Mittwoch , 28. September 2016
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Dr. Klaus Bergmann, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft, sieht die Institution als Brücke zwischen Stadt und Uni. Foto: be
Dr. Klaus Bergmann, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft, sieht die Institution als Brücke zwischen Stadt und Uni. Foto: be

„Es gibt ein Kommunikationsproblem“

mm Lüneburg. Die Leuphana Universität feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Dass die Uni aus der Taufe gehoben werden konnte, dafür setzte sich auch die Universitätsgesellschaft ein, sie wurde zu diesem Zwecke gegründet. Nun, 25 Jahre später, hat die Universität schon eine Neuausrichtung erfahren. Das kann sich Dr. Klaus Bergmann auch für die Gesellschaft vorstellen. Der Vorsitzende möchte die öffentliche Wahrnehmung stärken, die Gesellschaft könne eine Brücke zwischen Stadt und Uni bilden. Seine Leitlinie soll jetzt bei einem Vorstands-Gespräch diskutiert werden. Sie ist nicht unumstritten. Im LZ-Interview erklärt Dr. Klaus Bergmann, wie er sich ein künftiges Engagement der Gesellschaft vorstellt.

Welchen Zweck erfüllt die Universitätsgesellschaft?

Dr. Bergmann: Die Universitätsgesellschaft wurde gegründet, weil sich engagierte Bürger für eine Universität am Standort Lüneburg eingesetzt haben. Sie hatten Erfolg vor 25 Jahren wurde die Hochschule in den Rang einer Universität gehoben. Heute versteht sich die Gesellschaft als Mittlerin zwischen der Universität, Lüneburger Bürgern, Initiativen, der Verwaltung und der Wirtschaft hier in der Region. Wir sind auch eine Art Förderverein, über Mitgliedsbeiträge unterstützen wir zum Beispiel hilfsbedürftige Studenten oder wissenschaftliche Mitarbeiter.

Jedoch sind die Mitgliederzahlen rückläufig, die öffentliche Wahrnehmung ist gering. Was muss sich verändern?

Dr. Bergmann: Wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns neu orientieren müssen. Ziel ist es, eine inhaltliche Brücke zwischen Universität und Region zu spannen. Das Leitbild der Uni, die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts mitzuprägen, bezieht sich nicht zuletzt auch auf die Region. Dafür müssen die Akteure an der Uni gehört werden und Bürger, Initiativen, Verwaltung und Wirtschaft gleichzeitig die Chance zu einem Dialog auf Augenhöhe bekommen.

Warum ist das bisher noch nicht richtig gelungen?

Dr. Bergmann: Dafür sehe ich zwei Gründe. Auf der einen Seite gibt es ein Kommunikationsproblem. Eigentlich sind genügend Angebote auch zu mehr Bürgerpartizipation an der Uni vorhanden, nur die Bürger erfahren zu wenig davon beziehungsweise nehmen diese kaum wahr. Zum anderen ist die Kluft zwischen Bürgern und Universität noch sehr groß, die muss überwunden werden.

Die Kluft kann auch der Bau des neuen Zentralgebäudes nicht schließen eher das Gegenteil ist der Fall…

Dr. Bergmann: … in der Tat treten im Zusammenhang mit dem Bau viele Missverständnisse zu Tage. Das führt zu einem negativen Image, wie es oft bei öffentlichen Bauvorhaben der Fall ist. Ich denke in 10 bis 15 Jahren werden sich die Lüneburger aber über ein tolles Momentum freuen. Die Uni hat den Ansporn aus dem klassischen wissenschaftlichen Kontext herauszubrechen, das Zentralgebäude ist ein Ausdruck dafür. Im Übrigen war der Gebäudeneubau ein Auftrag der Politik. Die Leuphana sollte zur Modell-Uni im Bologna-Prozess werden.

Rechtfertigt das die hohen Kosten?

