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Autofahrer und Radler kommen sich häufiger in die Quere. Folge sind dabei oft verbale, manchmal auch handgreifliche Auseinandersetzungen. Polizeihauptkommissar Uwe Schröder fordert mehr Toleranz von den Verkehrsteilnehmern. Foto: A./kwl
Autofahrer und Radler kommen sich häufiger in die Quere. Folge sind dabei oft verbale, manchmal auch handgreifliche Auseinandersetzungen. Polizeihauptkommissar Uwe Schröder fordert mehr Toleranz von den Verkehrsteilnehmern. Foto: A./kwl

Der Egoismus gibt Gas

rast Lüneburg. Sie fahren dicht auf, bremsen andere aus, schneiden, überholen rechts, zeigen obszöne Gesten. Aggressive Autofahrer und Radler geben sich da in Lüneburg nichts. Trauriger Höhepunkt war gestern der Vorfall im Mittelfeld, bei dem ein Rentner schwer verletzt wurde (siehe oben). Aber auch ein Beispiel von Montag zeigt das, als sich laut Polizei ein Audi-Fahrer bei Deutsch Evern nicht von einem Biker überholen lassen wollte es kam zu einer Berührung, der Kradfahrer stürzte und verletzte sich. Auch zwischen Radlern und Fußgängern fallen häufiger laute Worte. So beschwerte sich eine Urlauberin darüber, dass sie in Lüneburg dreimal fast von Radlern „umgenietet“ worden sei (LZ berichtete). Als Grund für die zunehmenden Aggressionen auf den Straßen sieht Polizeihauptkommissar Uwe Schröder ,,egoistisches Verhalten“.

Schröder ist Verkehrssicherheitsberater der Polizei, er geht davon aus, dass ,,die Toleranz bei vielen abhanden gekommen ist“ und Rücksicht für sie ein Fremdwort sei. Statt zunächst den Fehler bei sich selbst zu suchen, werde der andere verantwortlich gemacht: „Und dann eskalierts irgendwann.“ Den Grund für die Aggressionen sieht er tiefer liegend: „Es ist die schnelllebige Gesellschaft“, viele würden zum Beispiel zu Terminen hetzen: „Sie starten auf den letzten Drücker, statt früher loszufahren. Die Ruhe und Sachlichkeit fehlt ihnen.“

Der Polizeihauptkommissar ist in der Inspektion auch für die Schulwegsicherung zuständig, er weiß: „Für gestresste Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, heißt es oft nur ,schnell, schnell, schnell.“ Diese Mentalität färbe auf die Kinder ab. Egoistisches Verhalten, mangelnde Toleranz und fehlende Ruhe sieht Schröder „schon bei den Kleinsten“ auch bei den Radfahrprüfungen, die er in den Schulen abnimmt: „Viele aus den 4. Klassen sind durchgefallen.“ Das sei vor Jahren noch anders gewesen. Sind die Radler dann älter, gefährden sich viele von ihnen selbst: „Siehe die ganzen Verstöße an den roten Ampeln.“ Laut Verkehrsunfallstatistik ist im Bereich der Polizeiinspektion Lüneburg etwa jeder fünfte Schwerverletzte ein Radler, obwohl sie nur ein Siebtel aller Verkehrsteilnehmer stellen.

Der Hauptkommissar hat ein einfaches Rezept, wie Konfrontationen im Verkehr vermieden werden können: ,,Sich zurücknehmen.“ Wer sich ins Auto oder aufs Zweirad setzt, sollte rechtzeitig, also mit Zeitpuffer, losfahren, sich Termine nicht zu eng legen. Das Navigationsgerät sollte vor der Fahrt programmiert werden, und während der Fahrt sorgt Musik für Entspannung. Lautstarke Diskussionen mit Mitfahrern sollten vermieden, das Handy ausgestellt werden. Sollten andere Verkehrsteilnehmer aggressiv agieren oder reagieren, hupen und gestikulieren, hat Schröder folgenden Tipp: ,,Ruhig bleiben, niemand meint Sie persönlich, also nehmen Sie es nicht persönlich.“ Schon ein Lächeln könne als Entschuldigung für das eigene Fehlverhalten verstanden, eine Eskalation so vermieden werden.

