Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Das Mittelfeld im Fokus. Das Projekt soll Strategien entwickeln die das Sicherheitsgefühl der Bewohner stärken. Foto: Boldt
Das Mittelfeld im Fokus. Das Projekt soll Strategien entwickeln die das Sicherheitsgefühl der Bewohner stärken. Foto: Boldt

Sicheres Mittelfeld

ca Lüneburg. Unsicherheit und Angst kann sich an kleinen Dingen festmachen: fehlende Lampen, dunkle Gänge, große Büsche, die die Sicht nehmen, zu schmale Gehwege, auf denen etwa eine Mutter mit Kinderwagen nicht an einem Rentner mit Rollator vorbeikommt. Manches lässt sich vermeiden, wenn schon bei der Planung von Baugebieten oder Sanierung von Wohnanlagen auf Details geachtet wird. Das ist das Ziel einer bundesweiten Aktion, an der sich auch Lüneburg mit zwei weiteren Städten in Niedersachsen beteiligt. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das gesamte auf drei Jahre angelegte Vorhaben mit 600000 Euro. Mit an Bord sind das Landeskriminalamt (LKA), die örtliche Polizei sowie die Stadt. Die stellten die Ideen am Donnerstag, 31. Juli, im Rathaus vor.

Dr. Anke Schröder arbeitet als Architektursoziologin für das LKA. Sie erläuterte, dass es um eine gemeinsame Sicherheitsstrategie geht, die Polizei, Stadt und Wohnungsunternehmen entwickeln. Lüneburg sei unter rund 100 Orten ausgewählt worden. Das liege auch daran, da war sie sich mit Oberbürgermeister Ulrich Mädge und dem Chef der Kriminalpolizei, Steffen Grimme, einig, weil an der Ilmenau das richtige Quartier ausgewählt wurde, nämlich das Mittelfeld.

Dort findet sich eine unterschiedliche Bebauung, von Einfamilien- bis zu Hochhäusern, Wohnungsunternehmen haben Interesse an einer Weiterentwicklung des Stadtteils. So wolle die Lüwobau, die zu mehr als 90 Prozent der Stadt gehört, ebenso mitmachen wie auch die beiden Firmen, die kürzlich rund 600 Wohnungen rund um den Weißen Turm erworben haben, sagte Mädge. Auch liegen die Kriminalitätszahlen in einem Rahmen, der ein Handeln nahelegt: Seit 2005 bewegt sich der Durchschnitt der Straftaten laut Grimme bei 590 pro Jahr. Er räumte auf Nachfrage ein, dass davon besonders der Bereich zwischen Bögelstraße und Hinter der Saline betroffen ist. So hatte es dort bekanntlich unter anderem eine Brandserie gegeben. Ein Täter wurde damals in die Psychiatrie eingewiesen.

Bei ihrem Ansatz setzen Dr. Schröder und ihre Mitarbeiter auf Vergleich und Zusammenarbeit. So werden auch Konzepte für Stadtteile in Hannover und Emden erarbeitet. Darüber hinaus besteht ein Austausch mit Universitäten in Manchester, Wien und Mailand sowie der Polizeiakademie Niedersachsen, dem niedersächsischen Städtetag und dem Verband der Wohnungswirtschaft. Die Idee: Das Sicherheitsgefühl der Bewohner steigt, die Wohnungen sind gefragter als bisher, die Polizei muss weniger Einsätze bearbeiten.

Die Bewohner des Viertels sollen durch Befragungen ebenso einbezogen werden wie Institutionen. Am Ende steht eine gemeinsame Konzeption, was im Mittelfeld passieren kann. Allerdings muss Geld dafür aus anderen Töpfen fließen. Denn für Investitionen hat das Programm Transit, das steht für Transdisziplinäre Sicherheitsstrategien für Polizei, Kommunen und Wohnungsunternehmen, keine Mittel.

Doch es muss gar nicht alles viel kosten, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu erhöhen. Der Ansatz der LKA-Experten: Bei Stadtteilfesten oder an gemeinsamen Treffpunkten kann Verständnis und Toleranz für Nachbarn entwickelt werden, was vielleicht dazu führen kann, dass jemand seinen Hund eher an die Leine nimmt oder er die Musik am Abend leiser dreht.

Mädge geht davon aus, Ergebnisse auf andere Stadtteile übertragen zu können. Und die hätten oftmals schon gute Voraussetzungen geschaffen über Stadtteilrunden, die beispielsweise mit Schulen und Sozialpädagogen zusammenarbeiten.