Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Hilfreiches Geschäft gekippt
In 70 Sammelbehältern in und um Lüneburg  hier in der St.-Nicolai-Kirche  sammelt die Bürgerstiftung alte Handys. Der Vorsitzende Winfried Kopp sucht jetzt nach einem neuen Abnehmer. Foto: be
In 70 Sammelbehältern in und um Lüneburg  hier in der St.-Nicolai-Kirche  sammelt die Bürgerstiftung alte Handys. Der Vorsitzende Winfried Kopp sucht jetzt nach einem neuen Abnehmer. Foto: be

Hilfreiches Geschäft gekippt

mm Lüneburg. Die Lüneburger Bürgerstiftung St. Nicolai finanziert sich zu einem beachtlichen Teil über den Erlös von eingesammelten Althandys. Rund 33000 Euro kamen in acht Jahren zusammen. Das Stiftungsvermögen beträgt insgesamt 247000 Euro. Doch nun steht das gesamte Geschäftsmodell vor dem Aus. Denn Abnehmer Vodafone hat die Zusammenarbeit eingestellt.

21,6 Millionen Smartphones wurden im Jahr 2012 verkauft, im Jahr darauf 26,4 Millionen, für 2014 wird gar ein Absatz von knapp 30 Millionen Geräten erwartet. Und das nur in Deutschland. Doch die Handy-Modelle wechseln schnell. Verbraucher entsorgen alte Geräte, ungeachtet, ob sie noch funktionstüchtig sind. Nach Schätzungen lagern mehr als 80 Millionen alte Handys in deutschen Haushalten. Ein Rohstoffschatz, denn für die Produktion werden unter anderem Gold, Silber und Kupfer benötigt. Die Ressourcen sind endlich. Die Sammlung der Altgeräte zu Recyclingzwecken ist eine wichtige Aufgabe. Genau darum kümmert sich die Bürgerstiftung St. Nicolai bisher.

„Vodafone Deutschland musste die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Bürgerstiftungen in Sachen Handy-Recycling leider zum 31. Januar 2014 einstellen. Hintergrund sind Änderungen der einschlägigen Gesetze“, begründet Konzernsprecher Volker Petendorf. Die Änderung beziehe sich auf das „Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten“. Dies sehe vor, dass jetzt nur noch öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger sowie Vertreiber und Hersteller die Elektroaltgeräte zum Beispiel Handys und Smartphones sammeln und erfassen dürfen. Hinzu kämen Probleme mit Finanzbehörden, die in den Aktivitäten der Bürgerstiftungen beim Handy-Recycling eine gewerbliche Sammlung sähen.

Seit 2006 hat die Bürgerstiftung mehr als 14700 ausgediente Handys eingesammelt und Vodafone zur Verwertung zur Verfügung gestellt. Die Vertreiber von Elektro- und Elektronikartikeln sind per Gesetz verpflichtet, ausrangierte Geräte zu Verwertungszwecken von den Verbrauchern zurückzunehmen. Für ein Handy bekam die Bürgerstiftung zuletzt 1 Euro, anfangs sogar 3,50 Euro. „Jeder Euro geht in soziale Projekte“, sagt der Stiftungs-Vorsitzende Winfried Kopp.

Kopp rechnet vor: „Im Durchschnitt konnten von der Bürgerstiftung St. Nicolai pro Jahr 2000 Althandys eingesammelt werden. Multipliziert man das mit den 685 deutschen Groß- und Mittelstädten könnten jährlich wohl um die 1,3 Millionen Althandys zusammenkommen“. In und um Lüneburg stehen von der Nicolai-Stiftung 70 Sammelstellen für die Althandys bereit, die Behälter werden von den Ehrenamtlichen alle vier Wochen geleert. Aber wohl nicht mehr lange wenn die Stiftung keinen neuen Vertriebspartner findet. „Es ist äußerst schwierig, Kontakte zu Elektronikkonzernen und Telekommunikationsunternehmen herzustellen“, sagt Kopp.

Nach einem neuen Geschäftsmodell für die Stiftung suchte Kopp auch an der Leuphana. Im Seminar „Nachhaltige Verwertung und Wiederverwendung elektronischer Altgeräte“, organisiert vom Innovationsverbund Nachhaltiger Mittelstand, tauschten sich Entsorger und Elektroabfallverwerter über die Entwicklung von wirtschaftlich tragfähigen und ökologisch nachhaltigen Verwertungslösungen aus. Da wurde Kopp aufmerksam auf die AfB gemeinnützige GmbH. Das Unternehmen setzt auf Altgeräte-Verwertung, sammelt ausrangierte Elektrogeräte von Konzernen. Kopp könnte sich eine Zusammenarbeit „gut vorstellen“. Auch mit anderen Verwertern. Die Vodafone-Einnahmen werden künftig fehlen. „Ein wesentlicher Betrag des Stiftungskapitals“.