Dr. Bergmann: Oft wird argumentiert, weniger Kosten kämen Forschung und Lehre zu Gute. Das ist in gewisser Hinsicht ein Trugschluss. Tatsächlich würden Einsparungen im Gebäudeetat an anderer Stelle in Beton verbaut werden dann aber eben nicht an der Leuphana. Lüneburg beansprucht aus dem niedersächsischen Etat für Hochschulen in zehn Jahren nominell ein Prozent, stellt aber ungefähr fünf Prozent der Studenten in Niedersachsen. Die Leuphana spielt hier in der gleichen Liga wie die Uni Oldenburg, dort stehen allerdings deutlich mehr Mittel für Mitarbeiter und Gebäude zur Verfügung.

Viel Geld hält auch der Innovationsinkubator an der Uni bereit. Oft wird kritisiert, das Geld würde nicht zweckmäßig eingesetzt. Teilen Sie diese Auffassung?

Dr. Bergmann: Häufig wird kritisiert, der Innovationsinkubator sei undurchschaubar, die Verwendung der Gelder nicht transparent genug. Tatsächlich passiert bei der Verknüpfung von Universität und regionaler Wirtschaft aber sehr viel. Ich sehe den Inkubator nicht negativ. An einigen Stellen ist Kritik angebracht, im Hinblick auf das Gesamtpaket ist sie aber nicht angemessen.

Und wie kann die Lücke zwischen Bürgern und Uni nun geschlossen werden?

Dr. Bergmann: Es gibt ein signifikantes Interesse auf beiden Seiten für das Thema Nachhaltigkeit. Die entsprechende Fakultät hat einen hervorragenden Ruf auch international. Das übergeordnete Thema Nachhaltigkeit begegnet in Lüneburg allen Studierenden und Wissenschaftlern, auch in den Fakultäten Bildung, Kulturwissenschaften und Wirtschaft. Für die Stadtverwaltung ist sie ein wichtiges Zukunftsthema. In Lüneburg gibt es eine organisierte Zivilgesellschaft mit etwa 250 Gruppen, unter denen viele das Thema Nachhaltigkeit aufgreifen, unter anderem in den Bereichen Energie, Ernährung, Mobilität, Bildung, Wohnen oder auch Kultur- und Kunstvermittlung. Nun geht es darum zusammenzubringen, was zusammengehört. In Kooperation zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft kann hier eine besondere, eine bürgergerechte Zukunftsregion entstehen. In Deutschland gibt es nur wenige Orte mit so guten Voraussetzungen.

Welchen Beitrag will Ihre Gesellschaft konkret leisten?

Dr. Bergmann: Wir wollen den Dialog fördern. Es geht darum, was im Zusammenspiel von Universität und Stadt geschaffen werden kann. Dafür organisiert die Uni-Gesellschaft mit Beginn des Wintersemesters eine Veranstaltungsreihe. Heimische Wissenschaftler werden Vorträge halten. Der Unterschied zu anderen Formaten wird ein roter Faden sein, der sich durch die Reihe zieht. Wir sehen eine dichte Taktung der Vorträge vor. Kontinuiät im Dialog ist wichtiger als ab und zu eine größere Veranstaltung. Die Vorträge richten sich an engagierte Bürger, Studierende, junge Familien, Initiativen und Institutionen. Jeder ist ein gern gesehener Gast. Wir suchen für jeden Vortrag eine entsprechende Partnerinitiative oder Institution.

Uni-Gesellschaft in Zahlen
Die Universitätsgesellschaft hat aktuell 131 persönliche und 28 korporative Mitglieder. Für Projektförderungen wurden im vergangenen Jahr rund 8600 Euro (Vorjahr 24 000 Euro) aufgewendet. Es gab 25 Anträge auf Förderung, von denen wurden elf bewilligt. Betragsmäßig bewegten sich die Förderungen zwischen 179 und 1200 Euro. Gefördert werden zukünftig hauptsächlich Projekte, die vor Ort wahrnehmbar sind. Das können Forschungsprojekte, akademische Veranstaltungen, Publikationen (Druckkostenzuschüsse zu Dissertationen, Diplomarbeiten etc.), Aufenthalte von Gastwissenschaftlern und ausländischen Studenten sein. Besonders geschätzt werden Arbeiten und Aktionen mit Handlungsbezug in der Region. Den Vorsitz der Uni-Gesellschaft hat seit März 2013 Dr. Klaus Bergmann inne.

