Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Der Weg beiderseits der Teufelsbrücke bleibt vorerst gesperrt. Foto: be
Der Weg beiderseits der Teufelsbrücke bleibt vorerst gesperrt. Foto: be

Hornissen verteidigen ihr Nest

us Lüneburg. „Aggressive Hornissen, Durchgang verboten!“ ist auf dem Schild an der Absperrung zu lesen, die seit Sonntag die Nutzung des Weges an der Teufelsbrücke untersagt. Grund sind Hornissen, die sich einen hohlen Baum am Wegesrand als Nistplatz ausgesucht haben. Etwa 80 bis 150 Hornissen sollen in dem Baum nisten, schätzt Thomas Mitschke vom Nabu Lüneburg, „genau ist das nur schwer zu sagen, da der größere Anteil sich im Inneren des Baumes aufhält“.

Thomas MItschke vom Nabu Lüneburg schätzt, dass in diesem Baum etwa 80 bis 150 Hornissen nisten. Foto: be
Thomas MItschke vom Nabu Lüneburg schätzt, dass in diesem Baum etwa 80 bis 150 Hornissen nisten. Foto: be

Den Hinweis habe Mitschke, der auch Hornissenbeauftragter von Stadt und Landkreis Lüneburg ist, am Montag, 1. September,  von der Polizei erhalten. Diese hatte bereits eine erste provisorische Absperrung vorgenommen. „Das ist auch dringend erforderlich, da die Tiere hochgradig aggressiv reagieren, sobald sie sich bedroht fühlen.“ Eine Situation, die Montag bereits eingetreten ist. „Ich bin drei Mal gestochen worden“, berichtet Edeltraut Kölling aus Adendorf. Zusammen mit zwei Freundinnen war sie am Morgen im Tiergarten joggen, dabei nutzten sie auch den Weg über die Teufelsbrücke, „der war aber zu dem Zeitpunkt noch gar nicht abgesperrt gewesen“, sagt die Adendorferin.

Plötzlich habe sie einen heftigen Stich im Oberarm gespürt, kurz darauf gab es zwei weitere. „Um uns herum war auf einmal alles voller Hornissen, meine Jacke war voll davon.“ Um sich von den Tieren zu befreien, warf sie die Jacke weg, dann liefen sie so schnell sie konnten weiter. „Erst als wir am Ende des Weges ankamen, sahen wir die Absperrung und den Hinweis auf die Hornissen.“ Inzwischen war ihr Arm feuerrot angelaufen, „er schmerzte höllisch, ich zitterte am ganzen Körper, bekam kalte Hände und Schweißausbrüche“. Da sie auf Bienenstiche allergisch reagiert, habe sie sofort einen Arzt aufgesucht, der habe ihr auch gleich eine große Dosis Cortison verabreicht.

Die Absperrung sei auf jeden Fall zu beachten, sagt auch Mitsch­ke, dem neben dem Schutz der Menschen vor allem das Wohl der Hornissen am Herzen liegt. „Die Hornissen sind da, wo sie hingehören,“ sagt er mit Verweis darauf, dass sich die Tiere im Naturschutzgebiet befinden, wo sie auch ihre Nahrung finden. Baumhöhlen seien der bevorzugte Nistplatz dieser Tiere, „doch davon gibt es leider nicht genug“.

Auch in den Abendstunden oder gar nachts sollte der Weg nicht betreten werden, da die Tiere auch dann aktiv seien. Besonders appelliert er an Jugendliche, die gelegentlich bei Dunkelheit an der Teufelsbrücke zusammenkommen, sich an das Verbot zu halten. „Sobald eine Hornisse Gefahr für ihr Volk wittert, sprüht sie ein Alarm-Pheromon aus, ein Signal für alle Hornissen, sich auf den Angreifer zu stürzen.“ Vor allem der Kopf sei bevorzugter Angriffspunkt.

Wenn es um ihr Nest und ihren Nachwuchs geht, ist mit Hornissen nicht zu spaßen. Deshalb hat die Stadt reagiert,. Foto: haase
Wenn es um ihr Nest und ihren Nachwuchs geht, ist mit Hornissen nicht zu spaßen. Deshalb hat die Stadt reagiert,. Foto: haase

Die Sperrung des Weges zur Teufelsbrücke wird vermutlich noch ein paar Wochen bestehen bleiben, ist Mitschke überzeugt. „Es muss so lange gesperrt werden, bis sich das Volk aufgelöst hat.“ Das werde spätestens mit Einsetzen der Frostperiode der Fall sein. Dann suchen sich auch die Jungköniginnen ein neues Quartier.

Dass der Weg nur einseitig gesperrt gewesen sei, konnte sich Antje Freudenberg, Pressesprecherin der Lüneburger Polizei, nicht vorstellen. „Das würde ja keinen Sinn machen, das wissen auch die Kollegen“, sagt sie. Die Polizei habe aber die Absperrungen nochmals kontrolliert, gestern wurden auch feste Absperrgitter von der Stadt aufgestellt.

Volk stirbt ab
Auf bis zu 700 Tiere kann ein Hornissenvolk heranwachsen. Nester werden im Frühjahr allein von der Königin gegründet, dort legt sie ihre Eier ab, aus denen dann die Larven schlüpfen und später Arbeiterinnen werden. Im Herbst schlüpfen junge Königinnen, die von den männlichen Drohnen begattet werden. Nur die begatteten Königinnen können überwintern, der Rest des Volkes stirbt ab. Alte Nester werden im nächsten Jahr nicht erneut besiedelt. Zwar verteidigen Hornissen ihre Nester wehrhaft, eine Gefährdung von Mensch und Tier wird aber häufig übertrieben. Ihr Gift ist dem von Bienen oder anderen Wespen vergleichbar, aber weniger toxisch. Stiche werden aber in der Regel wegen des längeren Stachels als schmerzhafter empfunden.

One comment

  1. Mit Interesse lese ich den heutigen Artikel in der LZ.
    Ich habe schon einige Hornissenvölker gesehen und beobachtet. Als aggressive Angreifer sind sie mir nicht bekannt.
    Sie können schon mal neugierig sein und „scannen“ einen ganz genau ab. Das die Joggerin gestochen wurde, tut mir leid. Man weiß ja nicht, was die Tiere so aufgebracht hat. Vielleicht hat vorher mal einer gestochert? Das Nest ist echt tief über dem Boden. Andere Tiere können auch schon versucht haben an die begehrten Larven zu kommen. Manchmal reagieren sie auf Deo und andere Duftstufe hektisch. Doch wild angreifen tun sie meiner Meinung nicht einfach so.
    Bei Hornissen heißt es einfach Ruhe bewahren, die Einflugsschneise freihalten und nicht nach schlagen.
    Wer möchte, kann gerne mal meinen kürzlich veröffentlichten Artikel in der Zeitschrift NaturFoto, Heft Juli 2014 nachlesen. Die meisten Fotos entstanden an Hornissennestern in Lüneburg und Umgebung. Das Hornissenjahr ist bald zu Ende…solange sollte man den Tieren ihre Ruhe gönnen.
    Viele Grüße aus Schönbach von

    Sonja Haase
    http://wiesensafari.de/?page_id=51