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Gute Stimmung herrschte unter den Teilnehmern der Mood-Tour, die kürzlich in Lüneburg Station machten und über Depressionen informierten. Foto: t&w
Gute Stimmung herrschte unter den Teilnehmern der Mood-Tour, die kürzlich in Lüneburg Station machten und über Depressionen informierten. Foto: t&w

Wenn es trüb und dunkel wird – Mit Video

us Lüneburg. „Das hatte mich schwer aus der Bahn geworfen“, sagt Katharina, die mit ihrem Fahrrad auf dem Lüneburger Marktplatz steht. Vor drei Jahren hatte die junge Frau, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, festgestellt, dass sie unter Depressionen leidet. „Es war während des Urlaubs, alles war schön und bunt, wir waren im Freien, doch plötzlich habe ich meine Umwelt nur noch wie im Nebel wahrgenommen.“ Zuerst hatte sie ein Burnout vermutet, aber schnell wurde ihr klar: Es sind Depressionen. „Das war eine harte Erkenntnis für mich.“

Katharina ist Teilnehmerin der diesjährigen „Mood-Tour“, bei der Menschen mit und ohne Depressionen auf Fahrrädern und Tandems quer durch Deutschland radeln. „Wir wollen damit ein Zeichen gegen die Stigmatisierung der Betroffenen setzen und deutlich machen, dass Depressionen eine ernstzunehmende Krankheit und behandelbar sind“, sagt Beate Blumrich. Die Freiburgerin, selbst nicht betroffen, betreut eine der zwei Teams, die bis zum 20. September insgesamt 7000 Kilometer zurücklegen und dabei Station in mehreren Städten machen wollen. Am 14. Juni war sie mit ihrem Team in Leipzig gestartet, die dritte Etappe führte sie jetzt nach Lüneburg.

„Depressionen breiten sich nach unserer Wahrnehmung stark aus“, sagt Hans-Peter ­Reers, Geschäftsführer der Barmer GEK in Lüneburg. Auf rund vier Millionen wird die Zahl der Betroffenen in Deutschland geschätzt. „Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass im Jahr 2020 die Depression die weltweit zweithäufigste Volkskrankheit sein wird“, ergänzt Reers.

„Mood“, die englische Bezeichnung für Stimmung, ist das Motto der Tour, die neben guter Stimmung auch Mut machen will, sich zu seiner Krankheit zu bekennen, wie Beate Blumrich erklärt. Doch zwischen Stimmungen und Depressionen zu unterscheiden, falle oft nicht leicht. Gesundheitsexperte Hans-Peter Reers: „Viele wissen nicht, wo die Grenze ist.“ Wichtig sei, das Thema aktiv anzugehen und sich ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu holen. Sportliche Aktivitäten wiederum regten die Produktion von körpereigenen stimmungsaufhellenden Hormonen, sogenannten Endorphinen, an. „Es gibt einen Weg da raus“, machte Reers den Teilnehmern Mut.

Ausreichend Bewegung verschaffte sich gestern auch das Team von Beate Blumrich. Nachdem Bürgermeister Eduard Kolle die Gruppe vor dem Rathaus begrüßt hatte, radelten die Teilnehmer auf dem Ilmenau-Treidelweg nach Bardowick zur Vögelser Landwehr und über Gut Wienebüttel zurück nach Lüneburg, dort ging es dann auf den Wasserturm. Begleitet wurden sie bei ihrer Fahrt von Günter Kletti vom Lüneburger Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), der die Tour ausgearbeitet hatte.