13 Kommentare

  1. Kommunikationsproblem

    … neu orientieren… eine inhaltliche Brücke spannen… die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts mitprägen … Dialog auf Augenhöhe … die Kluft muss überwunden werden … Uni hat den Ansporn aus dem klassischen wissenschaftlichen Kontext herauszubrechen, das Zentralgebäude ist ein Ausdruck dafür … in 10 bis 15 Jahren werden sich die Lüneburger aber über ein tolles Momentum freuen … Image … Nachhaltigkeit … ein wichtiges Zukunftsthema … eine organisierte Zivilgesellschaft mit etwa 250 Gruppen … den Dialog fördern … Unterschied zu anderen Formaten wird ein roter Faden sein … eine dichte Taklung … Kontinuiät im Dialog …

    Kann man eigentlich auch in abgestandener Atemluft ersticken?

    In meiner kleinen Speisekammer riecht es zunehmend muffig, regelrecht faulig. Zwar bin ich der Ursache noch nicht vollends auf den Grund gegangen, aber es scheint vor allem dann der Fall zu sein, wenn ich mich in der Kammer befinde.

  2. es gibt nichts über die akademiker. kommunikation ist eingleisig. besonders für sie. wer sie nicht versteht, ist automatisch dumm. dabei steht schon in der bibel: wer sich selbst erhöht , wird erniedrigt werden.Dr. Bergmann: Wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns neu orientieren müssen. richtig, wohin? um in der zukunft noch schneller und besser abheben zu können? nachhaltigkeit? sowas kann der mensch? seit wann? Die Vorträge richten sich an engagierte Bürger, Studierende, junge Familien, Initiativen und Institutionen, aber bitte doch nur an die,die die eigene klientel darstellt. ansonsten müsste man sich um probleme kümmern, die einen sonst nie tangieren würden.

  3. Die Vereinshäuptlinge der Leuphana Universitätsgesellschaft Lüneburg e.V. stehen – quasi als selbstberufenes „Honoratiorenkollegium“ von Firmen- und Geschäftsinhabern, Sparkassenvorstand, Personalberater und Pressesprecher neben lokalen Kulturgrößen aus Redaktionsstube und Verlagskontor – einer rasant zusammenschmelzenden Kompanie von progressiv enttäuschten oder entsetzten Schulmeistern, Rechtsanwälten und anderen Kanzleiexistenzen vor, die die Vorgänge in und wegen der Hochschule zunehmend abstoßen, der aber neben dem Pfarrer, dem Richter und dem Postmeister immer noch die beiden größten Bauern am Ort sowie einige Ärzte, Zahnärzte und der Tierarzt angehören.

    Im letzen Jahr haben sich die 159 Köpfe dieser uneigennützig engagierten Denker und Lenker, die als Besserverdienende ganz privat für die „universitas magistrorum et scholarium“ leben, also – angeblich – ganz und gar ohne von ihr leben zu müssen, mehrfach (131 persönlich und 28 korporativ) über 25 Förderanträge gebeugt, von denen nach langem sorgsamen De­li­be­rie­ren und Beratschlagen elf bewilligt und infolgedessen elf „Projekte“ unterstützt werden konnten – mit „betragsmäßig“ sage und schreibe insgesamt 8.600 Euro !

    Das Bewusstsein seiner Wichtigkeit vermutlich von gemeinnützigen „Kraftanstrengungen“ solcher Art herleitend möchte Ingegnere Dr. Klaus Bergmann, der Vorsitzende dieses Vereins generöser hansestädtischer Galionsfiguren die „Institution“ Universitätsgesellschaft nun als „Brücke zwischen Stadt und Uni“ renovieren – aber durchaus nicht als Brücke zwischen städtischen Behördenvertretern, universitären Auftraggebern, Kunden bzw. Kontakten und quicken Unternehmensvertretern mit geübtem Blick für Bedarf und Möglichkeiten!

