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Isa Duensing und Christian Vollmer  zeigen einen Schutzanzug, der gegen eine Infektion mit dem Ebola-Virus wappnen soll. Foto: t&w
Isa Duensing und Christian Vollmer zeigen einen Schutzanzug, der gegen eine Infektion mit dem Ebola-Virus wappnen soll. Foto: t&w

Angst vor dem tödlichen Ebola-Virus

ca Lüneburg. Der Hilferuf aus der Lüneburger Klinik des ASB in Gambia ist dramatisch: Das Ebola-Virus breitet sich immer weiter aus, es ist nur eine Frage der Zeit, wann es auch das kleine Krankenhaus in Westafrika trifft. Im nahen Senegal gebe es die ersten Krankheitsfälle. Seit Jahren leitet Gudrun Lehmbeck aus St. Dionys das Health Center, also das Gesundheitszentrum des Arbeiter-Samariter-Bundes. Sie berichtet: „Wir versuchen, unser Personal in der ASB-Klinik so gut wie irgend möglich zu schützen, dies ist unsere oberste Priorität, aber das ist auch eine logistische Herausforderung. Es ist Regenzeit, und jeden Tag haben wir viele Patienten zu versorgen, die Klinik ist voll, und die Symptome einer Malaria-Erkrankung sind der einer Ebola-Erkrankung recht ähnlich, was alles zusätzlich erschwert.“

Und weiter: „Wir brauchen dringend Unterstützung, unser Vorrat an Einmalhandschuhen wird schnell zu Ende gehen, die 50 Schutzanzüge aus Deutschland reichen bei weitem nicht aus, die Kosten für Desinfektionsmittel können wir auf Dauer nicht tragen. Mehr Personal wird benötigt, die Klinik und die täglichen Abläufe müssen umstrukturiert werden.“

Um zumindest ein wenig zu helfen, legt sich der Lüneburger ASB ins Zeug. Christian Vollmer agiert am Moldenweg als „Auslandsbeauftragter“. Das klingt toll, doch er ist alleine und erledigt das Amt neben seiner üblichen Arbeit. Er hat jetzt unter anderem 200 Schutzanzüge und einen Schwung kontaktloser Fieberthermometer besorgt, die kommende Woche via Flugzeug nach Gambia gehen sollen. „Ich habe mit Gu­drun Lehmbeck telefoniert“, sagte er gestern. Seine Kollegin, die fast ausschließlich mit einheimischen Helfern zusammenarbeitet, bemühe sich, ihre Kollegen zu beruhigen, sodass keine Panik ausbricht. Ein wesentlicher Ansatz dabei ist Prävention eine entsprechende Ausrüstung hilft, die Angst vor der tödlichen Krankheit zu nehmen. Vollmer sagt: „Sie wollen für die Gefahr gewappnet sein.“

Gudrun Lehmbeck sieht die Regierungen der betroffenen Staaten als überfordert an. Zudem dauere es, bis Maßnahmen der Weltgesundheitsorganisation WHO greifen, und es sei nicht klar, ob sie die Betroffenen überhaupt erreichen. Die Rettungsassistentin schildert: „Das Personal hat Angst, und wenn wir nicht in der Lage sind, für entsprechende Schutzmaßnahmen zu sorgen, wird niemand mehr zur Arbeit kommen. Wenn es möglich ist, würden wir auch gerne anderen Gesundheitsstationen helfen, mit Material und vor allem mit Ausbildung. Unsere Angestellten verfügen über viel Erfahrungen in ihrem Job, aber eine solche Situation ist für sie völlig neu, und die Arbeitsabläufe sind nicht bekannt.“

Mit ihrer Crew bereitet sie sich in Trainingseinheiten auf den Ernstfall vor: „Das Anziehen und Ausziehen der Schutzanzüge, die Entsorgung der kontaminierten Wäsche und Materialien muss immer wieder geübt werden, um lebensgefährliche Fehler im Umgang mit den Patienten zu vermeiden. Keiner von uns hätte je gedacht, dass wir uns mal in solch einer gefährlichen Situation befinden.“

Der Lüneburgerin ist klar, dass die Hilfe ihrer alten Kollegen an der Ilmenau nicht ausreichen wird: „Wir werden versuchen, bei offiziellen Stellen, wie dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland, humanitäre Hilfe zu beantragen, aber das Verfahren dauert, und ob es Erfolg hat, wissen wir nicht.“

Wer Gudrun Lehmbeck unterstützen möchte: Sparkasse Lüneburg, Stichwort ASB Gambia/Ebola; IBAN: DE48 2405 0110 0000 0313 44.