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Projektleiter Lars Petersen (l.) und Kammer-Hauptgeschäftsführer Norbert Bünten werben für den Auslandsaufenthalt von Lehrlingen, davon würden die jungen Leute ebenso wie die Ausbildungsbetriebe profitieren. Foto: be
Projektleiter Lars Petersen (l.) und Kammer-Hauptgeschäftsführer Norbert Bünten werben für den Auslandsaufenthalt von Lehrlingen, davon würden die jungen Leute ebenso wie die Ausbildungsbetriebe profitieren. Foto: be

,,Das Handwerk bringt dich überall hin“

rast Lüneburg. Das Handwerk startet eine neue Jugendkampagne, will so dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Am Sonnabend, 23. August, wird in der ARD-Sportschau erstmals der neue 40-sekündige Spot mit werbewirksamen Seiten des Handwerks für junge Leute gezeigt, der in Folge auch in Kinos und auf YouTube zu sehen ist. Auf YouTube gibt es auch Videos über das der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade angegliederte Niedersächsische Zentrum für internationale Beziehungen (NieZiB), das Lehrlingen und Gesellen unter dem Motto ,,Das Handwerk bringt dich überall hin“ einen Auslandsaufenthalt ermöglicht. ,,Ein Erfolgsmodell, das Schule macht, andere Institutionen wollen unser Know-how abzweigen“, sagt Kammer-Geschäftsführer Frank Twele.

Die Idee zu dem bundesweit als Vorreiter geltendem Lüneburger Modell hatte Hauptgeschäftsführer Norbert Bünten, 2006 wurde das Zentrum im Kammer-Gebäude an der Friedenstraße eingerichtet: ,,Ziel war und ist es, Lehrlinge als auch Gesellen über Mobilitätsprogramme ins Ausland zu entsenden, wo sie neben speziellen handwerklichen Fertigkeiten des Gastlandes auch interkulturelle, soziale und sprachliche Kompetenzen erwerben“, sagt Bünten. Projektleiter Lars Petersen ergänzt: ,,Unsere NieZiB-Angebote sorgen zudem für die Verringerung des Fachkräftemangels sowie für ein positives und modernes Image des Handwerks.“ Seine Gespräche mit den zurückkehrenden Lehrlingen: ,,Sie sind viel motivierter als zuvor, sehen, auf welch hohem Niveau wir hier in Deutschland die berufliche Bildung fahren.“ Die Bilanz der bisherigen acht Jahre kann sich sehen lassen: ,,Wir haben eine Erfolgsquote von 100 Prozent, es gab keine Abbrecher.“

Wurden die Teilnehmer bislang über Projektpartner im Ausland für drei Wochen in europäische Betriebe vermittelt, ist ab sofort auch ein Auslandsaufenthalt von drei Monaten innerhalb des Programms Grenzüberschreitende Verbundausbildung (GVA) möglich. Petersen zieht die Bilanz seit 2006: ,,Mehr als 300 Lehrlinge sammelten Erfahrungen in zehn Ländern. Derzeit sind feste Angebote für 15 Handwerksberufe in Norwegen, Italien und den Niederlanden vorhanden. Im Schnitt werden 45 Lehrlinge pro Jahr entsendet, im Gegenzug 30 ausländische Lehrlinge in Lüneburg aufgenommen.“ Vermittelt wurden beispielsweise eine angehende Friseurin nach Großbritannien, eine Schneiderin machte ihr Praktikum an einem Pariser Theater. Wir konnten gar einen Zimmererlehrling den Wunsch erfüllen, an einem Kesurokai in Japan teilzunehmen das ist ein Treffen von Handwerkern, die sich über internationale Handwerkskünste austauschen.“ Ansprechpartner für das Projekt gibt es auch in Nordirland, Finnland, Polen und Israel. Bünten: ,,Aktuell gehen wir in Sachen Partnerschaften auf Frankreich und Estland zu.“

Das Zentrum wirbt in den Betrieben für das Projekt. Die Lernzeit im Ausland wird auf die Lehrzeit angerechnet und über Zuschüsse aus dem Programm Leonardo da Vinci sowie einem Eigenanteil des Lehrlings finanziert. Petersen: ,,Die Lehrfirma stellt den Auszubildenden für die Dauer der Mobilität frei und zahlt die Lehrlingsvergütung weiter.“ Die Kammer übernimmt Planung, Organisation und Durchführung des jeweiligen Projekts. Die interkulturelle Vorbereitung erfolgt an einem Wochenende in Lüneburg, enthalten ist darin ein kurzer Kursus in englischer Sprache. Einen zusätzlichen Kursus in der jeweiligen Landessprache gibt es vor Ort. Nach ihrer Rückkehr erhalten die Teilnehmer den ,,Europass Mobilität“, ein europaweit anerkanntes Zertifikat.

Projektleiter Petersen weiß, dass manche Betriebe Vorbehalte haben, etwa weil sie für längere Zeit auf einen Mitarbeiter verzichten müssen: ,,Doch viele haben inzwischen gemerkt, dass die Teilnehmer motivierter, erfahrener und weltoffener zurückkehren davon profitiert das Unternehmen.“ Er nennt das Beispiel eines Lehrlings aus dem Kfz-Bereich, mit dem es betriebsinterne Probleme gab: ,,Wir dachten, ein Auslandsaufenthalt könnte helfen. Er tats auch: Nach seiner Rückkehr wurde der junge Mann sogar Kammersieger.“