    Wenn Herr Dr. Bergmann seine „Gesellschaft als Mittlerin zwischen der Universität, Lüneburger Bürgern, Initiativen, der Verwaltung und der Wirtschaft hier in der Region“ bezeichnet, dann phantasiert er sie jedoch weit über ihre tatsächliche öffentliche und organisatorische Bedeutung hinaus in eine großartige Wunsch- und Traumspielwelt für Akquisiteure und Customer-Relationship-Manager aller Art und Absichten.

    Auf dem Weg dorthin sind allerdings noch drei Rätsel zu lösen:

    1. Wie lässt sich die folgende Äußerung ins Deutsche übersetzen: „Die Uni hat den Ansporn aus dem klassischen wissenschaftlichen Kontext herauszubrechen, das Zentralgebäude ist ein Ausdruck dafür“? Ist das endlich das unrasiert offene Bekenntnis zu Klamauk, Marketinggimmicks und Spektakel statt seriöser Lehre und Forschung?

    2. Wenn veranschlagte Kosten von 57 auf 76 bzw. 92 oder vielleicht sogar 125 Millionen Euro steigen, und man antwortet: „Einsparungen im Gebäudeetat würden sonst an anderer Stelle in Beton verbaut werden  dann aber eben nicht an der Leuphana“, ist der Irrsinn dieser Entgegnung von anderer Qualität, als wenn der Heizölkunde den esyoil-Lieferanten zu bereden sucht: „Ich bezahle zwar nur 57 Euro, aber ich will die Menge für 125. Denn Einsparungen in meinem Brennmitteletat würden sonst an anderer Stelle in Wärme verwandelt werden dann aber nicht in meiner Wohnung“?

    3. Wenn Dr. Bergmann sagt: „Häufig wird kritisiert, der Innovationsinkubator sei undurchschaubar, die Verwendung der Gelder nicht transparent genug.“ Und dann kommt: „An einigen Stellen ist Kritik angebracht, im Hinblick auf das Gesamtpaket ist sie aber nicht angemessen.“ Heißt das nicht: „Es trifft teilweise zu, der Innovationsinkubator ist undurchschaubar und die Verwendung der Gelder ist nicht transparent und Kritik ist angebracht, aber im Hinblick auf das Gesamtpaket ist die Kritik nicht angemessen“? Doch was kann heißen, das Vorwürfe zutreffen, aber nicht angemessen sind?

  4. Système de la Nature

    … ou Des Loix du Monde Physique et du Monde Moral

    Manchmal, an so Tagen im Leuphana-Speak, da habe ich das dumpfe Gefühl, irgendwo in meiner Nähe, vielleicht in meiner unmittelbaren Nähe, womöglich sogar in mir selbst werde eine besondere Art von Maschinerie in Gang gesetzt, gar nicht einmal raffiniert, sondern plump und schwerfällig, von unklarer Funktionsweise und unbestimmtem Zweck, mit Rädern, deren Unwucht das Gebilde erzittern lässt, und Kolben, die klagend durch Batzen längst eingedickten Schmierfetts walken, und rostigen Ventilen, die modrige Seufzer aushauchen. Eine Dumpfmaschine, die mich langsam aufzehrt.

    Wo ist der Kritische-Theorie-TÜV, wenn man ihn braucht?

    Zum Klampen in der Buchhandlung UNIBUCH ?

    Aufklärung, die sich rechnet?

