Das Konzept mache einen guten Eindruck, meinte Grünenchef Andreas Meihsies. Gleichwohl sei es einProblem, gerade Großeigentümer zu energetischen Sanierungen zu bewegen, gab Mädge zu bedenken. Viele würden erst einmal abwarten, was künftig noch an Mitteln fließen könnte. Rainer Petroll (Linke) weiß aus eigener Erfahrung, dass sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis erst nach Jahren auszahlt. Er sieht, dass viele Mieter befürchten, dass die Kosten für Sanierungen auf die Miete aufgeschlagen werden. „Es bedarf mehr staatlicher Zuschüsse.“ Vorbildlich sei da das Agieren der Lüwobau. Bei energetischen Sanierungen komme es nach einer ersten Mieterhöhung erst Jahre später zu einer weiteren. Für Birte Schellmann ist energetische Sanierung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Der Staat muss sich dieser bewusst sein, es kann nicht nur Aufgabe von Privatleuten sein.“ CDU-Politiker Eberhard Manzke zeigte sich skeptisch, ob die Einstellung eines Sanierungsmanagers Erfolg garantiere. Der Oberbürgermeister räumte ein: „Diese Überlegung habe ich auch angestellt.“ Dennoch sei eine Einzelberatung für kleinere Wohnungseigentümer sinnig, auch in der Hoffnung, dass es für energetische Sanierungen künftig Zuschussprogramme vom Staat gebe.