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Wohin soll die Reise gehen? Sylveli und Michael Gatza planen gern spontan und fahren mit ihrem Wohnmobil dorthin, wo es ihnen gerade gefällt. Foto: t&w
Wohin soll die Reise gehen? Sylveli und Michael Gatza planen gern spontan und fahren mit ihrem Wohnmobil dorthin, wo es ihnen gerade gefällt. Foto: t&w

Mit dem Wohnzimmer durch die Welt

us Lüneburg. Es ist das Gefühl von Freiheit, Spaß und Unabhängigkeit, das Michael Gatza und seine Frau Sylveli genießen, wenn sie mit ihrem fünfeinhalb Meter langen Wohnmobil unterwegs sind. „Alles, was wir brauchen, haben wir an Bord“, sagt die 66-Jährige. Sobald das Wetter nach ihrem Geschmack ist, werden ein paar Kleidungsstücke eingepackt, dann geht es auch schon los. „Seit wir nicht mehr berufstätig sind, können wir spontan entscheiden, das ist klasse“, ergänzt Ehemann Michael.

Vor knapp 30 Jahren haben sie sich ihren Traum von einem fahrbaren Dach über dem Kopf erfüllt, davor hatten sie eine Zeitlang einen Wohnwagen, die ersten Urlaube wurden sogar noch einem kleinen Zwei-Mann-Zelt verbracht. „Mehr konnten wir uns damals nicht leisten“, erzählt der 67-Jährige. Aus der Not ist eine Leidenschaft geworden, auch wenn die Ansprüche in den Jahren gestiegen sind. „Es ist natürlich deutlich komfortabler als ein Zelt“, erläutert Michael Gatza, der sich noch an einen völlig verregneten Zelturlaub in Norwegen erinnert. „Und man ist viel beweglicher.“

Heute verbringen die beiden Lüneburger viele Wochen im Jahr in ihrem Hymermobil 540 „mit Mercedes-Fahrgestell“, wie Michael Gatza nicht ohne Stolz betont. „Den haben wir 1986 gebraucht gekauft, 36500 Mark mussten wir für das sechs Jahre alte Auto bezahlen,“ sagt er. Doch die Anschaffung habe sich längst bezahlt gemacht, auch wenn er bei den Tankstellen bisweilen tief ins Portemonnaie greifen muss. „Aber mit den 170 Litern im Tank komme ich gut 1000 Kilometer weit.“ Gefahren wird nur in der Zeit von Mai bis September, in den Wintermonaten kommt das Camping-Mobil in eine Scheune. „Die Außenwände haben nur zwei Zentimeter, damit sind wir nicht winterfest“, erklärt der gebürtige Helmstedter, der lange Jahre in Lüneburg beim Heeresmusikkorps die Trommeln geschlagen hat.

Beim Bund hat er auch einen Busführerschein gemacht, der kam ihm zugute, als beide vor zehn Jahren mit einem Wohnmobil durch die USA gefahren sind. Dort hatten sie sich zuvor ein passendes Fahrzeug gekauft, „es war mit neuneinhalb Metern Länge für amerikanische Verhältnisse eher klein“, erzählt er. Die Freiheit, überall hinfahren und auch für ein, zwei Tage bleiben zu können, habe sie besonders beeindruckt. Das sei in Deutschland und in vielen europäischen Staaten heute nicht mehr möglich, hier müssen sie in der Regel Stellplätze oder Campingplätze aufsuchen. „Wir ziehen Ersteres vor, das ist deutlich preiswerter, auch kommt man mit Gleichgesinnten schneller ins Gespräch“, weiß seine Frau zu berichten. Bei den abendlichen Gesprächen werden Erfahrungen ausgetauscht und Touren-Tipps gegeben.

Wohnmobile werden im Landkreis Lüneburg immer beliebter, die Zulassungszahlen steigen kontinuierlich. Foto: nh
Wohnmobile werden im Landkreis Lüneburg immer beliebter, die Zulassungszahlen steigen kontinuierlich. Foto: nh

Für Wohnmobil-Anfänger hat Michael Gatza auch einen Tipp parat: „Selbst wenn man irgendwo allein stehen kann, sollte man schauen, dass noch ein bis zwei weitere Fahrzeuge in der Nähe sind, aus Sicherheitsgründen.“ Sie selbst seien gleich bei ihrer ersten Fahrt nach Südfrankreich ausgeraubt worden, selbst ein eingebauter Safe wurde geknackt. „Und immer Geld und Pässe mitnehmen, möglichst auch den Laptop und natürlich Handys.“

Ihre Ziele sind oft die skandinavischen Länder, aber auch die heimischen Gefilde werden von ihnen gern bereist. Am übernächsten Wochenende soll es zum Globetrotter-Treffen nach Amelinghausen gehen, auch Fahrten an die Elbe sind geplant, „je nach Wetterlage“, sagt Sylveli. „Es muss ja nicht immer weit sein.“

Steigende Zahlen
1153 Wohnmobile gibt es nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes derzeit im Landkreis Lüneburg, so viele wie noch nie. 2009 Iag die Zahl noch bei 972 Fahrzeugen, seitdem ist sie von Jahr zu Jahr gestiegen. Auch bundesweit ist die Tendenz steigend, mit 369 000 Mobilen sind es heute rund 44.000 mehr als noch 2009. Wer sich ein neues Wohnmobil kauft, ist im Schnitt fast 59 Jahre alt, heißt es in einer Studie des CAR-Instituts der Uni Duisburg. Sie will auch herausgefunden haben, dass der Anstieg der Wohnmobile mit der Zunahme der Senioren zusammenhängt. Als potenzielle Käufer verfügten sie über das nötige Kleingeld, um sich die nicht gerade preiswerten Reisegefährte leisten zu können. Ab etwa 50.000 Euro sind die sogenannten Teilintegrierten zu haben, das sind Fahrzeuge, deren serienmäßiges Fahrerhaus für den Wohnbereich mitgenutzt wird. Wer ein Hightech-Mobil mit allem Komfort erwerben möchte, landet schnell bei 100.000 Euro, in der Luxus-Klasse ist das Preisgefüge nach oben offen. Gäbe es eine Wohnmobil-Bundesliga, käme der Landkreis Lüneburg auf Platz 63 von 401. Hier kommen 6,6 Wohnmobile auf je 1000 Einwohner. Der bundesweite Spitzenreiter ist mit 12,4 Wohnmobilen pro 1000 Einwohner der Kreis Garmisch-Partenkirchen in Bayern.