Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Warum alten Standort auflösen?
Wenn Aldi und Rossmann von der Bleckeder Landstraße  abwandern, hat das schlimme Folgen für verbleibende Ladenbesitzer und Anwohner befürchten Mareike Weißenborn, Helga und Ingo Rassek, Maria Leverenz, Martin Behr und Eva Wolter. Foto: be
Wenn Aldi und Rossmann von der Bleckeder Landstraße abwandern, hat das schlimme Folgen für verbleibende Ladenbesitzer und Anwohner befürchten Mareike Weißenborn, Helga und Ingo Rassek, Maria Leverenz, Martin Behr und Eva Wolter. Foto: be

Warum alten Standort auflösen?

as Lüneburg. Mit Sorge und Verärgerung haben Anwohner und Geschäftsleute des Lüneburger Stadtteils Neu Hagen zur Kenntnis genommen, dass laut einem Gutachten im Hanseviertel ein Lebensmittelmarkt entstehen, zudem Aldi und Rossmann von der Bleckeder Landstraße aufs Lucia-Gelände umziehen könnten. Sie kritisieren, dass sich dadurch die Einkaufssituation an der Bleckeder Landstraße dramatisch verschlechtern wird und Kundenströme abwandern werden.

Wie berichtet, hat die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass die künftige Nahversorgung im östlichen Stadtgebiet in den Fokus nimmt. Es wurde in Auftrag gegeben als Fortschreibung des Einzelhandelsentwicklungs- und Zentrenkonzepts, das bei der Aufstellung von Bebauungsplänen als Leitfaden für die Einzelhandelsentwicklung gilt. Die CIMA Beratungs- + Management GmbH ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes mit maximal 1800 Quadratmetern im Hanseviertel, in dem künftig bis 1500 Einwohner leben werden, sowie die Verlagerung von Aldi und Rossmann aufs Lucia-Gelände für zukunftfsfähige Strukturen sorgen würden und die Ansiedlungen verträglich seien.

Eva Wolters Ehemann Bernhard ist Inhaber des Friseurgeschäftes an der Bleckeder Landstraße: „Zum Jahresende wollen wir dieses an eine Angestellte übergeben. Wir sind in Sorge, dass, wenn Aldi und Rossmann abwandern, der Kundenstrom geringer wird.“

Diese Befürchtung hat auch Mareike Weißenborn, die seit fünf Jahren Inhaberin des Blumenladens „blütenreich“ ist. Viele ihrer Kunden kämen aus Neu-Hagen und Kaltenmoor. Den Einkauf bei Aldi und Rossmann nutzten viele, um bei ihr auch gleich Blumen und Pflanzen zu kaufen. Wenn der Discounter und der Drogeriemarkt aufs Lucia-Gelände zögen, gehe auch ihr Kundenkreis zurück, befürchtet sie. Auf die Frage, ob sie sich einen Umzug ihres Geschäftes ins Hanseviertel vorstellen könnte, erklärt sie: „Mein Mietvertrag an der Bleckeder Landstraße läuft noch drei Jahre. Und die Frage ist doch, ob im Hanseviertel die Mieten überhaupt bezahlbar sind.“ Von der Stadt habe noch keiner mit den Händlern und Anwohnern gesprochen.

Das bemängeln auch Helga und Ingo Rassek, die seit mehr als 40 Jahren in dem Quartier wohnen. Dass ein Lebensmittelmarkt im Hanseviertel entstehen solle, sei okay. „Aber Aldi und Rossmann müssen bleiben. Es gibt hier viele alte Mitbürger, für die wäre der Weg zum und vom Lucia-Gelände beschwerlich.“ Früher habe es im Umfeld der Bleckeder Landstraße einen Schlachter, einen Supermarkt, einen Drogerieladen und eine Wäscherei gegeben das ist alles Vergangenheit.

Nun müssten zumindest Aldi und Rossmann bleiben. Die seien Zugnummern für die anderen kleinen Geschäfte an der Bleckeder Landstraße, meint Peter von Paris, der auch bezweifelt, dass das Hanseviertel einen Lebensmittelmarkt braucht. „Da wohnen junge Familien, die zur Arbeit nach Hamburg pendeln und dort auch einkaufen“, mutmaßt er. Maria Leverenz, die im Blumenladen arbeitet und einige Häuser weiter wohnt, fragt: „Warum werden alte Standorte aufgelöst und neue entstehen?“ Zweifel haben auch alle, ob Aldi wirklich nicht am jetzigen Standort erweitern kann und dass der Verkehrsabfluss so schwierig sei, wie die Stadt argumentiert.

