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Foto: A./ t&w
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Belastet, verkauft, gegessen

off Lüneburg. Mit einer Fleischlieferung aus den Niederlanden hat der jüngste Antibiotika-Skandal den Landkreis Lüneburg erreicht. Wie das Landwirtschaftsministerium in Hannover dem Veterinärmt Lüneburg am Donnerstagabend mitteilte, sind bereits im April 2,4 Kilogramm Kalbfleisch belastet mit dem verbotenenen Antibiotika Furazolidon an einen fleischverarbeitenden Betrieb im Kreis Lüneburg geliefert worden. „Die zuständigen Kontrolleure konnten die Lieferung ausfindig machen“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Für eine Sicherstellung allerdings zu spät. „Das Fleisch wurde bereits an den Endkunden geliefert“, sagt Holzmann.

Das Antibiotikum Furazolidon ist seit 1995 in der Europäischen Union verboten, nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung erwies sich die Nitrofuranverbindung in Tierversuchen als krebserzeugend (karzinogen) und erbgutverändernd (mutagen). Zu Gesundheitsrisiken für Verbraucher, die das belastete Fleisch gegessen haben, macht das Landwirtschaftsministerium keine Angaben. „Eine potenzielle Gefährdung ist abhängig von der Belastungshöhe und dem Verzehr im Einzelfall“, sagt Sprecher Klaus Jongebloed.

Wie hoch die Belastung tatsächlich war, lässt sich nicht mehr feststellen. „Denn alle Landkreise haben uns zurückgemeldet, dass das Fleisch nicht mehr im Bestand ist.“ Die einzigen Werte, die dem Ministerium vorliegen, sind die Analyseergebnisse aus den Niederlanden. „Und da war die Belastung sehr gering“, versichert Jongebloed.

Weitere Lieferungen des belasteten Kalbfleisches sind nach Informationen des Ministeriums in die Landkreise Göttingen und Harburg gegangen. „Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich um eine relativ kleine Charge zwischen jeweils drei und sechs Kilogramm“, so Jongebloed. Weitere 79 Kilogramm gingen in den Landkreis Stade. Wie im Kreis Lüneburg sind auch dort die Veterinärämter angewiesen worden, den Verbleib der Ware zu kontrollieren und sie wenn möglich sicherzustellen.

Warum und wie das verbotene Antibiotikum auf den Markt gelangen konnte, „müssen jetzt die Niederlande beantworten“, sagt Jongebloed. Dort ist das verbotene Furazolidon zunächst in Futtermitteln aufgetaucht, mehr als 100 Betriebe wurden von den niederländischen Behörden gesperrt. Beliefert hat der verdächtige Futtelmittelhersteller zudem Betriebe in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Milchproben waren unauffällig, nun werden die Futtermittelanalysen darüber entscheiden, ob „die Schlachttiere aus den drei Rinder haltenden Betrieben in Niedersachsen verkehrsfähig sind“, sagt Jongebloed.

Ob auch das Kalbfleisch über die belastenden Futtermittel verunreinigt wurde, „ist ebenfalls noch nicht geklärt“, sagt der Ministeriumssprecher. Eine weitere offene Frage in einem Skandal, bei dem das EU-Schnellwarnsystem zumindest für die Kunden des belasteten Kalbfleischs im Kreis Lüneburg nicht schnell genug war.