Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Wo das Ehrenamt einen Platz hat
Stellvertretend für die große Schar der Ehrenamtlichen, die am Kreideberg aktiv sind, stehen (v.l.) Gretel Fiedel-Westermann, Bürgermeister Eduard Kolle, Renate Laß sowie (hinten) Kathrin Wolter und Ralf Gremmel vorm Parlü. Die Blutpflaume soll zeigen: Hier ist das Ehrenamt zu Hause. Foto: t&w
Stellvertretend für die große Schar der Ehrenamtlichen, die am Kreideberg aktiv sind, stehen (v.l.) Gretel Fiedel-Westermann, Bürgermeister Eduard Kolle, Renate Laß sowie (hinten) Kathrin Wolter und Ralf Gremmel vorm Parlü. Die Blutpflaume soll zeigen: Hier ist das Ehrenamt zu Hause. Foto: t&w

Wo das Ehrenamt einen Platz hat

ahe Lüneburg. Das Parlü, Service- und Begegnungsstätte des Paritätischen Lüneburg für den Stadtteil Kreideberg, wird gut angenommen. So gut, dass es gelegentlich ein wenig eng wird in den Räumen an der Thorner Straße. Zumindest bei gutem Wetter gibt es jetzt eine Alternative, können Angebote auch draußen stattfinden. Die Stadt hat direkt vor der Tür am Thorner Markt eine Sitzecke geschaffen. Zwei Tische und Bänke ermöglichen nun auch Kreativangebote oder einfach mal Klönschnack mit Nachbarn unter freiem Himmel.

Ebenfalls neu ist ein Ehrenamtsbaum direkt daneben, der symbolisieren soll, dass bürgerschaftliches Engagement hier eine Heimat hat. Denn im Parlü untergebracht ist auch die Freiwilligenagentur.

Während die Blutpflaume, gespendet von der Baumschule Timm, noch keine Früchte trägt, ist das Parlü selbst schon lange auf fruchtbaren Boden gestoßen. Eröffnet vor Jahren, um die Nachbarschaft im Stadtteil zu stärken und der Einsamkeit gerade im Alter vorzubeugen, ist die Einrichtung am Kreideberg inzwischen nicht mehr wegzudenken. Die Freiwilligenagentur betreut von hier aus 250 Ehrenamtliche in Stadt und Landkreis, allein 25 sind regelmäßig im Parlü selbst aktiv. Eine von ihnen ist Renate Laß. Sie tischt Frühstück für Senioren auf, zu dem jeden Monat etwa 16 Gäste kommen, und hilft mit bei der geselligen Handarbeitsgruppe „Knüddeln und Vertelln“, ein Kreis von etwa 14 Damen zwischen 70 und 86. Ein anderes Beispiel ist Gretel Fiedel-Westermann. Zweimal im Monat bietet sie Aquarellmalen an, alle acht Wochen einen Literaturkreis, außerdem kümmert sie sich um eine freitags stattfindende Selbsthilfegruppe und informiert zweimal monatlich über das Angebot des Parlü auf dem Wochenmarkt. „Wir sind super glücklich, dass wir diese Räume hier für die vielen Angebote haben“, sagt sie.

Auch Bürgermeister Eduard Kolle ist froh, dass es Menschen wie Renate Laß und Gretel Fiedel-Westermann gibt, die sich auf dem Kreideberg engagieren. „Das Parlü ist auch keine Konkurrenz, sondern eine perfekte Ergänzung zum Angebot des Stadtteil- und Gemeindehauses Kredo schräg gegenüber“, findet er. „Wir ergänzen uns gut.“ Der neue Platz an der Sonne sei ideal, um auch mal an die frische Luft gehen zu können oder einfach mal mit neuen Nachbarn ins Gespräch zu kommen, deren Schwellenangst zu groß ist, ins Parlü zu kommen, auf den Holzbänken am Markt vielleicht eher mal Platz nehmen.

Vor allem um die älteren Bewohner des Viertels wollen sich Mitarbeiter und Ehrenamtliche des Parlü kümmern. Ralf Gremmel, Geschäftsführer des Paritätischen, sagt: „Der Stadtteil hat einen hohen Anteil an über 70-Jährigen. Wir wollen dazu beitragen, dass sie möglichst lange selbstständig zu Hause wohnen können. Deshalb unterbreiten wir viele Hilfsangebote für den Alltag.“ Doch dazu bedarf es auch anderer Initiativen, wie Kathrin Wolter, die die Freiwilligenagentur betreut, feststellt: „Ein großes Problem ist, dass es in den Wohnblöcken auf dem Kreideberg kaum Fahrstühle gibt.“ Vermieter seien gefordert, ihre Gebäude seniorengerechter zu gestalten.

Zumindest weitere kleine Schritte auf dem Weg zur Verbesserung des Viertels kündigt Kolle für nächstes Jahr an: „Da wollen wir auf dem Thorner Markt neue Bänke und Spielgeräte aufstellen, eventuell auch neu pflastern.“