10 Kommentare

  1. „Laut Verkehrsunfallstatistik ist im Bereich der Polizeiinspektion Lüneburg etwa jeder fünfte Schwerverletzte ein Radler, obwohl sie nur ein Siebtel aller Verkehrsteilnehmer stellen.“

    Herr Schröders Schlussfolgerung, dass Radler überdurchschnittlich aggressiv sind ist einfach falsch. Vielmehr bedeutet die Statistik doch, dass Radfahrer besonders gefährdet sind. Über die Gründe für die vielen schwerverletzten Radfahrer wird da gar nichts ausgesagt. Ein rein zusammenkonstruierter Zusammenhang wird da hergestellt. Man sollte sich lieber mal die Verkehrssituation für Radfahrer insgesamt anschauen, da liegt der Hund begraben.

  2. Eine sehr passende Überschrift und eine treffende Beschreibung der Probleme und Hintergründe durch den Polizeihauptkommissar. Das Verhalten im Straßenverkehr ist aber auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, die sehr stark zu einer Ellenbogengesellschaft geworden ist. Da gäbe es zahllose Beispiele aus dem Alltagsleben. Vom Mobbing am Arbeitsplatz über handfeste Auseinandersetzungen um einen gerade frei gewordenen Tisch in einem voll besetzten Lokal bis hin zu Tätlichkeiten um einen freien Parkplatz. Wenn es nicht so traurig wäre, ist so manches dabei fast lustig, kurios oder fast unterhaltend. Ist es aber leider nicht. Dabei wäre das Leben viel leichter wenn man einfach mal über etwas schmunzeln oder lachen kann.

    Und was den Egoismus im Straßenverkehr betrifft, so gibt es dort sehr gute Beispiele in anderen Ländern, dass alles weitaus entspannter laufen kann. Ich denke hier zum Beispiel an die skandinavischen Länder. Und bevor hier jemand mit persönlichen singulären Beispielen widersprechen will: Ausnahmen bestätigen die Regel.

  3. Hildegard Schmileswski

    Frau Heidi, mit Ihrem Beispiel der schönen skandinavischen Länder liegen Sie meines Erachtens sehr richtig. Ich möchte das ausdrücklich mit persönlichen Reiseerfahrungen bestätigen. Auch wenn es vielleicht tatsächlich singuläre Ausnahmen gibt, wie Sie sagen. So weiß ich zum Beispiel, dass der schwedische Automobilverband (“motormännen”) die Statistik durchforstet hat – und zu dem erschreckenden Ergebnis kommt, dass 2013 in Schweden, Finnland, Norwegen und Island Wildtiere in 65 Prozent aller gemeldeten Autounfälle verwickelt waren. Letztes Jahr! Und zu 94 Prozent haben die auf Landstraßen stattgefunden. Daran sehen Sie, wie ruhig es in den bezaubernden Städten des Nordlichts zugeht. Bloß sechs Unfälle in zwölf Monaten! Am häufigsten trifft es Rehe, Elche und Wildschweine. Glück haben hingegen die in Schweden verbreiteten Vielfraße (“järv”). Von ihnen wurde im vergangenen Jahr nur ein einziger überfahren. Außerdem hat man herausgefunden, dass bis vor 120 Jahren in Skandinavien nicht ein einziges Auto in einen Unfall verwickelt war. Das muss man sich mal deutlich vor Augen halten: nicht eins! Kaum zu glauben, und wohl doch wahr. Die vom Verband sagen aber, das Gleiche war zu dieser Zeit auch in Sizilien, dem größten Teil Portugals, ganz Asien und einigen afrikanischen Länder so. Daran, dass das heute auch in allen diesen Ländern leider nicht mehr zu hundert Prozent so ist, kann man sehen, wie sich auch dort das Verhalten im Straßenverkehr immer mehr zu einem Spiegelbild unserer Gesellschaft entwickelt. Sogar die Bäckerstraße ist zu einer Ellenbogengesellschaft geworden, wo Sonnabends gestoßen und gedrängelt wird.

    • Nun, Hildegard, wenn man bedenkt, dass es 1894 weltweit allerhöchstens 5.000 Automobile in Privatbesitz gab, in Frankreich etwa das 20-PS-Dampfmobil des Grafen Emile de Dion und den Viersitzer von Peugeot mit seinem 565 cmÂł-V2-Motor, in Deutschland den 3,5 PS- Daimler und in „Skandinavien“ den dänischen Hammel-Wagen mit einem Zweizylindermotor mit 2720 cm³ Hubraum und etwa 3,5 PS (2,6 kW) Leistung, Verdampfungskühlung und einem Oberflächenvergaser – und dass eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h und eine Reichweite von 80 km im Mittel die absolute Leistungsobergrenze darstellten, dann verliert die sensationelle Nachricht der “motormännen” doch deulich an Überraschungsmoment, dass nämlich „bis vor 120 Jahren in Skandinavien nicht ein einziges Auto in einen Unfall verwickelt war“ und „das Gleiche zu dieser Zeit auch in Sizilien, dem größten Teil Portugals, ganz Asien und einigen afrikanischen Ländern so“ war.

