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Suzana Jager-Weigelt und Christian Ludwig sind Kleingärtner mit Leib und Seele. Heute feiern sie mit ihren Vereinskollegen den 75. Geburtstag der Kolonie Ilmenau. Foto: schulze
Suzana Jager-Weigelt und Christian Ludwig sind Kleingärtner mit Leib und Seele. Heute feiern sie mit ihren Vereinskollegen den 75. Geburtstag der Kolonie Ilmenau. Foto: schulze

Niemals wieder Supermarkt-Marmelade

jco Lüneburg. Das große Plus ist die Lage. „Wir sind hier genau am Stadtrand, man ist in kürzester Zeit im Grünen, und auf der anderen Seite liegt gleich die Ilmenau“, sagt Christian Ludwig. Er ist Vorsitzender des Kleingärtnervereins Ilmenau. Die Kolonie feiert am Sonnabend, 9. August, Jubiläum: Auf 75 Jahre Vereinshistorie können die Mitglieder mittlerweile zurückblicken.

Es sind vor allem Lüneburger, die in der Stadt wohnen, die hier ackern. Sie schätzen die Zentrumsnähe. „Leicht hätten wir es hier aber trotzdem nicht immer“, schränkt Ludwig ein. Der Vorsitzende verdeutlicht, wie schwierig es zeitweise um den Verein bestellt war. „Unsere Kolonie war all die Jahre von Gartenverlusten geprägt“, erzählt er. Ob nun durch den Bau der Willy-Brandt-Straße oder der Friedrich-Ebert-Brücke in den 80er-Jahren die einst 350 Gärten große Anlage ist mit der Zeit auf knapp 120 Grundstücke zusammengeschrumpft.

Es ist nicht der einzige Wandel, dem der Verein unterliegt. „Die ältere Generation verlässt langsam unsere Gärten, wir warten nun, dass sich auch die jungen Leute für Kleingärten begeistern können“, erklärt Ludwig. Einen Aufschwung hat er schon bemerkt, auch wenn junge Pächter oft nur ein Jahr durchhalten. Suzana Jager-Weigelt versteht das: „Oft steckt da doch viel mehr Arbeit hinter als gedacht. Die Pflanzen wachsen ja leider nicht beim Bionadetrinken“, sagt sie und lacht. Suzana Jager-Weigelt ist selbst Pächterin, seit 2002 ist sie im Verein Ilmenau und mittlerweile als Kassiererin für die Finanzen verantwortlich. Die gebürtige Slowenierin wollte schon immer einen Kleingarten haben. „In meiner Heimat besaß jeder Land oder Grundstücke, so etwas gehört für mich auch hier in Deutschland dazu.“ Der eigentliche, noch viel entscheidendere Grund für einen eigenen Garten war letztlich noch ein anderer: „Ich mag einfach keine gekaufte Marmelade“, gesteht sie. „Ich pflanze hier Äpfel und sämtliche Beeren an und mache meine eigene Marmelade, seitdem habe ich nie wieder ein Marmeladenglas in einem Supermarkt gekauft.“

Die 40-Jährige schätzt neben der eigenen Ernte auch das gute Nachbarschaftsverhältnis. „Mittlerweile sind hier einige Nationen bei uns vertreten“, erzählt Ludwig. „Neben Deutschen, Russen und Polen haben wir auch Spanier, Mazedonier, Russen und Bulgaren in der Nachbarschaft.“ Das funktioniere einwandfrei, man helfe und unterstütze sich hier. Beim Kinder- und Sommerfest soll die Nachbarschaft weiter gestärkt werden, auch Freunde und andere Interessierte seien herzlich eingeladen. Neben Hüpfburg und Grillen am Tag gibt es am Abend auch eine Disco. Das Motto: Barrierefreiheit. Denn im Verein wurde viel gearbeitet, viel erneuert. „Wir haben die Wege breiter gemacht, Hecken entfernt und ein Vereinshaus ohne Treppen und Stufen“, sagt Suzana Jager-Weigelt.