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Ende der Aktion: Die Polizei hat im Zusammenhang mit der Brandstiftung am Stintmarkt ein italienisches Restaurant durchsucht. Der Verdacht richtet sich gegen einen Mitarbeiter. Der Mann ist auf freiem Fuß. Foto: ca
Ende der Aktion: Die Polizei hat im Zusammenhang mit der Brandstiftung am Stintmarkt ein italienisches Restaurant durchsucht. Der Verdacht richtet sich gegen einen Mitarbeiter. Der Mann ist auf freiem Fuß. Foto: ca

Durchsuchung am Stint

ca Lüneburg. Acht Monate nach dem verheerenden Brand am Stint scheint die Polizei einen ersten Erfolg zu verbuchen: Sie ermittelt gegen den Mitarbeiter eines italienischen Restaurants am Stintmarkt, legt ihm Beihilfe bei der Brandstiftung zur Last. Am 7. August durchsuchten Beamte das Lokal sowie die Wohnung des Verdächtigen im Landkreis. Der 41-Jährige konnte sich zu Hause frei bewegen.

Wie berichtet, hatten Unbekannte Anfang Dezember im Restaurant Trattoria im alten Lösecke-Haus Feuer gelegt, der Brand wütete so heftig, dass das Haus abgerissen werden musste, um ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude zu verhindern. Die Feuerwehr konnte von der Ilmenau-Seite kaum löschen. Geschätzter Schaden: mehr als 3,5 Millionen Euro. Die Polizei ermittelt wegen des Vorwurfs der schweren Brandstiftung und versuchten Totschlags in elf Fällen. Denn als der Brand ausbrach, waren elf Bewohner im Gebäude, alle konnten sich in Sicherheit bringen.

Nach LZ-Informationen hat die Sonderkommission die Aktion vom 7. August schon vor Wochen strategisch angelegt: Ende Juni waren die Beamten mit einer kryptischen Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen ein halbes Jahr nach der Tat: Da sollte sich jemand daran erinnern, ob er am 2. Dezember gegen 3.40 Uhr einen etwa 1,80 Meter großen, kräftigen Mann mit lockigem Haar gesehen hat. Der dunkel gekleidete Unbekannte, er gilt der Soko als Täter, soll über den Stint in Richtung Kauf­hausbrücke gegangen sein. Dem Vernehmen nach sollen die Beamten um Ermittlungsführer Johannes Krafft da schon weitere Ansätze verfolgt haben. Und die führten sie zu dem nun Verdächtigen.

Der ominöse Lockenkopf soll, bestätigt Polizeisprecher Kai Richter, in der Brandnacht in die namenlose Gasse zwischen Stintmarkt und Auf dem Kauf verschwunden sein, dort durch einen Seiteneingang das italienische Lokal betreten haben. Dafür gebe es entsprechende „Beobachtungen“.

Ansonsten bleibt Richter schmallippig, was die Polizei beispielsweise in dem Restaurant sichergestellt hat, wollte er ebenso nicht verraten wie Indizien, die auf die Verbindung zwischen mutmaßlichem Brandstifter und dem Beschäftigten deuten. Sichtbar waren gestern Morgen Unterlagen und ein Laptop, uniformierte Beamte trugen einen Korb mit Gegenständen in einen Polizeibus.

Die Polizei betont, dass Angehörige der Wirtefamilie des durchsuchten Restaurants nicht als „Beschuldigte“ gelten: „Die Ermittlungen richten sich gegen den Mitarbeiter.“ Die Kriminalpolizei geht allerdings davon aus, dass dieser Hintermänner hat. Das ergibt sich schon daraus, dass die Polizisten weiter nach dem verschwundenen Mann aus der Brandnacht fahnden. Alle Fragen dazu ernten aber nur eine Antwort: „Kein Kommentar.“

Gegen einen Sohn der Wirtefamilie läuft allerdings aktuell ein Verfahren vor dem Landgericht. Da geht es um Körperverletzung und die Bedrohung von Zeugen. Der Mann soll angeblich versucht haben, einen Zeugen einzuschüchtern mit den Worten, dass er ihn das nächste Mal mit einer Waffe besuchen werde.

Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass die Aktion, bei der auffällig zwei Zivil- und ein Einsatzfahrzeug am Stint parkten, auch ein Zeichen setzen sollte, dass die Polizei am Ball bleibt, selbst wenn, wie in den vergangenen Wochen geschehen, Ermittler bedroht werden.

Wie berichtet, soll das abgebrannte Lösecke-Haus wieder aufgebaut werden. Dafür muss allerdings die Gründung verstärkt werden, da das neue Gebäude unter anderem wegen Brandschutzmaßnahmen schwerer wird als sein Vorgänger. Das Architektenbüro Henschke, Schulze, Reimers hat entsprechende Pläne bei der Stadt eingereicht. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Baugenehmigung in den kommenden Wochen erteilt wird. Im September könnten die Arbeiten beginnen. Das ebenfalls betroffene Nachbarhaus, das durch Löschwasser Schaden nahm, wird bereits saniert.