      Nebenbei bemerkt ist auch die andere Information der blanke Unsinn. Solange wir die absolute Zahl der Unfälle nicht kennen, ist das Übrige wertloser Zahlenmüll. Waren „Wildtiere in 65 Prozent aller gemeldeten Autounfälle verwickelt“, macht es einen gewaltigen Unterschied, ob insgesamt 100 oder 100.000 Unfälle „gemeldet“ wurden. Bei 100.000 hätten wir 65.000 Wildunfälle, davon 94%, also 61.100 „auf Landstraßen“, d. h. dann ja wohl 3.900 und nicht „sechs“ (!) „in den bezaubernden Städten des Nordlichts“. Hinzu kämen 35.000 Unfälle (35 %) ohne involvierte „Wildtiere“, von denen wir aber überhaupt keine Informationen erhalten haben, wo sie stattfanden (oder ob Fahrradfahrer beteiligt waren). Dass es in den „skandinavischen Ländern“ in Sachen Verkehr „entspannter“ zugeht als in Lüneburg (oder nicht), müssen wir solange für eine rührende, jedoch frei und von jeder Sachkenntnis vollkommen losgelöst erträumte Privatvorstellung ansehen, bis verlässliche Vergleichsdaten vorliegen.

  4. Wird ein Artikel abgedruckt, in dem u. a. auch nur entfernt Radfahrer erwähnt werden, wird meine Erwartung eigentlich immer erfüllt. Als erstes gibt es fast immer einen Aufschrei: „Wir armen Radfahrer, die anderen…!“
    Ich selber bin Fußgänger, Rad-, Motorrad- und Autofahrer. Je nachdem, wie ich gerade unterwegs bin, schüttele ich so manches Mal mit dem Kopf über das (Fehl-) Verhalten anderer. Ich denke, wenn jeder mit etwas mehr Gelassenheit reagieren und ganz besonders sich auch bestehende Regeln halten würde, wäre vieles viel einfacher.
    Also, egal wer, wenn eine Ampel rot zeigt, dann bedeutet das eben STOPP und nicht ich bin der Schwächere oder der Aggressivere und damit gilt das nicht für mich. 😉
    In diesem Sinne, nehmt einfach etwas mehr Rücksicht. Die skandinavische Gelassenheit kann ich für Südostasiatischem Raum bestätigen. Nur da wird etwas mehr gehupt.

  5. Hallo Jürgen, das war kein Aufschrei „Wir armen Radfahrer, die anderen…!“

    Was bedeutet es denn, dass jeder fünfte Schwerverletzte Verkehrsteilnehmer in Lüneburg Radfahrer ist? Aus dem Artikel ist doch gar nicht zu entnehmen woran das liegt. Einzelfallbeispiele und Reiseberichte aus anderen Ländern wie von dir und anderen genannt, helfen da leider herzlich wenig.

    Mich würde mal interessieren, in wie vielen Fällen Radfahrer und in wie vielen Fällen Autofahrer Schuld hatten (also wenn es einen Unfall mit einem schwerverletzten Radfahrer gibt)? Wäre doch super und könnte erheblich zur Aufklärung beitragen wenn Hauptkommissar Schröder dazu Zahlen hat?

  6. wollte man medaillen für die überflüssigste zurschaustellung von seichtestem biedersinn in diesem sommer verteilen, stimmt die reihenfolge der beiträge sogar: gold hat sich wieder die seriengewinnerin Heidi verdient, silber die überraschungsathletin Hildegard und Jürgen, der spezialist für wohlwollenden nullachtfuffzehn-nachtrab, ist mit seinem sprung aus dem urlaub direkt auf dem bronzepodium gelandet.

    die mitglieder der internationalen schiedsgerichtsbarkeit für unterirdische quarkstollenrennen gratulieren herzlich

  7. renate blomeier ohlsson

    Darf man davon ausgehen, dass es sich bei LOL um 1. Mann handelt und dass 2. selbiger zu den Autofahrern gehört, die es als ihr persönliches Recht betrachten, das dicke Auto voll „auszufahren“ und 3. sich gern abfällig über andere (insbesondre Frauen) äussern?
    Ach ja, und ich leben in Skandinavien und kann nur bestätigen, dass man hier noch auf andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht nimmt.
    Die Liebe zum goldenen Kalb in Deutschland (= Auto ) veranlasst mich oft zum „Fremdschämen“ für meine Landsleute. Täglich schwere Unfälle (10 Personen sterben täglich auf deutschen Strassen) und niemand wagt von Geschwindigkeitsbegrenzung zu sprechen…….

