Donnerstag , 29. September 2016
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Mit dem E-Bike auf Mammuttour von Schweden zum Bodensee: Julia Persson (re.) ist Anfang an dabei, Jaqueline Bode hat sich der Gruppe in Travemünde angeschlossen. Foto: t&w
Mit dem E-Bike auf Mammuttour von Schweden zum Bodensee: Julia Persson (re.) ist Anfang an dabei, Jaqueline Bode hat sich der Gruppe in Travemünde angeschlossen. Foto: t&w

Kraftprotz auf zwei Rädern

us Lüneburg. Der Druck, den man beim Anfahren auf die Pedale gibt, ist sofort spürbar. Weniger in den eigenen Muskeln als vielmehr durch beeindruckende Beschleunigung des schnittig-schwarzen Pedelecs, das deutliche Ambitionen zum Treckingrad aufweist, wären da nicht die fette Batterie und der Nabenmotor im Hinterrad. Am Montag kam Jens Rasmuss mit dem kraftvollen Zweirad in Lüneburg an. 110 Kilometer hatte er an diesem Tag geschafft, es war die zweite von insgesamt zwölf Etappen, die er bis zum 26. August zurücklegen will.

Er und sein schwedisches Team planen ihre Ankunft auf der Fachmesse „Eurobike 2014“ in Friedrichshafen am Bodensee. Insgesamt 1000 Kilometer haben sie dann auf dem Sattel verbracht, eine Strecke, die vor allem eines zeigen soll: Dass der von ihnen entwickelte neue Elektroantrieb für E-Bikes und Pedelecs alltagstauglich ist.

„Ich gebe zu, wir haben ein bisschen Respekt vor der Strecke, zumal wir alle keine Profi-Sportler sind, sondern normale Freizeit-Radler“, sagt Jens Rasmuss in gutem Deutsch. Der Schwede ist Mitarbeiter des Unternehmens Höganäs aus dem gleichnamigen Ort in Südschweden, wo der neuartige Antrieb entwickelt wurde. „Neu daran ist das besonders hohe Drehmoment“, erklärt Rassmus. „Bereits bei geringen Umdrehungen entwickelt der Elektromotor seine ganze Kraft.“ Das soll vor allem Radlern zugute kommen, die lange und bergige Strecken fahren, bei denen andere Systeme schon mal an ihre Leistungsgrenze geraten und überhitzen können, wie der Höganäs-Manager erklärt.

Härtetest: 1000 Kilometer legt Jens Rassmus mit dem neuen E-Bike auf dem Weg von Schweden nach Süddeutschland zurück, jetzt machte er Station in Lüneburg.
Härtetest: 1000 Kilometer legt Jens Rassmus mit dem neuen E-Bike auf dem Weg von Schweden nach Süddeutschland zurück, jetzt machte er Station in Lüneburg.

Elektrofahrräder gehören zu den stark wachsenden Segmenten auf dem Fahrradmarkt. Während 2011 nach Angaben des Unternehmens noch rund 23 Prozent der Deutschen auf E-Bikes und Pedelecs setzten, seien es in diesem Jahr bereits 31 Prozent, das entspricht rund 300000 verkauften Elektrofahrrädern.

Das Unternehmen, das sich auf die Herstellung und Verarbeitung von Metallpulver spezialisiert und daraus den neuen Antrieb entwickelt hat, stößt auf einen Markt, der zu 95 Prozent von den Chinesen dominiert wird. „Damit können und wollen wir nicht konkurrieren“, erklärt Rassmus. Er setzt auf eine Zielgruppe, die antriebsstarke E-Bikes schätzt und auf anspruchsvollen Strecken unterwegs ist. Die Leistungsstärken reichen von 250 bis 500 Watt, Höchstgeschwindigkeiten von 25 oder 45 km/h werden angeboten. Das Gefährt soll 2000 bis 3000 Euro kosten und in der ersten Jahreshälfte 2015 auf den Markt kommen.

Nach Lüneburg seien sie gekommen, weil sie von den vielen hier lebenden Fahrrad-Begeisterten gehört hätten. Von der Stadt selbst haben sie nicht viel gesehen, nach der langen Tages-Etappe waren selbst die E-Biker froh, die Beine hochlegen zu können. Denn am nächsten Tag wartete schon die nächste Power-Strecke auf sie, dann ging es nach Hannover.