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Feuer am Montagabend auf dem Kreideberg. Unter den Folgen leiden nicht nur die Mieter der betroffenen Wohnung, sondern auch andere Bewohner wie die Familie Sehnert, die über dem Brandherd zu Hause war. Foto: Feuerwehr
Feuer am Montagabend auf dem Kreideberg. Unter den Folgen leiden nicht nur die Mieter der betroffenen Wohnung, sondern auch andere Bewohner wie die Familie Sehnert, die über dem Brandherd zu Hause war. Foto: Feuerwehr

Abgebrannt auf dem Kreideberg

ca Lüneburg. Familie Sehnert ist froh, dass sie in der Kolonie Krähensaal eine Doppelparzelle samt Laube besitzt für die ersten Tage die Heimat von Melanie und Enrico Sehnert sowie ihren drei Kindern. Die Fünf sind im Wortsinne abgebrannt. Wie berichtet, war am Montagabend in einem Sechs-Parteien-Haus am Ostpreußenring ein Feuer ausgebrochen. Ein defektes Ladegerät hatte einen Schwelbrand verursacht, als die Mieter nicht zu Hause waren. Inzwischen ist klar, dass nicht nur die Brandwohnung unbewohnbar ist, sondern auch die Räume weiterer Bewohner wie der Sehnerts, die unmittelbar über dem Brandherd zu Hause sind. „Überall ist Ruß“, sagt Vater Enrico. Da Waschmaschine und Trockner im Keller stehen, seien sie dabei, alle Sachen durchzuwaschen. Trotzdem rieche manches noch nach Qualm. Ob sich die Möbel von giftigen Partikeln reinigen ließen, sei noch unklar.

Am Donnerstag, 31. Juli, war ein Gutachter der Versicherung am Ostpreußenring. Der habe erklärt, dass die Wohnung komplett gereinigt werden müsse. Noch unklar ist, wie schnell das geschieht. Enrico Sehnert geht davon aus, dass es wohl zwei, drei Wochen dauern könne, bis eine Rückkehr möglich ist.

Nun hangeln sich die Sehnerts durch. Bis über das Wochenende haben sie eine Ferienwohnung an der Wallstraße gemietet. Danach hoffen sie auf eine neue Bleibe. Allerdings müssen sie aufs Geld schauen. Der Familienvater erzählt, dass die Versicherung 54 Euro pro Tag für Unterkunft zahle, die Ferienwohnung koste jetzt aber 80 Euro pro Nacht. Da hilft auch eine Spende weiter, die Berthold Schweers Donnerstagnachmittag vom Guten Nachbarn übergab, der Hilfsaktion von Wohlfahrtsverbänden und Landeszeitung.

Sehnert erzählt, er sei am Brandtag in die brennende Wohnung seiner Nachbarn gelaufen, um deren Golden Re­triever Möffi aus dem Qualm zu holen: „Ich habe einen Schlüssel.“ Seine Frau habe die Kinder geschnappt, gemeinsam hätten sie dann Unterschlupf in ihrer Laube gefunden. Das sei natürlich keine Lösung auf Dauer, gerade für die beiden zehn und sechs Jahre alten Söhne sowie die einjährige Tochter. Sie hätten vom Vermieter das Angebot erhalten, sofort Räume in Munster beziehen zu können. Doch das hilft ihnen nicht weiter, denn ihr Leben spielt in Lüneburg, hier gehen die Kinder zur Schule beziehungsweise in den Kindergarten. Zudem ist Sehnert Vorsitzender des Kleingartenvereins Krähensaal.

Besonders bitter: Die Eltern haben gerade die Kinderzimmer für ihre Kleinen hergerichtet. „Dafür haben wir das Sparbuch geplündert“, sagt der Vater. Da die Sehnerts aufgrund persönlicher Gründe gerade auf Transferleistungen des Staates angewiesen sind, wissen sie nicht recht, wie es weitergeht, auch wenn die Versicherung eingeschaltet ist. Auch andere im Haus am Ostpreußenring leiden unter den Folgen des Feuers. Mieter berichten von erheblichen Schäden in ihren Wohnungen, entstanden unter anderem durch Löschwasser . Die Polizei hatte den Schaden insgesamt auf rund 120000 Euro geschätzt. Ob die Summe möglicherweise höher ausfällt, müssen Gutachter klären.

Die Sehnerts freuen sich, dass ihnen Freunde und Bekannte helfen, dass sie beispielsweise in deren Wohnungen duschen können. „Es ist kein gutes Gefühl, um Hilfe bitten zu müssen“, sagt Enrico Sehnert. „Aber was sollen wir tun?“ Er und seine Frau Melanie sind natürlich dankbar für den Beistand. Trotzdem ist ihnen die Situation peinlich, und deshalb wollten sie auch nicht, dass ein Bild der Familie zu dieser Geschichte erscheint.

3 Kommentare

  1. „Trotzdem ist ihnen die Situation peinlich, und deshalb wollten sie auch nicht, dass ein Bild der Familie zu dieser Geschichte erscheint.“ Hoffentlich war man seitens der LZ so einfühlsam, bzw. rücksichtsvoll und hat die Namen im Artikel auch geändert. Sonst bringt das fehlende Bild nämlich auch nicht viel.