Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Planspiel für Lebensmittelmarkt
Zur öffentlichen Fraktionssitzung der CDU im Lokal Feinschmeckerei kamen rund 20 Bürger. Sie hörten sich die Pläne der Christdemokraten an. Foto: be
Zur öffentlichen Fraktionssitzung der CDU im Lokal Feinschmeckerei kamen rund 20 Bürger. Sie hörten sich die Pläne der Christdemokraten an. Foto: be

Planspiel für Lebensmittelmarkt

as Lüneburg. Für Protest bei Anwohnern und Ladenbesitzern des Stadtteils Neu Hagen sorgt seit Wochen ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten, das einen Umzug von Aldi und Rossmann von der Bleckeder Landstraße aufs Lucia-Gelände zum Thema gemacht hat. Bürger fordern, dass die Märkte am Standort bleiben sollen. Das ist auch bei der Politik angekommen. Erst baten Vertreter von Rot-Grün Anfang August zum Ortstermin, jetzt lud die CDU zur öffentlichen Fraktionssitzung in die „Feinschmeckerei“ ein. Als Fazit formulierte Fraktionschef Niels Webersinn: Ein Lebensmittelmarkt müsse an der Bleckeder Landstraße erhalten bleiben. Die CDU werde verhindern, dass an dem Standort alternativ Wohnbebauung entstehe.

Webersinn sagte zum Auftakt der Sitzung, zu der rund 20 Bürger gekommen waren: „Wir möchten hören, was Sie auf dem Herzen haben, und von unseren Anstrengungen berichten.“ Fraktionskollege Dr. Gerhard Scharf machte deutlich, dass das Hanseviertel, so wie im Gutachten vorgeschlagen, zwar einen Einkaufsmarkt brauche, er aber eine Verlagerung von Aldi und Rossmann von der Bleckeder Landstraße zum Lucia-Gelände nicht nachvollziehen könne. Um sich für die Standortsicherung an der Bleckeder Landstraße einzusetzen, habe die CDU bereits vor vier Wochen Kontakt mit Heiko Westermann, Inhaber von Roy Robson, aufgenommen, erklärte Webersinn: „Er ist daran interessiert, das Nahversorgungszentrum zu erhalten und zu entwickeln, aber er möchte auch sein Gebäude für Arbeitsplätze in der Hauptverwaltung erweitern.“ Wichtig sei, Rossmann am Standort zu halten, um eine Kombination mit einem Lebensmittelmarkt zu haben. Da das Grundstück des Drogeriemarktes Westermann gehöre, „müsste man gucken, ob er eine Erweiterung ermöglicht“, sagte Webersinn. Wenn Aldi aufs Lucia-Gelände ziehen wolle das hatte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Bauausschuss Anfang August erklärt , solle man den Discounter nicht aufhalten, meint der CDU-Chef. Rewe, Lidl oder Edeka seien Alternativen, die an der Bleckeder Landstraße ansiedeln könnten. Allerdings wäre das nicht auf dem jetzigen Aldi-Grundstück möglich, das dem Discounter gehört, „weil Herr Westermann erweitern möchte“. Laut Planspiel der CDU könnte ein Lebensmittelmarkt auf dem Areal der Sparkasse entstehen, deren Filiale ins Hanseviertel umzieht. Die Käufer müssten mit ins Boot geholt werden. Auf die Frage eines Bürgers, wer denn das Grundstück der Sparkasse erworben habe, vermutete der CDU-Chef: „Das sind die Investoren Sallier und Porth.“

Auf LZ-Anfrage dementierte Jürgen Sallier diese Spekulation. Seiner Kenntnis nach seien die Verkaufsverhandlungen noch gar nicht abgeschlossen. Das bestätigte auch Markus Freudenreich, Leiter Vorstandsstab der Sparkasse. „Der Sparkasse liegen verschiedene Inte­ressenbekundungen vor.“ Westermann war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Zaungast der öffentlichen CDU-Fraktionssitzung war Grünen-Chef Andreas Meihsies. Beim Ortstermin Anfang August hatte er erklärt: „Wir nehmen mit, dass der Discounter an der Bleckeder Landstraße erhalten bleiben soll. Wir werden Heiko Westermann fragen, ob er bereit ist, Grundstücksflächen abzugeben.“ Meihsies bekräftigte jetzt: „Für uns ist Aldi an diesem Standort erste Wahl.“

„Wir als Stadt machen keinen Druck“
Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagt zum Gutachten: „Es ist eine Fortschreibung des Einzelhandelsentwicklungs- und Zentrenkonzeptes, in dem Nahversorgungsbereiche festgelegt sind. Untersucht wurde die Verträglichkeit für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes im Hanseviertel, den der Rat schon vor sechs Jahren mit dem ersten Bebauungsplan für das Neubaugebiet beschlossen hat, sowie die Verträglichkeit einer Erweiterung des Drogeriemarktes und des Penny-Marktes in Kaltenmoor.“ Im Rahmen des Gutachtens sei dann auch ausgelotet worden, wo Rossmann und Aldi angesiedelt werden könnten, wenn sie denn umziehen möchten. Mädge stellt klar, dass die Entscheidungen für einen Umzug allein bei den Discountern lägen. Bezüglich des Standortes Bleckeder Landstraße erklärte der Verwaltungschef, dass ein Großteil der Flächen – außer Sparkasse und Aldi – dem Inhaber von Roy Robson gehöre. Mit Heiko Westermann habe es lose Gespräche zur künftigen Nutzung gegeben. „Wir haben erklärt, dass wir uns eine Wohnbebauung dort vorstellen könnten.“ Letztlich würden darüber die Eigentümer entscheiden. Bezüglich der Planspiele der CDU, dass anstelle der Sparkasse ein Lebensmittelmarkt entstehen könnte, sagt Mädge: „Die jetzige Nutzfläche im Erdgeschoss böte zirka 500 Quadratmeter. Für heutige Lebensmittelmärkte wäre das viel zu klein.“ So will zum Beispiel Penny in Kaltenmoor auf 1200 Quadratmeter erweitern, Aldi strebt 1500 Quadratmeter an. „Wir als Stadt machen keinen Druck beim Standort Bleckeder Landstraße, sondern warten die Pläne von Herrn Westermann, Aldi und der Sparkasse ab.“ Von Westermann liege derzeit nur ein Bauantrag zur Sanierung des Outlet-Centers durch Neubau vor.