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Die Leuphana-Hörsäle füllen sich ab dem 13. Oktober wieder. Dann beginnt das Wintersemester. Foto: A/be
Die Leuphana-Hörsäle füllen sich ab dem 13. Oktober wieder. Dann beginnt das Wintersemester. Foto: A/be

Ohne Jobben reicht das Geld oft nicht

jco Lüneburg. Obwohl kein doppelter Abitur-Jahrgang die Nachfrage verstärkte, blieb die Zahl der Bewerbungen zum Wintersemester, das am 13. Oktober an der Leuphana Universität startet, mit rund 100000 Interessierten für die etwa 1500 Studienplätze für Erstsemester am College unverändert hoch. Die neuen Studierenden werden in der vom 6. bis 10. Oktober laufenden Startwoche in den Uni-Betrieb auf dem Campus eingeführt. Für viele von ihnen gibts gleich eine gute Nachricht: Mehr Geld für mehr Schüler und Studenten verspricht das neue BAföG, das Bundesausbildungsförderungsgesetz.

Die Förderung nehmen derzeit bundesweit rund 630000 junge Leute in Anspruch, 110000 weitere Empfänger sollen ab dem Wintersemester 2016/17 ebenfalls davon profitieren können. Das teilte die Bundesregierung mit. Dazu sollen gleichzeitig auch mehr Gelder fließen: Der Höchstsatz für BAföG-Empfänger mit eigener Wohnung steigt von 670 auf 735 Euro monatlich an. Auch mehr Vermögen darf im Besitz sein: Statt 5200 Euro haben Studenten nun einen Freibetrag von 7500 Euro. Zurückgezahlt werden muss weiterhin die Hälfte der finanziellen Unterstützung des Staates. „An der Leuphana Universität Lüneburg erhalten derzeit 1803 Studenten BAföG“, erklärt Brigitta Graef, Abteilungsleiterin für Studienfinanzierung des Studentenwerks Ost-Niedersachsen in Braunschweig. Insgesamt waren im vergangenen Sommersemester 7883 Studenten an der Uni immatrikuliert. „Die durchschnittliche Förderung liegt hier bei 465 Euro.“ Ob es auch aus Sicht der Empfänger Zeit für eine Reform ist, dazu haben sich zwei Studenten aus Lüneburg geäußert.

Die 23 Jahre alte Kristina Kowalka studiert auf Lehramt. „Ich habe die Förderung bei mir bisher immer als angemessen empfunden“, sagt die Leuphana-Studentin. Sie erhält monatlich eine BAföG-Förderung von 417 Euro. „Aber ich kenne auch genügend Leute, die viel zu wenig Geld bekommen.“ Kristina selbst hat jedoch nicht nur gute Erfahrungen mit dem Amt für Ausbildungsförderung. „Das Ausfüllen der ganzen Formulare bekomme ich allein schon gar nicht hin, dafür brauche ich immer Hilfe“, gesteht die 23-Jährige.

Doch richtig Probleme gab es vor allem beim Studiumswechsel von Vechta nach Lüneburg. „Ich habe bereits zwei Semester in Vechta studiert, dort bekam ich über 500 Euro BAföG. Die Credits aus Vechta kann ich mir aber in meinem neuen Studium nicht anrechnen lassen. Das hat das BAföG-Amt einfach nicht verstanden.“ Was folgte, war ein halbes Jahr ohne Geld. Denn ab dem vierten Semester fordert das Amt einen Nachweis von mindestens 90 Leistungspunkten im Studium. Aus Sicht des Amtes hätte Kristina diese schon vorzeigen müssen. „Die hatte ich natürlich nicht erreicht. Ich habe zwei Jobs machen müssen, um mich über Wasser halten zu können.“ Erst eine Klage hat dafür gesorgt, dass Kristina wieder gefördert wird. „Das war wirklich eine harte Zeit. Jetzt arbeite ich nur noch einmal die Woche und konzentriere mich wieder mehr auf mein Studium.“

Der 25 Jahre alte Wilko Galster studiert Betriebswirtschaftslehre im Gesundheitswesen. Zur BAföG-Reform hat er eine klare Meinung: „Ich denke, es ist an der Zeit, dass mehr Geld für Studenten zur Verfügung gestellt wird. “ Denn genug finanzielle Unterstützung durch das BAföG, das bekommt der BWL-Student seiner Ansicht nach lange nicht. Gerade einmal neun Euro erhält er monatlich. Ein Witz, findet Wilko. „Mit solch einer Förderung kommt man nun mal nicht weit.“ Deshalb muss der 25-jährige Lüneburger nebenbei arbeiten, um die anfallenden Lebenshaltungskosten abdecken zu können.

„Glücklicherweise übernimmt meine Familie die Miete, aber durch das Jobben bleibt am Ende auch nicht viel Geld für mich übrig.“ Denn Wilko hat auch noch die halbjährlichen Studiengebühren vor Augen, im niedersächsischen Raum kommen dabei knapp 800 Euro pro Semester zusammen. Das hat Konsequenzen: „Aufgrund der schwierigen Finanzierung werde ich mich jetzt exmatrikulieren lassen.“ Mit dem Studieren soll es nun erst einmal vorbei sein, Verbesserungsvorschläge für die Antragsstellung hat der Student dennoch: „Mich stört vor allem, dass es kaum Beratungsstellen gibt.“ Auch beim Amt für Ausbildungsförderung selbst hat Wilko keine ausreichende Hilfe erhalten, richtig beraten hat er sich nie gefühlt. „Das sollte wirklich verbessert werden.“