Martin Behr, der auf dem ehemaligen Barenschee-Gelände ein Geschäfts- und Bürohaus baut, sagt, er habe dafür Verkehrsgutachten erstellen müssen. Belegt sei, dass die Bleckeder Landstraße zusätzliche Verkehre aufnehmen könne. Auch er befürchtet: Ziehen Discounter und Drogeriemarkt aufs Lucia-Gelände, fehlt es an der Bleckeder Landstraße künftig an Laufkundschaft. Alle erhoffen sich Rückendeckung von der Politik, dass Aldi und Rossmann nicht umziehen.

Vorerst nur ein Gutachten

Heiko Dörbaum (SPD), Sprecher der rot-grünen Mehrheitsgruppe, sagte gestern auf LZ-Anfrage: „Wir beraten heute Abend noch einmal in den Fraktionen.“ Am 4. August werde im Bauausschuss zum Konzept entschieden. „Die Entwicklung bezogen auf die Bleckeder Landstraße ist allein abhängig von der Entscheidung der Unternehmen Aldi und Rossmann. Besonders wichtig ist uns die künftige Nahversorgung auch im Hanseviertel.“ Niels Webersinn, Fraktionschef der CDU, erklärt: „Wir begrüßen das Gutachten, weil es sich mit dem Einzelhandel im östlichen Stadtgebiet beschäftigt. Aber wir müssen auch die Sorgen von Anwohnern und Geschäftsleuten berücksichtigen und schauen, wie man beides in Einklang bringen kann.“ Die Stadtverwaltung erklärt zum Procedere: Nachdem der Bauausschuss zum Gutachten entschieden hat, werden der Verwaltungsausschuss und der Rat nach der Sommerpause dazu tagen. Wenn aber im Hanseviertel oder auf dem Lucia-Gelände Geschäfte angesiedelt werden sollen, muss für jedes Areal ein Bebauungsplanverfahren mit der üblichen Bürgerbeteiligung durchgeführt werden. Da können dann auch die Bürger Anregungen und Bedenken einbringen.

One comment

  1. Ich lese wieder nur von einer künftigen Nahversorgung „auch im Hansevirtel“ von Herrn Dörbaum?!
    Mann bekommt als Anwohner den Eindruck es ginge einzig um das Hansevirtel. Gut und schön das Lüneburg sich vergrößert ,aber deshalb sollten alte Stadtteile keinen Nachteil erfahren.
    Wenn Aldi und Rossmann abziehen wollen ist das auch ok, aber hat man einmal andere Ketten gefragt ob diese umziehen wollen? Ich meine mich zu errinern im letzten Artikel gelesen zu haben das der Penny an der Dahlenburger sich auch verändern möchte?! Der Aldi an der Bleckeder bietet weitaus mehr Platz, vieleicht zieht der Penny einfach dort ein, und in den Penny könnte ein Drogeriemarkt einziehen der mehr Verkaufsfläche benötigt als der Rossmann jetzt zu bieten hat. Vernünftige Lösungen wünsche ich mir hier!!! Für mehr bezahlbaren Wohnraum bin ich auch, aber wer möchte in einen vermutlich viel zu teuren Neubau ziehen? Das soll dort doch entstehen, wenn Aldi und Rossmann gehen?!? Ich bin allerdings auch verdudst das bei der Planung des Hansevirtels offenbar noch nicht sicher war wie dort die Nahversorgung gesichert werden soll, und nun dafür andere auf gute Einkaufmöglichkeiten verzichten sollen. Viele Menschen in dem Bereich der Bleckeder besitzen kein Auto und begrüßen es das sie NOCH ihren Einkauf nicht den Berg hoch buckeln müssen. Oder ist es der Plan, das vieleicht die ältere Genaration sich fortan in den Bus setzt und die völlig überzogenen Preise bezahlt, um zum einkaufen zu kommen?