    • Als ich mich letztes Frühjahr mit meiner Freundin zu Besuch in der schönen Stadt Lüneburg befand, schlenderten wir vom berühmten Rathaus aus die weniger berühmte Egersdorffstraße entlang, gingen an St. Michaelis vorbei und wanderten auf der L216 Richtung Reppenstedt. Dabei passierten wir auf der Höhe des Jäger-Teichs bei Volgershall ein eher unscheinbares Gebäude, von dem nicht zu reden wäre, hätte nicht über dem Eingang der Schriftzug »Institut für Maschinenwesen und Automatisierungstechnik« geprangt. Im ersten Moment fanden meine Freundin und ich das noch recht lustig. Als aber zwei junge Männer das Gebäude verließen, starren Blicks, das kurze Blondhaar streng gescheitelt, wurde uns doch ein wenig mulmig.

  5. „Auf der einen Seite gibt es ein Kommunikationsproblem. Eigentlich sind genügend Angebote auch zu mehr Bürgerpartizipation an der Uni vorhanden, nur die Bürger erfahren zu wenig davon beziehungsweise nehmen diese kaum wahr.“ Das mag so sein, doch scheint es eine einseitige Betrachtung zu sein. Denn es bleibt die Frage wie groß das Interesse der (nicht honorigen Bürger) daran ist. Also vielleicht eine einseitige Sichtweise. Es ist immer ein schmaler Grad von sich auf andere zu schließen.

    „Dr. Bergmann: … in der Tat treten im Zusammenhang mit dem Bau viele Missverständnisse zu Tage. Das führt zu einem negativen Image, wie es oft bei öffentlichen Bauvorhaben der Fall ist. Ich denke in 10 bis 15 Jahren werden sich die Lüneburger aber über ein tolles Momentum freuen.“ Auch hier habe ich meine Zweifel. Außerdem würde ich den Begriff Momentum durch (ungeliebtes) Monument ersetzen. Was diesen Punkt betrifft gehen die Vorstellungen der Steuerzahler, die immerhin nicht unwesentlich an diesem Prestigebau beteiligt sind, und die der Unileitung sowie die des Herrn Dr. Klaus Bergmann sehr auseinander. Jeder hat seine Sichtweise.

    Und was den übrigen Teil des Gespräches mit der LZ betrifft: Da wird dann nur noch von dem Verhältnis der Uni zur Stadt (-verwaltung) und zur Wirtschaft gesprochen. Gehört sich ja auch so. Der Steuerzahler ist schließlich nur zur Finanzierung gedacht. Was geht den dann alles andere an und warum soll der auch noch ein wichtiger Gesprächspartner sein. So sieht die Spaltung unserer Gesellschaft in viele Gruppen aus. Und das soll eine Gesellschaft sein die zusammen hält?

    • Gratulation, Heidi ! Drei wichtige Punkte ! Der schwätzt über Kommunikationsprobleme und merkt dabei nicht, dass er die wirklichen Probleme umkurvt und stattdessen beinah garnix sacht. Außer, dasser Willi Wichtig kennt. Das nenn ich über Kommunikationsprobleme kommunizierend Kommunikationsprobleme erzeugen. Ich bin wirklich erstaunt, wenn ich mir deinen Kommentar und all die anderen drumrum so anschaue. Soviel Witz und Gesprächskultur kennen wir hier in Uelzen nicht.

  6. Der Vorsitzende der Leuphana-Universitätsgesellschaft möchte „die öffentliche Wahrnehmung seines Vereins stärken“, meint, diesen „neu orientieren zu müssen“, möchte „den Dialog fördern“, indem er eine „inhaltliche Brücke zwischen Universität und Region spannt“ und zu diesem Ende „eine Veranstaltungsreihe“ initiiert, wobei „der Unterschied zu anderen Formaten ein roter Faden sein“ und „eine dichte Taktung der Vorträge“ irgendwie „Kontinuiät im Dialog“ erzeugen soll, wobei jedesmal „eine entsprechende Partnerinitiative oder Institution“ dabei ist und den „Win-win“-Song trällert.