  8. Liebe renate blomeier ohlsson

    Ich stimme Ihnen aus vollem ganzen Herzen aufrichtig zu. Diese frauenfreindliche Frechheit kann nur von einem schmierigen Motorenfanatiker stammen, der noch nie was von Psychelogie und Penisneid gehört hat. Und dann LOL? Lach out laut? Deutsch und Englisch vermengt? Ist das modern oder was? Wenn schon wüde ich sowieso Werner so eine Bronzmedaille geben. Der ist ja so was vonnem Furztrockenen Petanten. Da fällt mir ja gar nichts mehr ein. Sind wir hier vieleicht in der Hasenschule im Rechenunterricht? Jürgen muss dann leider zurückstehen. Man könnte ja behaupten, das skandinavische Trainerteam hat protestiert, weil Jürgen sich beim Zieleinlauf die Lederjacke von der graumelierten Motorradfahrerbrust gerissen hat.

    Aber jetzt mal zu Ihnen, Renate. Sie leben in Skandinavien? Weiß man was besser, weil man wo lebt? In Russland wohnen zum Beispiel sehr viele Russen, die noch nie was von Annegsieon und Diktatur und abgeschossene Jumbodjets gehört haben. Wo denn? Bei uns? Kann garnicht sein, sagen die fast alle. Ist Faschistenpropaganda! Und in der Türkei? Da sitzen unterm Maibaum auf den Dorfplätzen viele ausgemusterte Stammesführer und Alkanzler beim Klönschnack und sagen: Erdogan? Astrein der Mann, lupenreiner Demokrat. Traumpräsident! Und nochwas. Obacht beim Schreiben! Ich leben in Skandinavien? Hallo? Kurz nachdenken! Fehler bemerkt? Das geht ja wohl garnicht! Da müssen Sie sich auch als Weggezogene wohl schon mehr Mühe mit der heimischen Ortegrafie geben.

    Wenn es um unsere schöne deutsche Sprache geht, bin ich, das muß ich zugegebenermaßen mal ehrlich gestehen, ein bißchen püngelig. Allzusehr wird sie heute in Mitleidenschaft gezogen: Da werden Ansichten „aufoktroyiert“ oder Dinge „auseinanderdividiert“, Ereignisse waren „vorprogrammiert“ und dergleichen doppelt gemoppelte Pleonasmen mehr. Zu allem Überfluß wird auch noch „Sinn gemacht“ – ein Anglizismus, wie nicht viele wissen. Als Sprachflegerin kann ich da gar nicht so viel Metaphernsalat fressen, wie ich kalt kotzen möchte. Nicht auszudenken, wie erst ein Dichter und Denker von der Güteklasse eines „Tucho“ im Grab rotieren würde, könnte er unser „Neudeutsch“ hören. Schöne neue Welt, sage ich da nur!

    Was mir aber in letzter Zeit besonders auf den Zeiger drückt, ist das Aussterben unseres Genietivusses (heute würde man wohl eher sagen: „das Abnibbeln von unserem Genietiv“). Was waren das für Zeiten früher, als man dank der Bremsen seines Pkws rechtzeitig an der Schranke der Eisenbahn in den Genuß des Stillstands kam. Heute hingegen rauscht man wegen dem Elektronikfehler noch ein Stück weiter und bleibt auf dem Gleis stehen, wo man dann von dem Regionalexpreß überfahren wird. Selbst an der Schule kennt man heute kaum noch die elementarsten Regeln von unsere Sprache. Gesprochen wird, wie einem der Schnabel gewachsen ist, und der ist, da können Sie Gift drauf nehmen, in aller Regel krumm und schief! – alles übrigens eine Folge der Alt-68er, wenn Sie mich fragen. Grotesk mißbildete Sätze wie „Isch geh Drogendealer, kommst du Crack?“ unserer „Mitbürger mit geographisch fremden Wurzeln“, wie es so schön heißt, werden von denen Langhaarigen auch noch als Kreativität und absoluter Höhepunkt westlicher Zivillisation gefeiert. Ja geht’s denn noch?! Wo soll diese Sprachverhunzung noch enden? Wenn der Sprachferfall des Deutschen (nicht „von dem Deutschen“!) in diesem rasanten Tempo weiter zühgig fortschreitet, werden wir uns, das profezeihe ich schon heute, in Bälde nur noch mit Händen und Füßen unterhalten!

    Ilsegard Radebäcker (58) aus Ochtmissen