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Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) unterstützt die Restaurierung eines Portals an der Unteren Schrangenstraße. Foto: t&w
Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) unterstützt die Restaurierung eines Portals an der Unteren Schrangenstraße. Foto: t&w

Rokoko-Türen für den Schmied

us Lüneburg. Aufgefallen war ihm das Portal schon lange, doch zahlreiche andere Projekte des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA) hatten ihn immer wieder davon abgehalten, sich der Sache zügig annehmen zu können. „Es sah ziemlich schlimm aus. Mir war klar, da musste was gemacht werden“, sagt Curt Pomp. Jetzt blickt der ALA-Vorsitzende zufrieden auf das frisch restaurierte Rokoko-Portal an der Unteren Schrangenstraße, das zu den bauhistorisch wertvollen Schmuckstücken dieser Stadt zählt.

Mehrere Jahre hatte sich der ALA für die Restaurierung des Tores eingesetzt, zahlreicher Gespräche und einiger Überzeugungsarbeit habe es bedurft, um auch die Eigentümer für die Maßnahme zu gewinnen, berichtet Pomp. Nachdem der Denkmalschutz nicht nur grünes Licht gegeben hatte, sondern auch 5000 Euro für die Arbeiten beisteuern wollte, konnte im Dezember vergangenen Jahres mit der Restaurierung begonnen werden. 7000 Euro kamen vom ALA, 1000 Euro von den Eigentümern.

Ein Tor mit Geschichte: Das Rokoko-Portal an der Unteren Schrangenstraße zeigt nach der Restaurierung fast wieder sein ursprüngliches Gesicht. Curt H. Pomp und der ALA haben die Arbeiten unterstützt. Foto: t&w
Ein Tor mit Geschichte: Das Rokoko-Portal an der Unteren Schrangenstraße zeigt nach der Restaurierung fast wieder sein ursprüngliches Gesicht. Curt H. Pomp und der ALA haben die Arbeiten unterstützt. Foto: t&w

Bei den Vorarbeiten gab es dann doch noch eine Überraschung: Nach genauer Untersuchung der Toranlage stellte Restaurator Markus Twillick aus Adendorf fest, dass es sich ursprünglich nicht um ein dreiteiliges Tor, sondern um eine doppelflügelige Haustür gehandelt habe. Recherchen ergaben, dass im Zuge der Nutzung der hinteren Gebäudeteile durch eine Schmiede die Hofeinfahrt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitert worden war. „Die zweiflügelige Tür wurde einfach durch einen dritten Flügel erweitert, damit konnte die Hofeinfahrt wieder verschlossen werden“, berichtet Pomp. Von der früheren Nutzung des Gebäudes durch eine Schmiede zeugt noch heute ein Schild, das über dem Portal prangt und auf den früheren Lüneburger Schmiedemeister Hoffmann hinweist.

Für die möglichst originalgetreue Wiederherstellung der beiden Rokoko-Türflügel mussten größere Eisenplatten entfernt werden, die noch zu Schmiede-Zeiten angebracht worden waren. „Wir vermuten, dass mit diesen Platten die Tür gegen Pferdehufe geschützt werden sollte“, erklärt Pomp.

Inzwischen sind beide Rokoko-Türflügel wieder eingesetzt, dieses Mal mit grünem Anstrich, „der damals weitgehend üblichen Farbe“, wie Pomp bemerkt. Zwischen das Flügelpaar wurde ein dritter, neutraler Flügel eingefügt. Nicht aus der Zeit des Rokoko stammt auch das Oberlicht über dem Eingang. „Das stammt aus der Gründerzeit“, ist Pomp sicher, „wir haben es dort belassen, weil ja auch das ein baugeschichtliches Dokument ist“.

Viele Rokoko-Elemente seien in Lüneburg nicht mehr zu finden, ein weiteres Portal wie das jetzt an der Unteren Schrangenstraße wiederhergestellte ist noch Auf dem Meere 17 zu finden. Die ornamentüberfrachtete Stilepoche, die sich um 1730 aus dem Spätbarock entwickelte und um 1770 von den strengen Formen des Klassizismus abgelöst wurde, habe sich in Lüneburg weniger in kompletten Gebäuden als vielmehr an einzelnen Gebäudeteilen gezeigt, erläutert Pomp. „Das war eher eine Anlehnung an den gerade vorhandenen Zeitgeschmack.“