    Da das, was eventuell mit diesem armselig in sich hineingeknoteten Sprachnotgewürge gemeint sein könnte, nämlich die Aspiration, als kostengünstiges Transmissionsmaschinchen des Leuphana-Pressebüros wirken zu dürfen, noch Zukunftsmusik ist, fand sich das Resümee schon in der Überschrift: „Es gibt ein Kommunikationsproblem.“

    Wahrhaftig ! Das ist der Leuphana-Sound: Ist nicht das ganze Leben letztlich bloß ein Kommunikationsproblem? Und „Nachhaltigkeit“ ist die leere, aber beliebigen Verkaufszwecken dienstbare Hülle, die man darüber stülpen kann.

    Aber könnte es sein, dass die „Leuphana Universitätsgesellschaft Lüneburg e.V.“ zu genau jenen Einrichtungen gehört, die sich öffentlich mit der Lösung von Problemen beschäftigen, welche es ohne sie gar nicht geben würde?

  7. Wurden nicht die neben der SED im „Demokratischen Block der Nationalen Front“ vereinten Parteien der DDR, die ihnen „assoziierten“ Organisationen bis hin zu Stiftungsräten und Universitätsgesellschaften und deren Repräsentanten so genannt, weil sie – immer um Wahrnehmbarkeit und ein homogenes Gesamtbild bemüht – die Parolen der Präsidenten des Zentralkomitees so eifrig nachpfiffen?

    • Gunda Schneider

      Das ist richtig. Aber heute nennt man solche „konzertierte“, intern auf Konsens und „Corporate Loyalty“, extern auf „Image-Effekte“ und Reklameharmonien zielende Melodienarbeiterei von kooperierenden „Stakeholder“-Orchestern „Integrierte Brand-Kommunikation“ oder sales- bzw. investorenrelevantes „Leitbild-Marketing“.

  8. Und die Flöten selber?

    „Markenbotschafter“ ?

  9. Bitte um Hausaufgabenhilfe

    Mir scheint, bei euch bin ich richtig.

    Unser Geschi-Lehrer sagt immer, wir sollen mutig „in Vergleichen denken“. Nur so wär all das Historische überhaupt sinnvoll und könnte auch schummrige Ecken bei uns Zuhause ausleuchten. Ist aber manchmal nicht so einfach. Für eine besondere Lernleistung LK an der Herder würd ich hier noch etwas mehr Klarheit brauchen:

    Kann mir mal jemand an einem aktuellen Beispiel erläutern, was der Begriff „Gleichschaltung“ bedeutet?

    Ist „le sacrifice de la raison“ eigentlich auch zeitweilig und „projektbezogen“ möglich oder muss man sich darauf jahrelang vorbereitet haben und in der Folge mit entsprechend hartnäckigen Beschränkungen rechnen?

  10. Gleichschritt macht Mut

    Synchrone Bewegungen stärken nicht nur den Zusammenhalt zwischen Menschen, es verändert auch die Einschätzung des herannahenden Gegenübers. So würden mögliche Baukosten für überdimensionierte Zentralgebäude durch gemeinsam Singende und Marschierende zumeist geringer und unbedeutender eingeschätzt, als sie tatsächlich seien, ergab eine Studie von Forschern der University of California in Los Angeles: (http://rsbl.royalsocietypublishing.org/content/10/8/20140592)

    Die Untersuchung erkläre die Vorliebe etwa von Universitätsgesellschaften und Stiftungsräten für gedanklichen Gleichschritt und synchrones kommunikatives Marschieren nach Vorgaben von Hochschulpräsidien, berichten Daniel M. T. Fessler und Colin Holbrook in den „Biology Letters“ der britischen Royal Society. Streng choreographierte Parallelbewegungen minimierten Ängste und reduzierten die Unsicherheiten der Eigenverantwortlichkeit beim Einzelnen. Andererseits könne dieser Zusammenhalt von eingeschworenen Tanzgruppen beispielsweise gegenüber Oberfinanzdirektionen, Landungsrechnungshöfen und Wissenschaftsministerien zu unnötig überheblichem und beratungsresistentem Verhalten führen.