Mittwoch , 28. September 2016
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Auch für den Innenhof der Alten Musikschule haben die Lübecker Planer ein Konzept vorgelegt, das die Stadt überzeugt. Foto: be
Auch für den Innenhof der Alten Musikschule haben die Lübecker Planer ein Konzept vorgelegt, das die Stadt überzeugt. Foto: be

Lübecker Konzept überzeugt

as Lüneburg. Gemeinschaftliches Wohnen sowie eine Galerie, Büros und Cafés sollen in den Gebäudekomplex „Alte Musikschule“ einziehen. Umsetzen werden das die Lübecker Conplan Betriebs- und Projektberatungsgesellschaft mbH als Projektentwickler sowie die Lübecker Architekten und Stadtplaner Meyer Steffens, an die die Stadt Teile des Komplexes verkaufen wird. Der Rat der Stadt hat jetzt in nichtöffentlicher Sitzung dafür mehrheitlich votiert, dass dieser Bieter den Zuschlag erhält.

Wie berichtet, hatte die Stadt Anfang 2013 den gesamten Komplex bereits einmal ausgeschrieben. Doch die Komplexität des Gebäudes, das zu großen Teilen unter Denkmalschutz steht, sowie das Kon­strukt der Ausschreibung hatten kurz gesagt dazu geführt, dass zwar Interessenten gefunden wurden, doch zum Zuschlag kam es nicht. Die Stadt entschied sich daraufhin im Oktober 2013, den Komplex noch einmal in drei Einzelteilen auszuschreiben. Stadtbaurätin Heike Gundermann erklärte auf LZ-Anfrage: „An dem Ausschreibungsverfahren haben sich sechs Bieter aus Lüneburg und weit über die Grenzen der Stadt hinaus beteiligt.“ Darunter die Conplan Betriebs- und Projektberatungsgesellschaft sowie die Architekten Meyer Steffens, „die für das Paket aus allen drei Teilen ein Angebot abgegeben haben“.

Die eingegangenen Angebote seien mit Hilfe einer detaillierten Matrix untersucht und bewertet worden. Zu den Bewertungskriterien gehörten laut Gundermann die Höhe des Kaufpreises, der Umgang mit dem Denkmalschutz, das Einfügen der Bauten in die Nachbarschaft, die Berücksichtigung bauordnungsrechtlicher Aspekte wie Barrierefreiheit und Brandschutz sowie ein Stellplatz- und Erschließungskonzept, die Gestaltung des Innenhofes und des Baumbestandes. „Insgesamt waren 1000 Punkte zu vergeben. Der Bieter, der nun den Zuschlag bekommen hat, erreichte 990 Punkte und damit gut 150 Punkte mehr als der Zweitplatzierte“, erläutert die Stadtbaurätin. Zum Verkaufserlös heißt es nur so viel: Er liegt im erwarteten Rahmen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge hatte Ende Oktober 2013 im Bauausschuss erklärt: „Wir rechnen immer noch mit einer Handbreit über zwei Millionen Euro.“ Ein Teil davon soll zur Finanzierung des bereits fertiggestellten Kultur- und Bildungszentrums fließen.

Die Stadtbaurätin erläuterte auch, was der zukünftige Eigentümer in Form eines „Baugruppenmodells“ plant: An der Neuen Sülze 29 sollen Wohnungen unterschiedlicher Größe entstehen, im Erdgeschoss Räume für Ateliers. Für die Katzenstraße 1 stellen sich die Planer einen Mix aus kleiner Galerie, Café, Atelier und Büro vor, im Obergeschoss könnte Platz für Familien und WGs sein. An der Münze 7a könnte ein Café entstehen und darüber Wohnungen und Büros. Der Jugendtreff wird an seinem Standort bleiben. Auf LZ-Anfrage hieß es gestern bei der Lübecker Conplan, dass eine Stellungnahme erst in der kommenden Woche möglich sei.

Gundermann unterstreicht, das sich die Lübecker Planer umfassend Gedanken gemacht und das Gespräch mit der Bauverwaltung gesucht hätten. „Ihnen ist der Wert des Gebäudes als Denkmal bewusst.“ Auch die Pläne für die Nutzung des Innenhofes, bei denen die Nachbarn eingebunden werden sollen, seien lobenswert. Das vorgelegte Konzept trage der sensiblen Lage und der wertvollen Bausubstanz „deutlich Rechnung und entspricht den städtischen Vorstellungen für die Zukunft des Ensem­bles“. Hinzu komme, dass beide Firmen bei der Umgestaltung ähnlicher Projekte in Lübeck bereits Erfahrungen gesammelt hätten, mit positiver Resonanz.

Dazu gehört unter anderem der Aegidienhof, ein bundesweit anerkanntes Vorzeigeobjekt. 1999 hatten sich ältere und junge Menschen, Alleinstehende und Familien zu einer Baugemeinschaft zusammengeschlossen, um ein kostbares, denkmalgeschütztes Stück Lübecker Altstadt zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen. Im Aegidienhof wird nicht nur gewohnt, auch Ateliers, Praxen, Büros, Werkstätten befinden sich dort und es finden dort kulturelle Veranstaltungen und Stadtteilarbeit statt. In St. Dionys berät Conplan derzeit die Mitglieder eines Mehrgenerationen-Wohnprojekts mit Kulturcafé, das im ehemaligen Gasthaus Völker entstehen soll.