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Jutta Wollschläger hat mit 60 Jahren die Chance genutzt und den Bundesfreiwilligendienst bei der VHS angefangen. Das ist wunderbar, sagt sie, die neue Arbeit frischt auf, persönlich und geistig. Foto: t&w
Jutta Wollschläger hat mit 60 Jahren die Chance genutzt und den Bundesfreiwilligendienst bei der VHS angefangen. Das ist wunderbar, sagt sie, die neue Arbeit frischt auf, persönlich und geistig. Foto: t&w

„Bufdi“ mit 60plus

off Lüneburg. Ihren ersten Tag als „Bufdi“ hat Jutta Wollschläger mit 60. Schon Monate zuvor hat sie sich bei der Volkshochschule (VHS) Lüneburg vorgestellt, ist von Berlin nach Bienenbüttel gezogen und beginnt an einem Novembermorgen ihr Jahr im Bundesfreiwilligendienst. Vor drei Jahren hat das Modell „Bufdi“ den Zivildienst abgelöst. Und damit auch die Zeiten, in denen der Freiwilligendienst ausschließlich Sache junger Schulabgänger war. Bundesweit ist heute mehr als jeder fünfte Teilnehmer älter als fünfzig. Denn eine Altersbegrenzung für „Bufdis“ gibt es nicht.

Jutta Wollschläger sitzt im vierten Stock der VHS am Schreibtisch. Schwarze Jeans, weißes Shirt, kurze, hellblonde Haare und eine große, schwarze Brille. Sie sieht jünger aus als 61, eine Frau, zu der ein Jahr Bundesfreiwilligendienst irgendwie passt. Neun Monate ist sie inzwischen dabei, unterstützt halbtags die Programmleiterin im Gesundheitsbereich, hilft Kunden bei der Kursauswahl. Ihre Hoffnungen, mit denen die Familientherapeutin im November angekommen ist, haben sich erfüllt: „Die Arbeit hier hat mir das Ankommen unheimlich erleichtert“, sagt sie, „ich habe Berlin noch nicht einmal vermisst.“

Die 61-Jährige hat den Bundesfreiwilligendienst als Chance zum Neuanfang genutzt. Andere suchen als „Bufdi“ im Ruhestand eine neue Herausforderung oder nach der Kinderpause eine Möglichkeit zum Wiedereinstieg. „Die Gründe, warum sich ältere Menschen für den Bundesfreiwilligendienst entscheiden, sind vielfältig“, sagt Antje Mäder, Sprecherin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (Bafza). Eindeutig hingegen ist: Die Zahl der älteren Teilnehmer steigt.

Allein in den letzten beiden Jahren hat sich die Zahl der „Bufdis“ über 50 Jahre bundesweit von 6475 auf aktuell 9673 erhöht. In Stadt und Landkreis Lüneburg sind nach Angaben des Bafza aktuell 55 „Bufdis“ im Einsatz, davon sieben älter als 27 Jahre. Mit Bekanntwerden der altersunbegrenzten Möglichkeiten, „ist auch das Interesse Älterer gewachsen“, sagt Bundesamtssprecherin Mäder. Doch die Plätze sind begrenzt. Und zwar vor allem für Ältere.

Für Jutta Wollschläger endet im November ihre Zeit bei der VHS. Eine Option zur Verlängerung auf 18 Monate gibt es für sie nicht. „Als VHS haben wir zwar zwei neuen Bufdi-Stellen genehmigt bekommen“, sagt die stellvertretende Leiterin, Claudia Kutzick. Dieses Mal allerdings mit Auflagen: Die Teilnehmer müssen 25 Jahre oder jünger sein. Der Grund, erklärt Antje Mäder, sei die Jahreszeit. „Viele junge Menschen sind jetzt im Herbst mit der Ausbildung oder der Schule fertig und suchen nach Perspektiven.“ Die will das Bundesamt ihnen geben: Und schließt zumindest zeitweise Ältere vom Bundesfreiwilligendienst aus.

„Der Bundesfreiwilligendienst ist ein enormer Erfolg“, sagt Mäder, „deswegen ist es notwendig geworden, die Neubesetzung der noch freien Plätze stärker zu steuern.“ Insgesamt 178 Millionen Euro gibt der Bund in diesem Jahr für das Programm aus, zahlt damit rund 41000 Teilnehmern unter anderem ein monatliches Taschengeld von maximal 357 Euro. Zum Vergleich: 2009 standen im Bundeshaushalt rund 660 Millionen Euro für den Zivildienst bereit, rund 90000 Zivis gab es damals bundesweit.

Wie es für Jutta Wollschläger nach ihrem Bundesfreiwilligendienst weitergeht, „wird sich zeigen“, sagt sie. Eins kann sie aber jetzt schon definitiv sagen: „Ich würde den Dienst sofort wieder machen.“ Nur an die Abkürzung, sagt sie, könne sie sich einfach nicht gewöhnen. „Budfi, das hört sich einfach bescheuert an.“

Andere Freiwilligenprogramme
Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) steht grundsätzlich allen offen, die ihre Schulpflicht erfüllt haben. Eine Altersbegrenzung nach oben gibt es nicht. Anders ist das beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ): Diese Dienste sind nur offen bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres. Wer sich für den BFD entscheidet und über 27 Jahre alt ist, kann auch in Teilzeit (mind. 20 Wochenstunden) arbeiten. Weitere Unterschiede der Freiwilligendienste: FSJ und FÖJ können nur einmal geleistet werden, der BFD alle Jahre wiederholt werden. FÖJ und FSJ können grundsätzlich auch im Ausland absolviert werden, der BFD nicht. Weitere Infos und Einsatzstellen unter www.bundesfreiwilligendienst.de