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Dr. Heinz Hilbrecht (l.) hat zwei Vorträge in Lüneburg gehalten, einmal an der Uni und  hier im Bild  im Freiraum an der Salzstraße. Foto: hön
Dr. Heinz Hilbrecht (l.) hat zwei Vorträge in Lüneburg gehalten, einmal an der Uni und  hier im Bild  im Freiraum an der Salzstraße. Foto: hön

Das Glücks-Rezept

hön Lüneburg. Jeder sucht sie, die Formel für ein glückliches, stressfreieres Leben nur wenige scheinen sie gefunden zu haben. Denn Deutschland ist im Stress. Fast 60 Prozent der Befragten fühlen sich dauerhaft unter Druck gesetzt, ergab jüngst eine Krankenkassenumfrage. Aber wie entsteht Stress eigentlich und was kann man dagegen unternehmen? Wie gelingt es, ein dauerhaft glückliches Leben zu führen? Antworten lieferte jetzt Dr. Heinz Hilbrecht, Doktor der Naturwissenschaften und Autor des Buches „Meditation und Gehirn“, bei einer Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Wie tickt der Mensch wie können wir uns wohlfühlen?“ im Lüneburger Freiraum.

Um zu verstehen, wann der Mensch glücklich arbeitet, erklärte Hilbrecht, lohne der Blick in die Anfänge. Menschen waren Ausdauerjäger, die lange Strecken zurücklegten. Es liege daher in der Natur des Menschen: Joggen hilft. Dabei werde vermehrt der Neurotransmitter Serotonin ausgeschüttet eine wirksame Therapie gegen Ängste und Depressionen. Ein weiterer Schlüssel zum erfüllten Leben liege im sozialen Miteinander: „Wenn Sie wahrlich glücklich werden wollen, übernehmen Sie ein Ehrenamt.“ Helfen und Hilfe empfangen machten glücklich. Eine Umfrage beim Deutschen Roten Kreuz und der Arbeiterwohlfahrt habe ergeben, dass die Mitarbeiter Erfüllung und Glück in ihrer Arbeit finden, trotz mitunter geringer Bezahlung und ungünstigen Arbeitszeiten.

„Wenn ich liebe und geliebt werde, bin ich doch auch glücklich“, wandte ein Zuhörer ein. „Verliebte Menschen sind im wahren Sinne im Rausch“, erwiderte Hilbrecht. Es werde ein Hormoncocktail ausgeschüttet, der nicht lange vorhalte man sei nur vorrübergehend euphorisch, mit wahrem Glück habe das wenig zu tun.

Eine Zuhörerin stellte fest, dass es viele Menschen gebe, die mehr nehmen als geben. Schnell werde man ausgenutzt. Hier helfe ein Trick, meinte der Referent: Wer ein Tagebuch über Begegnungen mit helfenden und sorgsamen Menschen führe, werde feststellen, dass die deutlich in der Überzahl sind. Wer nur den einzelnen Schmarotzer im Blick habe, übersehe die 90 Prozent der guten Menschen. „Sozialparasiten brauchen immer einen Wirt eine gesunde Selbstabgrenzung kann da Wunder wirken.“

Glück sei ein Lebenszustand. Aber was, wenn einem das Arbeitspensum über den Kopf wächst, die nächste Deadline lauert, der Chef immer mehr Leistung fordert? Stress sei die biochemische Ur-Reaktion des Körpers auf eine existenzbedrohende Situation. Der Körper schütte Cortisol und Adrenalin aus, das Herz pumpt schneller, der Blutdruck steigt. Um dauerhafte Erschöpfung zu vermeiden, helfe es, Probleme klar anzusprechen und so aus einer passiven Angstsituation herauszumanövrieren. Denn eine unklare Beziehung zu sich selbst und zu anderen sei „der Nummer-eins-Stressor“. Es gelte: Probleme ansprechen, mit Kollegen austauschen, sich vom Partner oder Freunden trösten lassen. So könne das „Bindungshormon“ Oxytocin ausgeschüttet werden ein wichtiger Stressdämpfer. Jeder Mensch reagiere unterschiedlich auf Stressfaktoren. Neue Forschungsergebnisse zeigten, dass ein bestimmtes Bewusstsein, ein Lebensstil oder langjährige Meditation die Art, wie Stresshormone gesteuert werden, verändern könnten. Der Körper könne „lernen“, gelassener zu werden. Getreu der asiatischen Weisheit: Was Du heute denkst, wirst du morgen sein.