Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Eis essen mit Max: LZ-Volontär Maximilian Matthies (r.) lädt Lüneburger Passanten wie Sebastian Glor zum Eis essen ein. Der Deal: Sie erzählen im Gegenzug eine Geschichte aus ihrem Leben. Foto: jdr
Eis essen mit Max: LZ-Volontär Maximilian Matthies (r.) lädt Lüneburger Passanten wie Sebastian Glor zum Eis essen ein. Der Deal: Sie erzählen im Gegenzug eine Geschichte aus ihrem Leben. Foto: jdr

„Willst du mich etwa daten?“

mm Lüneburg. Die spontane Einladung zu einem Eis nimmt Sebastian Glor sofort an. Auch wenn er sein Spiel unterbrechen muss. Welches, das zeigt der 24-Jährige auf seinem Smartphone, erzählt auch eine kuriose Taxi-Geschichte und warum er gerne Lüneburger ist.

„Hast du Lust auf ein Eis?“ die Frage verdattert Sebastian Glor zuerst ein wenig. Dennoch wendet er den Blick von seinem Smartphone. „Willst du mich etwa daten?“, fragt er zurück. „Ja und dabei deine Geschichte hören.“ Der 24-Jährige ist dabei, er bestellt ein Eis in der Waffel mit zwei Kugeln Pfefferminz und Pfirsich.

Genüsslich schleckt Glor an der Pfirsich-Kugel. „Du hast mich in der Mittagspause erwischt. Eigentlich bin ich gerade im Spiel.“ Das Spiel heißt Ingress. Es geht um Augmented Reality erweiterte Realität. Auf dem Smartphone wird der momentane Standort angezeigt, das Eiscafé. Daneben blinken viele Punkte. „Die müssen eingenommen werden“, erklärt der Spieler. Die Punkte sind Portale wie beispielsweise der Rathausbrunnen. „Zwei Fraktionen versuchen, die Portale einzunehmen. Ziel ist es, möglichst viele Gebiete zu erobern“, erklärt Glor. In Stadt und Landkreis gebe es um die 40 Mitspieler. Die treffen sich auch so im Privaten. „Auf dem Stadtfest haben wir alle zusammen ein Bierchen getrunken.“ Doch das Spiel existiert nicht nur für Lüneburg, sondern weltweit. Auch auf Mallorca.

Dort hat Glor gerade Urlaub gemacht. Drei Wochen dauerten seine Ferien insgesamt. Jetzt ist er zurück an seinem Arbeitsplatz beim Lüneboten. Glor macht eine Ausbildung zum Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen, ist jetzt in seinem dritten Lehrjahr, arbeitet im Büro und als Zusteller. „Durch die Arbeit fahre ich viel Fahrrad, privat besitze ich auch kein Auto, das vermisse ich in Lüneburg aber auch nicht.“

Und doch sitzt Glor des öfteren hinterm Steuer. Er fährt Taxi. „Das immer am Wochenende, da erlebt man auch manchmal Kuriositäten.“ Eine sei gewesen, als er eine ältere angetrunkene Dame von einer Party sicher nach Hause bugsiert habe. „Sie wollte nicht, dass ihre Tochter von dem duseligen Zustand Wind bekommt.“ Später am Abend hatte Glor noch einen weiblichen Fahrgast: die Tochter.

Der Kontakt zu vielen Leuten sei es auch, der ihn an Lüneburg binde. Und die Altstadt. „Ich fahre gerne mal nach Hamburg, dann nutze ich meine Dauerkarte beim HSV.“ Aber Lüneburg sei so nett und unaufgeregt. „Ich treffe immer Leute, die ich kenne oder schon mal gesehen habe, man kommt immer ins Gespräch.“ Auch bei spontanen Einladungen zum Eisessen.