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Mit den Bürgern ins Gespräch kommen über die Nahversorgungspläne der Stadt wollten Andreas Meihsies (l.) und Heiko Dörbaum (2.v.l.). Die Bürger reagierten sauer auf die Pläne der Stadt. Foto: t&w
Mit den Bürgern ins Gespräch kommen über die Nahversorgungspläne der Stadt wollten Andreas Meihsies (l.) und Heiko Dörbaum (2.v.l.). Die Bürger reagierten sauer auf die Pläne der Stadt. Foto: t&w

Alles schon längst eingetütet?

as Lüneburg. Explosiv war die Stimmung bei rund 30 Bürgern, die zum Ortstermin an der Bleckeder Landstraße gekommen waren. Die Fraktionschefs von SPD und Grünen, Heiko Dörbaum und Andreas Meihsies, hatten eingeladen, um über das Gutachten zur Nahversorgung im östlichen Stadtgebiet zu informieren und Wünsche und Anregungen der Bürger mitzunehmen. „Auf Ladenschließungen haben wir keinen Einfluss“, machte Dörbaum eingangs deutlich. Die Bürger konterten nicht minder deutlich: Aldi und Rossmann sollen am Standort bleiben oder alternativ an einen anderen Standort an der Bleckeder Landstraße ziehen.

Mitgebracht zum Ortstermin hatten die Politiker Tobias Neumann, zuständig für Stadtplanung bei der Stadtverwaltung. Der sollte den Bürgern erläutern, warum die Stadt das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, das der Bauausschuss, also die Politik, inzwischen bei einer Enthaltung abgesegnet hat. Neumann erklärte, dass es sich bei dem Gutachten um eine Fortschreibung des Einzelhandelsentwicklungs- und Zentrenkonzeptes handele, in dem Nahversorgungsbereiche festgelegt seien. Für das östliche Stadtgebiet habe man inzwischen einen Entwicklungsbedarf festgestellt. Das Gutachten spricht sich nun für einen großflächigen Einzelhandelsmarkt im Neubaugebiet Hanseviertel aus sowie für eine mögliche Verlagerung von Aldi und Rossmann aufs Lucia-Gelände (LZ berichtete). Neumann stellte auch noch einmal klar, dass das Gutachten Grundlage für mögliche Bebauungspläne ist. Das betonte auch Dörbaum. „Wir möchten Sie mitnehmen, haben Sie Verständnis fürs Gutachten“, appellierte er an die Bürger. Eine Nahversorgung in einem Radius von 500 Metern müsse gesichert sein. „Ich muss heute einen Radius von 500 Metern ablaufen, damit ich alles einkaufen kann“, sagte eine Bürgerin. Früher habe es rund um die Bleckeder Landstraße Läden gegeben, jetzt seien dort nur noch Wohnungen. Um alle Einkäufe an einem Ort zu erledigen, müsse sie ins Loewe-Center fahren.

Das habe inzwischen seine Kapazitätsgrenzen erreicht, sagte Dörbaum, deshalb solle unter anderem auch im Hanseviertel ein großer Lebensmittelmarkt entstehen. Warum entwickele die Stadt dann dort nicht ein geschlossenes Einkaufszentrum?, hakte eine Bürgerin nach. Am Lucia-Gelände seien die Parkmöglichkeiten sowie die verkehrliche Situation miserabel. Dörbaum versuchte zu beschwichtigen: Vorerst seien es nur Überlegungen fürs Lucia-Gelände, es gebe noch keine Bauleitplanung. „Wenn dort geplant wird, wird es eine Bürgerversammlung geben.“ Doch für manchen Bürger ist das „schon alles in trockenen Tüchern“.

Ob denn Aldi und Rossmann überhaupt schon erklärt hätten, dass sie von der Bleckeder Landstraße aufs Lucia-Gelände abwandern wollten, war eine weitere Frage der Bürger. Neumann wiederholte, was Stadtbaurätin Heike Gundermann bereits im Bauausschuss berichtet hatte: „Die Stadt hat die klare Ansage, dass Aldi aufs Lucia-Gelände will“, da es am Standort Bleckeder Landstraße keine Möglichkeit zur Erweiterung gebe. Auch Rossmann sehe seinen Laden am Standort nicht mehr zukunftsfähig, „weil er nicht groß genug ist“, meinte eine Mitarbeiterin beim Ortstermin. Eine Alternative für die neue Ansiedlung von Aldi könnte doch auch der Parkplatz des Behördenzentrums an der Bleckeder Landstraße sein in der Nähe zum geplanten Lebensmittelmarkt im Hanseviertel, lautete ein Vorschlag der Bürger. Oder Aldi könne doch auch zwecks Erweiterung ein Grundstück von der Sparkasse kaufen, die ins Hanseviertel geht, oder vom Roy-Robson-Inhaber. „Warum setzen sich die Politiker nicht dafür ein?“, war der lautstarke Tenor.

Das Gutachten gehe an den Bürgern vorbei, meinte Sonja Holstein, die bis vor Kurzem für die Grünen im Rat saß. In Neu Hagen müssten viele Bewohner zu Fuß einkaufen gehen, deshalb müsse der Standort Bleckeder Landstraße bleiben. Auch im Sinne der kleinen Ladenbesitzer, die die Mieten im Hanseviertel nicht zahlen könnten. Der Hinweis von Neumann, dass Aldi das Lucia-Gelände präferiere, wurde lautstark gekontert: „Aber wir wollen das nicht, kapieren Sie das.“

Andreas Meihsies hielt zum Schluss folgende Einwände und Aufträge fest: „Wir fragen den Roy-Robson-Besitzer Heiko Westermann, ob er bereit ist, Grundstücksflächen abzugeben, damit sich Aldi am Standort Bleckeder Landstraße vergrößern kann. Wir nehmen mit, dass die Verkehrssituation in den angrenzenden Bereichen zum Lucia-Gelände untersucht und verbessert werden muss. Und wir nehmen mit, dass die Discounter an der Bleckeder Landstraße bleiben sollen.“ Dörbaum versicherte: „Wir nehmen Ihre Einwände ernst, auch wenn es noch keine Bauleitplanung gibt.“